Pufpaff explosiv Schenkelklopfer mit Mehrwert: Kabarettist Sebastian Pufpaff im Gespräch

Sebastian Pufpaff  Foto: Gert WestdörpSebastian Pufpaff Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Immer beliebter beim Publikum: Kabarettist Sebastian Pufpaff. Anlässlich seines Auftritts am 6. April in der Osnabrückhalle sprachen wir mit dem telegenen Humoristen über Rollen und das Publikum, über Jobs und Sneaker als Erkennungsmerkmal.

Herr Pufpaff, vor nicht langer Zeit feierte ihr neues Programm „Wir nach…“ in Stuttgart Premiere, mit dem Sie bald auch nach Osnabrück kommen. Erklären Sie uns den Titel?

Vermutlich wirkt dieses „Wir nach…“ arg verunsichernd, was ja schon mal nicht verkehrt ist. Ich bin nun mal ein Kabarettist, der gern aufs Glatteis führt. Tatsächlich abgeleitet ist der Titel von dem Spruch „Mir nach…!“ Es geht um Fragen der Führung.

Ist das Thema in Deutschland nicht ein wenig heikel?

Klar, allein historisch bedingt ist das Wort „Führer“ schon schwierig. Geschäftsführer geht ja noch, aber selbst den Spielführer beim Fußball nennen wir lieber Kapitän.

Schaut man sich in der Welt um, gibt es sie offenbar wieder, die großen Führer.

Richtig. Der Grund liegt in der Personalisierung der Politik. Wir folgen nur noch Idolen und hoffen, dass die uns ins Glück führen. Inhalte sind dabei nicht gefragt. Ich würde mich liebend gern von diesem Personenwahnsinn abwenden, hin zu mehr Inhalten.

Es hört sich an, als sei das neue Programm ausgesprochen politisch?

Das ist eine Sache der Definition: Was ist politisch? Wenn man einen Parteinamen oder Politikernamen nennt? Oder wenn ich gesellschaftliches Leben reflektiere. In diesem Sinn versuche ich eigentlich immer, politisch zu sein. Aber mein erstes Anliegen ist es, die Leute zu unterhalten und Lacher zu produzieren. Ich nenne das gern Schenkelklopfer mit Mehrwert.

Bevor Sie selbst als Kabarettist durchstarteten, haben Sie bereits mit Bill Mockridge, dem Vater von Luke zusammen gearbeitet? Gibt es so etwas wie eine Humoristenszene, die sich regelmäßig trifft und austauscht?

Ja, und zwar in meiner Sendung „Pufpaffs Happy Hour“. Man kann die Show mittlerweile schon als den kleinen Klassenausflug der Komikerinnen und Komiker bezeichnen. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich treffen in der Show aufeinander, aber wir sitzen auch schon vorher und oft extrem lange nach der Sendung zusammen und quatschen. Das ist fast so etwas wie ein Thinktank oder das Kolloquium derjenigen, die im selben Genre unterwegs sind. Wenn manche Leute übrigens behaupten, dass in unserer Gesellschaft immer mehr Ellbogen gefragt sind, so kann ich das bei uns Kabarettisten eigentlich nicht feststellen. Da herrscht ein sehr freundschaftliches Miteinander vor.

Wenn ich Ihre Programme mit denen von jungen Vertretern der Szene wie Luke Mockridge oder Chris Tall vergleiche, stellt sich mir die Frage, ob es jugendlichen Humor gibt.

Nein, ich würde da eher eine Unterscheidung zwischen Kleinkunst und öffentlich-rechtlich auf der einen und Pop-Event bei den Privaten auf der anderen Seite machen. Das soll keine qualitative Abgrenzung sein, aber auf der jeweiligen Seite kommen ganz unterschiedliche Mechanismen zum Zug. Luke ist beispielsweise ein Tausendsassa, ein Multitalent, mehr Popstar denn Kleinkünstler. Er ist in einem anderen Genre unterwegs als wir mit Extra 3 und oder der Heute-Show.

Macht es Sie eigentlich glücklich, in der Heute-Show aufzutreten?

Ja, total. Es macht einfach unendlich viel Spaß, Teil dieser Truppe zu sein und mit den Kolleginnen und Kollegen dort zu arbeiten. Wir kennen uns alle untereinander, treffen uns auch privat. Außerdem ist es toll, mit den besten Autorinnen und Autoren Deutschlands eine Satire-Sendung auf die Beine zu stellen, die sowohl Anspruch hat als auch Lacher produziert. Wenn ich zur Sendung fahre, kommt bei mir schon Freude auf.

Ihre eigenen Programme schreiben sie selbst, in der Heute-Show bekommen Sie einen Text geschrieben. Funktioniert das?

Klar. Weil es sich um eine Wochenrückschau handelt, haben wir wenig Einfluss auf die Texte. Es gibt da ein Autorenteam, das die aktuellen Themen auf die verschiedenen Charaktere verteilt. Mittwochs, spätestens donnerstags bekommen wir unsere Texte. Es gibt Kollegen, die die Texte eins zu eins übernehmen, und welche, die die selbst bearbeiten. Da ich da meistens als Pufpaff, dem großkapitalistischen Arschloch, auftrete und nicht in eine Rolle schlüpfen muss, arbeite ich meistens mit dem jeweiligen Autor zusammen.

Haben Sie eine Kontrollinstanz, vor der Sie ein neues Programm testen?

Mein Publikum ist meine Kontrollinstanz. Da spüre ich schnell, ob etwas ankommt oder nicht. Ich mache meinen Job seit 2011. In der Zeit habe ich gelernt, wie vieles funktioniert. Außerdem gibt es ja auch bei den Kabarettisten so etwas wie Handwerk. Da heißt es beispielsweise: Der größte Lacher muss nach hinten. Oder: Man macht drei Aufzählungen und nicht vier oder zwei. Und: Wörter, die mit „K“ anfangen sind lustiger als Wörter mit „P“. Es gibt da skurrile Regeln, die aber ihre Berechtigung haben.

Proben Sie Ihre Mimik vor dem Spiegel?

Nein! Ohne Koketterie: Wenn ich es proben müsste, käme es ganz bestimmt nicht authentisch rüber.

Bevor Sie Ihre Karriere als Kabarettist starteten, waren Sie unter anderem als Produktmoderator tätig. Hat das Spuren hinterlassen?

Das war quasi meine Ausbildung. Die Produktmoderation beim Teleshopping war meine Kameraausbildung. Da habe ich gelernt, wie eine Kamera funktioniert und wie ich davor zu agieren habe. Heute habe ich keine Angst mehr, wenn die Linse 20 Zentimeter vor meinem Gesicht auftaucht und das rote Licht angeht. Als Kommunikationstrainer habe ich Charakterstudien betrieben, als Regieassistent habe ich gelernt, Dialoge zu schreiben. Alles, was ich schon mal gemacht habe, wurde retrospektiv zu einem Baustein für den Traum, den ich jetzt leben darf.

Tragen sie Ihre Turnschuhe bewusst als Erkennungsmerkmal?

Als ich mit Kabarett angefangen habe, gab es auch mal recht körperbetonte Comedyelemente in meinem Programm. Außerdem mag ich Schuhe mit Ledersohle nicht, die sind mir zu rutschig. Weil ich früher Skateboard gefahren bin, hatte ich immer diesen schwarzen Vans im Schrank. Die hab ich dann angezogen und ehe ich mich versah, wurden sie zu einem Teil meiner Corporate Identity, von der ich mich jetzt schwer wieder lösen kann. So wurde ich zum Pufpaff in Bestatteruniform.


Sebastian Pufpaff: „Wir nach…“ . 6. April, 20 Uhr, Osnabrückhalle

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