Würfelspiele von Heinz Wüppen Wie ein Osnabrücker mit Knister und Knaster Zaster macht – zumindest ein bisschen

Heinz Wüppen hält ein Exemplar von Knaster in den Händen. Das Spiel basiert auf seinem Würfel-Bingo, das in der neuesten Auflage nun Knister heißt. Foto: Karsten GrosserHeinz Wüppen hält ein Exemplar von Knaster in den Händen. Das Spiel basiert auf seinem Würfel-Bingo, das in der neuesten Auflage nun Knister heißt. Foto: Karsten Grosser

Osnabrück. Einst hieß es Würfel-Bingo, jetzt Knister: Das Würfelspiel des Osnabrückers Heinz Wüppen ist so genial einfach, dass Verlage den Titel immer wieder neu aufleben lassen. Jetzt fügt sich der Erfolgsgeschichte ein Kapitel an, für das der pensionierte Lehrer nichts getan hat – außer eine Unterschrift zu leisten.

"Das Spiel ist mir zugeflogen", sagt der 68-jährige Wüppen. Sein Name steht zwar als Autor auf der Schachtel von Knaster, aber zwei weitere auch. Der Osnabrücker hat mit seinem vor mehr als zehn Jahren erstmals veröffentlichen Würfel-Bingo die Grundidee geliefert und damit nun andere Autoren inspiriert. Der Österreicher Markus Schleininger sowie Redakteur Reinhard Staupe vom Nürnberger-Spielkarten-Verlag, der sich als Würfel-Bingo-Fan der ersten Stunde bezeichnet, haben dem bewährten Konzept mehr taktische Tiefe geschenkt. Doch zunächst ein Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte, die einen langen, langen Anlauf brauchte.

Empfehlung der Jury Spiel des Jahres

Anfang der 1990er Jahre hatte Wüppen die Idee, Kniffel mit dem Prinzip von Zauberquadraten zu verknüpfen. Das von ihm Würfel-Bingo getaufte Spiele setzte der Lehrer gerne im Mathematikunterricht ein. Ein erster Versuch, die Würfelei bei einem Verlag unterzubringen, scheiterte im Jahr 1992. Schmidt FX hatte Wüppen zwar schon eine Anzahlung geleistet, setzte dann aber mit Bluff auf ein anderen Titel. Nicht ganz erfolglos, denn dieses Spiel gewann 1993 den Titel Spiel des Jahres. Damit schien die Geschichte für Wüppen vorbei. Doch im Jahr 2005 knüpfte der Osnabrücker auf dem Spieleautorentreffen in Göttingen Kontakt zu Ravensburger. Der Verlag veröffentlichte das Spiel schließlich im Jahr 2007. Die Jury Spiel des Jahres sprach für Würfel-Bingo eine Empfehlung aus.

So spielt man Würfel-Bingo bzw. Knister

In einem Raster mit 25 Feldern tragen die Spieler jeweils die Augensumme von zwei Würfeln ein. Für jeden gelten dieselben Zahlen. Ziel ist es, in Reihen, Spalten und Diagonalen hohe Kombinationen zu erreichen. Ein Full-House bringt mehr Punkte als ein Vierling, ein Fünfling ist besser als eine Straße. Sind alle Felder gefüllt, werden alle Reihen, Spalten und Diagonale ausgewertet. Wer auf die meisten Zähler kommt, gewinnt diese Würfelei, bei der es auf Glück und ein wenig Kenntnisse von Wahrscheinlichkeiten ankommt. Im Prinzip kann Knister mit beliebig vielen Menschen gleichzeitig gespielt werden. Heinz Wüppens Wunsch ist es, einmal ein Turnier mit einer dreistelligen Zahl an Leuten zu veranstalten.

Allein die Ravensburger-Version habe sich rund 50.000 Mal im In- und Ausland verkauft, sagt Wüppen. Als die Süddeutschen den Vertrag auslaufen ließen, sicherte sich der Berliner Verlag Schmidt Spiele die Lizenz und brachte Würfel-Bingo im Jahr 2014 in einer besser ausgestatteten Version heraus. Wie Ravensburger mit abwischbaren Spieltafel, jetzt aber zusätzlich mit Würfelbecher. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Möglicherweise sei diese aufgepeppte Version einfach zu teuer gewesen, mutmaßt der Autor.

