Mütter haben nur Absagen bekommen Kritik aus Osnabrück-Hellern: "Kitaplatzvergabe ist ein Lotteriespiel"

Für ihren Kita-Erstwunsch haben all diese Mütter Absagen bekommen - manche auch schon für ihren Zweit- bis Viertwunsch. Und jetzt? Foto: Gert WestdörpFür ihren Kita-Erstwunsch haben all diese Mütter Absagen bekommen - manche auch schon für ihren Zweit- bis Viertwunsch. Und jetzt? Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Im Osnabrücker Stadtteil Hellern macht sich Angst breit: Jacqueline Hamilton hat für ihre zwei Jahre alte Tochter Hailey nur Krippenplatz-Absagen bekommen – und sie ist nicht die einzige.

Ab August möchte Hamilton nach zweieinhalb Jahren Elternzeit eigentlich wieder arbeiten. Doch ohne Krippenplatz für ihre Tochter sieht es schlecht aus. „Ich weiß nicht, was ich machen soll“, sagt Jacqueline Hamilton (Foto). Sie hat Angst, ihren Job zu verlieren.

Foto: Gert Westdörp

Derzeit verschicken die Osnabrücker Kitas und Krippen Zu- und Absagen für das Kindergartenjahr 2019, das im August startet. Erstmals lief die Anmeldung stadtweit zentral online. Vier Wunsch-Kitas durften Eltern in der Zeit vom 19. November bis 21. Januar angeben, dann schloss das Anmeldeportal und die Kitas hatten fünf Wochen Zeit, um mit den Eltern Gespräche zu führen und zu entscheiden, welche Kinder sie aufnehmen, erläutert Fachbereichsleiter Hermann Schwab unserer Redaktion auf Anfrage. 

Vier Wünsche - vier Absagen

Jacqueline Hamilton hat bereits vier Absagen bekommen. Einer Nachbarin, die in der Wüste suchte, sei es genauso ergangen, berichtet die Helleranerin, und auch eine Freundin aus dem Schinkel habe nur Absagen erhalten. Hoffnungen, in Hellern noch einen Platz zu bekommen, hat Hamilton kaum noch. Die örtlichen Kitas, die sie angerufen hat, hätten ihr gesagt, dass sie die Zweit- bis Viertwünsche schon gar nicht mehr berücksichtigen könnten. Und auch die Tagesmütter in der näheren Umgebung hätten keinen Platz mehr frei.

Eine dieser Tagesmütter ist Jacqueline Maßmann. „Jeden Tag stehen ein bis zwei Leute verzweifelt vor der Tür“, berichtet sie. „Das hatten wir noch nie, und ich bin seit acht Jahren da.“ Zehn Plätze hat ihre Großtagespflegestelle. Alle belegt, einer von ihrer eigenen Tochter, die ab August eigentlich in den Kindergarten kommen soll. Doch für die Zweieinhalbjährige hat Maßmann bislang zwei Absagen bekommen. Warum, weiß sie nicht. Sie kritisiert:

„Uns fehlt die Transparenz.“

Kein Überblick

Gibt es dieses Jahr wirklich zu wenige Plätze oder ist das nur ein Gefühl? Die Stadt weiß es nicht. Die meisten Kitas nahmen an dem Online-Anmeldeverfahren teil. Eigentlich wollte die Stadt dadurch einen besseren Überblick gewinnen. Früher haben die Eltern ihre Kinder direkt bei den Krippen und Kitas angemeldet, manche doppelt und dreifach – aus Angst, leer auszugehen. Jetzt weiß die Stadt zwar schon, wie viele Eltern in welchen Stadtteilen noch suchen, nachdem die Erstwünsche berücksichtigt wurden, sagt Fachbereichsleiter Schwab. Nennen will er die Zahlen nicht.

Was er und seine Mitarbeiter nicht wissen: Wie viele Plätze nach Erfüllung der Erstwünsche noch frei sind. Denn über die Platzvergabe entscheiden die Träger der Kindergärten und Krippen (beispielsweise die Kirchengemeinden) weiterhin selbst. Sagen sie einem Kind ab, reichen sie die Anmeldung an die Zweitwunsch-Kita weiter und diese dann an die Drittwunsch-Kita und so weiter, erläutert Schwab.

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Einheitliche Aufnahmekriterien gibt es nicht. „Darauf haben wir als Stadt keinen Einfluss“, sagt Schwab. Trägerautonomie nennt sich das. Nur neun von mehr als 100 Kitas betreibt die Stadt in Eigenregie – und selbst da gebe es keine klaren Kriterien, sagt der Fachbereichsleiter. Die müsste der Stadtrat beschließen. 

Die Stadt fordere die Kita-Träger jetzt auf, „schnell zurückzumelden, wie viele Plätze in welchen Altersgruppen noch zur Verfügung stehen“, sagt Schwab. Dann erst könne die Stadt in einzelnen Stadtteilen nach Lösungsmöglichkeiten suchen. „Wir sehen den Druck der Eltern und versuchen, das zu koordinieren“, betont Schwab. Doch das kann noch dauern. Gewissheit verspricht er den Eltern bis zum 18. April.

Schon 2018 leer ausgegangen

Auch Gunda Meyer zu Venne bangt. Ihre Zwillinge sind 2017 zur Welt gekommen. Schon im vergangenen Jahr waren sie leer ausgegangen, was nicht bedeutet, dass sie dieses Jahr bessere Karten hätten. Meyer zu Vennes Wunschkitas eins und zwei haben bereits Absagen erteilt, ihr Viertwunsch sagte ihr, dass auch dort keine Zusagen mehr erteilt würden.

„Es ist wirklich ein Lotteriespiel – das geht so nicht“, kritisiert Margaret Kather, die fürchtet, dass ihr Enkel in Hellern ebenfalls keinen Platz erhält. Im Juni wird der Junge drei Jahre alt. „Wir wollen uns nicht nur beschweren, wir wollen eine Lösung“, betont sie.


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