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Spektakuläre Entdeckung Osnabrück schwimmt auf einer Sole-Welle

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Osnabrück. Goldgräberstimmung bei den Stadtwerken: Die Geothermiebohrung am Nettebad ist auf halber Strecke auf warmes Salzwasser gestoßen. Stadtwerke-Chef Manfred Hülsmann schwärmte gestern von einem „doppelten Lottogewinn“ und „ungeahnten Möglichkeiten“. Bald könnte es heißen: Wir kommen zum Glück aus Bad Osnabrück.

„Spektakuläre Entwicklung bei Stadtwerke-Geothermiebohrung am Nettebad“ war die Einladung zur gestrigen Pressekonferenz überschrieben. Wäre sie am 1. April eingegangen, hätte mancher Journalist wohl nur milde gelächelt und aufs Datum gezeigt. Aber es ist kein Aprilscherz: 360 Meter unter dem Nettebad fließt 20 Grad warme Sole. Eine unerschöpfliche Quelle, wie der Geologe Dr. Dieter Michalzik erklärte – für die Energiegewinnung und vielleicht eines Tages auch zum Baden.

„Wir hatten im Stillen darauf gehofft, aber nicht wirklich daran geglaubt“, sagte der Diplom-Geologe und Geschäftsführer der Geo-Dienste GmbH, die das Geothermie-Projekt der Stadtwerke betreut. Im Herbst hatten die Experten mit der Bohrung am Nettebad begonnen. Ursprünglich sollte die Bohrspitze 820 Meter in die Tiefe getrieben werden, um die Erdwärme zu nutzen. Vier Grad kaltes Wasser sollte in der Tiefe geleitet und dort auf neun Grad erwärmt werden. Der Energieertrag hätte dem Wärmebedarf von 100 Einfamilienhäusern entsprochen.

Das sind Zahlen von gestern. Die Sole-Entdeckung hat die Kalkulation auf ein neues Niveau gehoben und das technische Konzept auf den Kopf gestellt. Die 20 Grad warme Sole erlaubt eine sechsmal größere Energieabschöpfung. Der Verbrauch von 600 Einfamilienhäusern oder 60 Prozent des Wärmebedarfs des Nettebades kann damit theoretisch gedeckt werden. Die Ersparnis liegt nach Schätzung von Stadtwerke-Vertriebsleiter Klaus Siedhoff bei 250000 Euro im Jahr. In vier bis fünf Jahren sollen sich die Investitionen bezahlt machen.

Freilich müssen die Stadtwerke Osnabrück auch mehr Geld investieren als ursprünglich geplant. Statt eines 820 Meter tiefen Bohrloches sind jetzt zwei von jeweils 360 Metern nötig. Die zweite Bohrung ist schon abgeteuft und steht kurz vor dem Durchbruch in die Wasser führende Schicht. Geplant ist, die Sole durch das erste Bohrloch zu fördern, durch Wärmepumpen zu leiten und im zweiten, 300 Meter entfernten Bohrloch wieder in die Tiefe abzuleiten. Geologie Michalzik verspricht: „Es wird keinen Eingriff in die Natur geben.“

Die Osnabrücker Sole speist sich nach Erkenntnissen der Geologen aus denselben salzhaltigen Gesteinschichten, die auch in Bad Rothenfelde, Bad Laer oder Bad Essen das Grundwasser würzen. Der Strom in den Tiefen des Nettetals ist gewaltig: 100 Kubikmeter fließen pro Stunde nach und können für die Wärmegewinnung umgeleitet werden. Das sind etwa 700 Badewannen voll. Oder nach einer Rechnung von Vertriebsleiter Siedhoff knapp ein Zehntel der Trinkwassermenge, die die Stadtwerke in derselben Zeit abgeben.

Kein Wunder, dass Stadtwerke-Chef Hülsmann sich über einen „Lottogewinn“ freut. Der fällt nach seinen Worten sogar doppelt aus, weil die Thermal-Sole – ab 20 Grad ist der Begriff Thermalwasser zulässig – vielleicht in den Osnabrücker Bädern der Gesundheit dienen kann. „Für unser Cabriosol im Schinkelbad müssen wir Sole in gleicher Qualität antransportieren lassen. Hier am Nettebad hätten wir die Sole praktisch frei Haus“, sagte Hülsmann. Ob die chemische Zusammensetzung der Sole das Baden darin erlaubt, müssen die Analysen zeigen. Auch ist zu klären, welche Investitionen damit verbunden wären. „Wir brauchen Pumpen mit Bronzeteilen und Wärmetauscher in Titantechnik“, erklärt Bäderchef Wolfgang Hermle.

Die Osnabrücker Sole hat einen Salzgehalt von 2,5 Prozent. Das entspricht dem Wert des Wassers im Schinkelbad, das aus Sülbeck bei Northeim per Tankwagen herangeschafft wird. Die Nutzung eigener Sole wäre natürlich ein „ungeheurer Marketingvorteil“, sagte Hülsmann. „Vielleicht können wir in Anlehnung an die Heilbäder im Südkreis künftig auch von Bad Osnabrück sprechen.“


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