Neuauflage mit Blöcken

Besser machte es der Nürnberger-Spielkarten-Verlag (NSV), der im Jahr 2017 die nächste Neuauflage in den Handel brachte. Zum einen tauschte er die Spieltafel gegen einen Block mit Wertungsblättern aus; dadurch ließ sich die Schachtelgröße verkleinern und der Preis senken. Zum anderen änderte er den Namen in "Knister" mit dem Untertitel "... zündet sofort!". Eine Maßnahme, die auch beim NSV zu Zufriedenheit führte: "Es verkauft sich prima und wird seinen Weg ganz gewiss dauerhaft machen", urteilt Redakteur Staupe.

Knister. Foto: Karsten Grosser

Der Erfolg von Knister dürfte dann auch den Weg von Knaster bereitet haben. Staupe hatte sich zuvor schon ein Spiel gewünscht, welches das alte Würfel-Bingo anspruchsvoller macht. "Tja, und was passiert an dieser Stelle? Nicht zu glauben: Eine Spielidee flattert ins Haus und parkt punktgenau in diese Lücke ein", pries der Redakteur die Neuheit im Vorfeld der Nürnberger Spielwarenmesse 2019 an. Der Österreicher Markus Schlesinger fügte Knister quasi eine Ebene zu, die mehr Tiefe erzeugt und kniffligere Entscheidungen erfordert. Klar, dass die Verwandschaft der beiden Spiele schon im Namen zu erkennen ist. Auch Knaster hat übrigens einen Untertitel: "... elektrisiert total"

So spielt man Knaster

Aufbauend auf die Regeln von Knister werden auch bei Knaster die Ergebnisse von Würfelwürfen in ein Raster mit 25 Feldern eingetragen. Hier dienen die Kombinationen in den Reihen, Spalten und Diagonalen allerdings nicht erster Linie der Punktvergabe, sondern sind erst einmal Mittel zum Zweck. Je hochwertiger die Zahlenkombination ist, desto mehr Zahlen dieser Kombination dürfen eingekreist werden. Die Kringel um die Zahlen sind wichtig, denn jeder Kringel bringt einen Punkt. Noch wichtiger: Am Ende kommen nur die Reihen, Spalten und Diagonalen in die Wertung, in denen alle Zahlen eingekreist sind. Zum Einkreisen dürfen auch Würfelergebnisse verwendet werden. So entwickelt sich ein Wettkampf, bei dem es am Ende auch auf das Timing ankommt. Denn wenn der erste Spieler sämtlich Felder gefüllt hat, ist Schluss für alle.
Knaster. Foto: Karsten Grosser

Autorenvertrag unterzeichnet

Für Heinz Wüppen stand außer Frage, der Weiterentwicklung seiner Spielidee seinen Segen zu erteilen. "Es gab keinen Grund, dem nicht zuzustimmen", meint der 68-Jährige. Da Knaster auf Wüppens Erfindung basiert, steht auch sein Name als Autor auf der Schachtel. Er selbst musste dazu nur den Autorenvertrag unterzeichnen. "Ich selbst habe nichts dazugetan", sagt er, blättert nebenbei im Aktenorder mit den Verlagabrechnungen und rechnet zusammen: Von Knister müsste mittlerweile bereits auch schon wieder eine fünfstellige Zahl an Spielen verkauft worden sein. Knaster ist noch zu jung, sodass hier noch keine Verkaufszahlen vorliegen. Reichtümer sammelt Wüppen mit den Spielen indes nicht ein, aber – und dieses Wortspiel sei hier erlaubt – ein bisschen Zaster wohl schon.

Spielogramm

Knaster
  • Autoren: Markus Schleininger, Reinhard Staupe und Heinz Wüppen
  • Verlag: Nürnberger-Spielkarten-Verlag
  • Spieler: 1 bis 12
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 15 Minuten
  • Würfelwert: 4 (gut)


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