Auch Speicher warten auf Anschlüsse Kulturzentrum in Osnabrück nun im zweiten Winter ohne Strom und Wasser

Das Kulturzentrum „K.A.F.F.“ am Hafen in Osnabrück. Archivfoto: Michael GründelDas Kulturzentrum „K.A.F.F.“ am Hafen in Osnabrück. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Es ist der zweite Winter in Folge, den die Mitglieder und Besucher des Kulturzentrums K.A.F.F. am Hafen ohne Strom, Heizung und Wasser auskommen müssen. Und auch der laute Speicher gegenüber wartet weiterhin auf wichtige Hausanschlüsse. Auf Nachfrage unserer Redaktion versichert die Stadt: Bald geht es los.

2017 war ein Teil des Kulturvereins Petersburg vom Güterbahnhof zum Hafen gezogen und hatte dort die Keimzelle gegründet, heute namentlich K.A.F.F. (Kultur am fantastischen Freihafen). Seither hat sich dort viel getan, Strom und Wasser sollte es eigentlich längst geben. Gibt es aber nicht.

Marcia Bielkine engagiert sich von Anfang an im K.A.F.F. Von der städtischen Verwaltung bekam sie jüngst zugesichert, nach Ostern wolle die Stadt mit der Erschließung beginnen. Eine Erklärung, warum das bislang nicht geschehen sei, habe sie von der Stadt nie erhalten, sagt sie auf Anfrage unserer Redaktion. Und sie versichert: „Kein Wasser, kein Strom.“ Dabei sei dem Verein die Erschließung vor dem Mietantritt für den Herbst 2017 zugesichert worden.

Einst ein Heereslager

2013 hatte die Stadt Teile des ehemaligen Kasernengeländes gekauft und und das Gebäude mit der Turmuhr wiederum an die Deutsche Rockmusik-Stiftung veräußert. Das niedersächsische Kulturministerium griff der Stiftung beim Kauf mit 232 000 Euro unter die Arme. Die Stiftung vermietet nun einen Teil des Gebäudes an die Keimzelle. 
Das Gebäude wurde 1933 als Heereslager errichtet. Bis zum Abzug der Briten war dort die Militärpolizei untergebracht. Heute steht es innen und außen unter Denkmalschutz, was Umbauten und Renovierungen erschwert.
Im hinteren Teil des Gebäudes waren Proberäume enstanden.

2017 hatten die Stadtwerke mitgeteilt, die Hausanschlüsse könnten noch nicht verlegt werden, da das Gelände noch nicht von der Stadt erschlossen ist. Und daran hat sich bis heute noch nichts geändert.

Speicher haben immerhin Strom und Wasser

Das stößt auch Max Lingens von der Speicher Gbr sauer auf, die die beiden alten Speicher vergangenes Jahr gekauft hatte. „Die Verzögerung nervt alle, das sollte eigentlich schon alles vor einem Jahr laufen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Immerhin: Seine Mieter im lauten Speicher haben Wasser und Strom, da die Gebäude über die Elbestraße versorgt werden. 

Archivfoto: Gert Westdörp

Mobiles Heizgerät statt Fernwärme

Ans Fernwärmenetz sind die alten Speicher aber noch nicht angeschlossen, auch Telefon und Internet fehlen weiterhin. „Unnötig und beschämend“, sagt Lingens. Momentan lässt er den lauten Speicher teuer mit einem mobilen ölbetriebenen Heizgerät beheizen. Im kommenden Winter sollen die ersten Mieter im leisen Speicher nebenan einziehen. Lingens hofft, bis dahin alle Anschlüsse zu haben.

Das K.A.F.F. bekommt zumindest Strom über ein Baustromaggregat. So lässt sich zumindest etwas heizen und auch mal ein Tee kochen. „Das K.A.F.F. wird hängen gelassen“, sagt Lingens zu seinen Nachbarn.

Stadt: Nach Ostern geht es los

Die Stadt bestätigte nun auf Anfrage unserer Redaktion: „Voraussichtlich kurz nach Ostern beginnen wir mit der endgültigen Erschließung des Geländes, diese soll bis zum Sommer 2020 beendet sein. Wir planen, die Ver- und Entsorgung für das Kreativquartier bis zum Winter diesen Jahres umsetzen“, teilte Stadtsprecher Gerhard Meyering mit.

Für die massive zeitliche Verzögerung gebe es mehrere Gründe. Dazu zählten Meyering zufolge die Sanierung der alten Speicher oder die direkt angrenzende KLV-Anlage (Kombinierter Ladeverkehr) des Logistikers Nosta Group, die vergrößert werden soll. „Insbesondere die Reihenfolge und die Abhängigkeiten der Versorgungsmaßnahmen untereinander zur Umnutzung und Erreichbarkeit der Flächen der Winkelhausenkaserne und der engen Verzahnung der zahlreichen Arbeitsleistungen waren im Detail noch zwischen Stadt und Stadtwerken abzustimmen“, so Meyering. Er versichert: „Die Ausschreibung wird in Kürze veröffentlicht.“

Aussaataktion am Hafen

Am Samstag, 23. März, lädt das K.A.F.F. ab 14 Uhr zu einer Aussaataktion ein, „um es am Hafen weiter aufblühen zu lassen“, teilte der Kulturverein mit. Ausgebracht werde die „Osnabrücker Wildblumenmischung“. Sie besteht aus 41 für die Region typischen Wildblumen- und Grasarten und biete ein breites Nahrungsangebot für Wildbienen und Co. Ziel sei es, für Wildbienen und andere Insekten neue Lebensräume zu schaffen, die gerade im urbanen Bereich immer weniger würden.
Unterstützt durch den Osnabrücker Servicebetrieb und das Osnabrücker Bienen-Bündnis übernimmt das K.A.F.F. die Patenschaft für die neu gestaltete öffentliche Grünfläche und behält ein Auge auf dessen weitere Entwicklung. Das Bienen-Bündnis informiert vor Ort über seine Arbeit, der Kulturverein Petersburg über Neuigkeiten rund ums K.A.F.F.

Hier die ganze Geschichte zu den Anfängen der Keimzelle am Hafen


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