Internationaler Frauentag in Osnabrück Landtagspräsidentin: Gleichberechtigung schreitet wie eine Schnecke fort

Wie realisiert sich die Gleichberechtigung von Frauen? Darüber sprachen im Kreishaus (von links): Nancy Plaßmann (Sparkasse Osnabrück), Bärbel Rosensträter (Kreisrätin), Monika Schulte (Landkreis), Annette Niermann (Bürgermeisterin) und Susanne Menzel (Uni Osnabrück). Foto: Stefan BuchholzWie realisiert sich die Gleichberechtigung von Frauen? Darüber sprachen im Kreishaus (von links): Nancy Plaßmann (Sparkasse Osnabrück), Bärbel Rosensträter (Kreisrätin), Monika Schulte (Landkreis), Annette Niermann (Bürgermeisterin) und Susanne Menzel (Uni Osnabrück). Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Zum Internationalen Frauentag sprachen im Osnabrücker Kreishaus Frauen in beruflichen Spitzenpositionen der Region über die Gleichberechtigung.

Was müssen Frauen mitbringen, um sich in der männlich dominierten Berufswelt zu behaupten? Annette Niermann aus Bad Iburg, eine von drei Bürgermeisterinnen im Landkreis, bekannte, im Job keine Hürden überwinden zu müssen, um sich durchzusetzen. „Ich arbeite mit Menschen zusammen. Wenn ich in der Politik Ziele erreichen will, dann braucht es Mehrheiten und die finde ich bei Männern genauso wie bei Frauen.“

Wille und Identifikation mit dem Job

Es braucht aber auch die Frauen, die sich hinstellen und sagen: Ich will und mache das, meinte Nancy Plaßmann, die erste Frau im Vorstand der Sparkasse Osnabrück. Was motiviert Frauen, beruflich Entscheiderin zu werden?, wollte Monika Schulte als Gleichstellungsbeauftragte (Landkreis) und Moderatorin wissen. „In meinem Fall die sehr hohe Identifikation mit den Aufgaben der Verwaltung“, antwortete Bärbel Rosensträter,  die erste Frau in der Landkreisleitung.

Susanne Menzel – Hochschulprofessorin und erste Frau, die ab Herbst Präsidentin der Universität Osnabrück werden soll – verwies auf Netzwerke, die geholfen hätten, beruflich nach oben zu kommen. „Damit meine ich nicht systematisch angelegte Netzwerke, sondern den Freundeskreis, der ähnliche Wege beruflich geht.“

Berufliche Lebensentscheidungen ausgleichen

Gleichberechtigung gebe es erst dann, so Menzel, wenn etwa Voraussetzungen und Auswirkungen etwa von beruflichen Lebensentscheidungen gleich sind, egal ob sie eine Frau oder ein Mann trifft, definierte die Professorin. „Für diese Rahmenbedingungen müssen wir uns alle einsetzen.“

Wie lange Frauen bereits für die Änderung männlich geprägter Verhältnisse antreten, machte Gabriele Andretta deutlich. Die niedersächsische Landtagspräsidentin – auch sie die erste Frau in diesem Amt – schilderte in einem Vortrag zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht – Gleichberechtigung heute“, wie zäh das Ringen um Teilhabe für Frauen war und ist. Erlebt werde heute etwa, dass sich Frauenpolitik einer „antifeministischen Rechten“ ausgesetzt sieht, die Errungenschaften der Gleichstellung als „Genderwahn“ diskriminierten.

Männer bekommen ein Fünftel mehr Stundenlohn

Trotz aller Erfolge, die es Frauen ermöglichten, selbst über sich zu bestimmen, „sind sie von einer tatsächlichen Gleichstellung noch weit entfernt.“ So liege der Stundenlohn von Männern im Schnitt um 21 Prozent höher. „Der Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung bewegt sich wie eine Schnecke“, konstatierte Andretta.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN