Berufung erfolgreich Landgericht spricht Osnabrückerin vom Vorwurf der Geldfälschung frei

Einen Freispruch "zweiter Klasse" gab es jetzt vor dem Landgericht für eine 31-Jährige. Foto: Volker Hartmann/dpaEinen Freispruch "zweiter Klasse" gab es jetzt vor dem Landgericht für eine 31-Jährige. Foto: Volker Hartmann/dpa

Osnabrück. Erfolgreiche Berufung für eine 31-Jährige Osnabrückerin vor dem Landgericht: Ihre Verurteilung wegen Geldfälschung wurde aufgehoben.

Das Amtsgericht hatte die Frau im Herbst letzten Jahres zu neun Monaten Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung – abgeurteilt. Richter und Schöffen sahen es damals als erwiesen an, dass die 31-Jährige einen falschen Hunderter beim Erdbeerkauf im Umlauf bringen wollte.

Fingerabdrücke gefunden

Als „klares Beweismittel“ hatte das Amtsgericht die Fingerabdrücke der Frau gewertet, die das Landeskriminalamt auf dem falschen Flachpapier gefunden hatte.

Jetzt, im Berufungsverfahren, blieb die Angeklagte bei ihrer Darstellung: Sie wäre niemals bei dem Erdbeerstand in Voxtrup gewesen und hätte auch niemals mit Falschgeld bezahlt. Vielmehr sei die Tat von einer ehemaligen Freundin begangen worden, die ihr von dem Coup erzählt hätte. Gegen die Freundin, wie auch gegen einen 54 Jahre alten Mann, wurde bereits ermittelt – beide Verfahren stellten die Behörden ein.

Partykultur mit flatternden Geldscheinen

Wie aber gelangten die Fingerabdrücke der Angeklagten auf den Hunderter aus dem Drucker? Auch hier blieb die Frau bei ihrer bisherigen Version: Auf einer Party der ehemaligen Freundin habe man ausgelassen auf den Tischen getanzt und mit Geldscheinen um sich geworfen. „Vielleicht bin ich da mit dem Schein in Berührung gekommen“, lautete ihre Erklärung.

Zeugen: Person nicht mehr wiedererkannt

Zwei Zeugen – die Erdbeerverkäuferin und ein Kunde – wiederholten ihre Aussagen wortgleich wie vor dem Amtsgericht. Da die Tat vom Juni 2017 schon zu lange her war, konnte die Verkäuferin nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob die Angeklagte tatsächlich die Frau gewesen war, die mit der Blüte die Erdbeeren habe kaufen wollen. Der Kunde hatte die Frau nur von der Rückseite gesehen.

Einen Freispruch beantragte daher der Verteidiger der Angeklagten.Weder sei seine Mandantin zweifelsfrei als jene Frau mit Falschgeld am Erdbeerstand erkannt worden, noch lasse sich sicher klären, wie die Fingerabdrücke auf den Geldschein gekommen sind.

Anders als ihre Kollegin vor dem Amtsgericht, plädierte die Staatsanwältin nun auf eine Verurteilung. Für sie seien die gefunden Fingerabdrücke der entscheidende Beweis, dass die Angeklagte tatsächlich auch vor Ort war.

Im Zweifel für den Angegklagten 

Doch Richter und Schöffen der 7. Kleinen Strafkammer folgten dem Rechtsgrundsatz, dass es bei Zweifeln keine Verurteilung geben darf. Sie sprachen die Angeklagte mit „einem Grummeln im Magenbereich frei“, sagte der Richter. Man habe die Einlassung der Frau nicht nachvollziehen können, müsse aber die Zeugenaussagen berücksichtigen, die eine klare Personenbeschreibung nicht möglich machten.

Mit „dem Freispruch zweiter Klasse“ (Richter) wurde zum einen das Urteil des Amtsgerichtes über neun Monate Freiheitsstrafe als auch die verhängte Geldstrafe über 1080 Euro aufgehoben.


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