Nest in Thüringen Familienname Bratfisch deutet auf Leibspeise hin

Von Winfried Breidbach


Osnabrück Unser Leser Karl-Heinz Fietze aus Osnabrück interessiert sich für den Nachnamen „Bratfisch“, den sein Großvater trug.

Der Familienname Bratfisch wird von etwas mehr als 600 Personen getragen und ist in vielen Regionen Deutschlands zu finden, konzentriert sich aber in den Ländern Thüringen und Sachsen. Das stärkste Nest von Bratfisch zeigt sich im thüringischen Landkreis Greiz.

Außer in Deutschland ist der Name noch in Österreich anzutreffen, wo es etwa 30 Namensträger gibt. Die Namenvariante Bradfisch ist erheblich seltener. Diese Namensform ist vor allem im Südwesten in der Pfalz konzentriert.

Der Name ist identisch mit dem Wort „Bratfisch“, in der Schreibung brâtvisch bezeugt schon in mittelniederdeutscher Zeit (1150 bis 1600). Damals wie heute bezeichnet das Wort gebratenen oder gebackenen Fisch.

Es gibt eine ganze Reihe deutscher Familiennamen, die mit der Bezeichnung einer Speise identisch sind. So finden sich beispielsweise Sauerhering, Brathuhn, Rauchfleisch, Rindfleisch, Kalbfleisch, Schweinefleisch, Potthast/Pottharst, Pankoke/ Pannkuchen/Pfannkuche, Striezel, Kuchenbrot, Ölkuch, Butterweck.

Mit Bratfisch ist von der Bedeutung her am ehesten der Name „Brathering“ zu vergleichen, den es heute in den Varianten Brathering, Bradhering, Brathäring, Bratherig und Brathärig gibt.

Zwei Möglichkeiten

Bei solchen Nachnamen gibt es grundsätzlich immer zwei Möglichkeiten, welches Benennungsmotiv zur Vergabe des Namens führte: Erstens kann es sich um einen indirekten Berufsnamen für denjenigen handeln, der die Speise besonders gut zubereitete oder sogar berufsmäßig als Garkoch in den Städten. Zweitens konnte aber auch jemand nach seiner Lieblingsspeise benannt werden. Ohne sachliche Informationen aus der Zeit des ersten Namensträgers wird man diese Alternativen nicht unterscheiden können.

Historische Belege (die meisten aus Thüringen): 1363 „Petrus Pratvisch“ und „Hencl Protfisch“ (Znaim/Südmähren), 1422 „Michael Bratvisch“ (Meißen), 1460 „Kunz Bratfisch“ (Stadtroda), 1497 „Nikolaus Bratfisch“ (Neustadt an der Orla), 1512 „Hans Bratfisch“ (Saalfeld), 1559 „Merten Bratfisch“ (Jena), 1578 „Valten Bratfisch“ (Arnstadt), 1580 „Valten Bratfisch“ (Schleiz), 1589 „Anna Bratfisch“ (Oppurg), 1595 „Thomas Bratfisch“ (Triebes), 1668 „Catharina Euphrosina Bradfisch“ (Blankenburg), 1676 „Jacobus Bratfisch“ (Dorsten), 1719 „Anna Elisabetha Bratfisch“ (Annweiler), 1799 „Christian Bradfisch“ (Zweibrücken).

Der Name Brathering ist bereits 1349 in der Schreibung „Bratherinc“ in Greifswald bezeugt.


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