Neues Licht auf das Werk 300 Jahre Justus Möser: Experten-Tagung in Osnabrück

Justus Möser im Porträt von Ernst Gottlob, 1777 (© Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg). Foto: Sven AdelaideJustus Möser im Porträt von Ernst Gottlob, 1777 (© Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg). Foto: Sven Adelaide

Osnabrück Der 300. Geburtstag Justus Mösers im kommenden Jahr wirft seine Schatten voraus. Eine hochkarätig besetzte Tagung vom 14. bis 16. März in der Osnabrücker Schlossaula ist dem wohl bedeutendsten Osnabrücker des 18. Jahrhunderts gewidmet.

Die Verdienste Mösers sind schon oft beschrieben und gewürdigt worden. Er genoss bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen seiner Osnabrücker Heimat hinaus Ruhm und höchsten Respekt als eine führende Persönlichkeit der Aufklärung. Dichterfürst Goethe sprach von ihm als dem „herrlichen Justus Möser“ und einem der „bewährtesten Männer des Vaterlands“, Theaterstücke und Essays stammen in großer Zahl aus Mösers Feder. Er suchte Antworten auf die großen Fragen der Zeit, die etwa ein Martin Luther oder ein Rousseau aufwarfen, er kommentierte die amerikanische Unabhängigkeit und die Französische Revolution. Aber auch die kleineren Alltagsprobleme seiner Umgebung nahm er wahr und durchdrang sie gedanklich. So finden sich Abhandlungen über den Leinenhandel und die Mode, über Brauchtum und Bienenzucht oder über die Frage: „Sollte man die Kinder nicht im Schwimmen sich üben lassen?“

Gesetze auf den Weg gebracht

Daneben steht der Verwaltungsbeamte Justus Möser, der im Fürstbistum zwar nicht dem Amte nach, so doch faktisch die Regierungsgeschäfte für den meist abwesenden evangelischen Landesherrn wahrnahm. Er brachte Gesetze auf den Weg und kümmerte sich um den Zustand von Straßen und Wegen, er förderte das Töpfereiwesen in Hagen und die Tuchmacher in Bramsche, er warb für die Produkte der Saline in Rothenfelde und der Wannenfabrik in Ankum. Möser war in allem nicht nur Theoretiker, sondern auch zupackender Praktiker, der nicht nach Aktenlage entschied, sondern sich stets vor Ort informierte und dann eine „sehr konkrete Wirksamkeit“ im gesamten Osnabrücker Land entfaltete.

Neue Facetten in Mösers Leben

Die Tagung im Osnabrücker Schloss im Vorfeld des 300. Geburtstags hat sich vorgenommen, nun auch neue Facetten in Mösers Leben und Werk zutage fördern. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land bereitete die Tagung vor. Ihm stand dabei alles, was Rang und Namen in der Regionalgeschichte hat, zur Seite: das Niedersächsische Landesarchiv/Standort Osnabrück ebenso wie das Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit der Universität Osnabrück, das Museumsquartier und das Diözesanmuseum ebenso wie die Osnabrücker Justus-Möser-Gesellschaft. Unter dem Tagungs-Motto „‘Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct …‘. Neue Blicke auf Justus Möser (1720-1794)“ werden Referenten aus dem In- und Ausland in insgesamt 24 Vorträgen die Person und das Werk des Osnabrückers unter ganz verschiedenen Aspekten beleuchten. Es geht um Wirtschaftsethik und Kulturlandschaft, um die Französische Revolution und die Medien, um Landwirtschaft und Handwerk, um Volkskunde und Mode. Und um die Spuren, die Möser bis heute speziell in seiner Heimatstadt hinterlassen hat. Sie erschöpfen sich keinesfalls in dem Denkmal, das 1836 auf der Großen Domsfreiheit errichtet wurde, oder in der Möser-Medaille als der höchsten Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat.

Epoche der Aufklärung

Einer der Höhepunkte der Tagung wird der öffentliche Abendvortrag von Professor Steffen Martus von der Humboldt-Universität Berlin sein. Er gilt als einer der renommiertesten deutschen Wissenschaftler und Forscher zur Epoche der Aufklärung. Er spricht am 14. März um 20 Uhr in der Aula des Schlosses zum Thema „Politische Stimmungen – Justus Mösers Analyse der ‚Staatsmoden‘“. Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Zu den übrigen Vorträgen wird eine Tagungsgebühr von fünf Euro pro Vortrag oder 25 Euro pro Tag oder 60 Euro für alle drei Tage inklusive Getränken sowie Mittags- und Abendimbissen erhoben. Für Studierende ist die Teilnahme an allen Veranstaltungen bei Vorlage eines Studentenausweises kostenlos. Nähere Informationen zum Programm unter www.lvosl.de/eigenprojekte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN