Was brauchen werdende Eltern? Wenn Freude auf Unsicherheit trifft: So gelingt der Start ins Familienleben

Babys brauchen vor allem Zuneigung. Aber Eltern können schon vor der Geburt eine ganze Menge organisieren, damit die ersten Wochen einfacher werden. Quelle: imago/westend61Babys brauchen vor allem Zuneigung. Aber Eltern können schon vor der Geburt eine ganze Menge organisieren, damit die ersten Wochen einfacher werden. Quelle: imago/westend61

Osnabrück. Für viele ist es die einschneidenste Veränderung im Leben: Kommt ein Kind auf die Welt, wirbelt es den Alltag der Eltern von jetzt auf gleich durcheinander. Mit einer guten Vorbereitung fällt die Umstellung jedoch leichter. Doch was brauchen junge Familien eigentlich für den Start?

Schnuller, Windeln, Kinderbett – die Liste der Dinge, die nach der Geburt eines Kindes von heute auf morgen benötigt werden, ist deutlich länger als diese drei Dinge. Fakt ist aber: Eine Grundausstattung benötigt jede junge Familie. "Wir empfehlen werdenden Eltern, sich schon vor der Geburt um organisatorische und materielle Dinge zu kümmern", sagt Katrin Epheser, die bei der Katholischen Familienbildungsstätte in Osnabrück das Programm "Fit für den Start" koordiniert.

Fit für den Start

Der Kurs wird angeboten von der Katholischen Familienbildungsstätte und richtet sich an werdende Eltern. An vier Terminen vor und zwei Terminen nach der Geburt geben die Kursleiter den Teilnehmern Tipps zum Umgang mit dem Neugeborenen, zeigen praktische Übungen und ermöglichen einen Austausch untereinander.
Bei den Treffen wird den werdenden Eltern vermittelt, was sich ab der Geburt alles ändert und wie sie die Signale ihrer Babys verstehen können. Außerdem gibt es beispielsweise Infos zum richtigen Wickeln sowie zu Elternzeit, Eltern- und Kindergeld.
Die Teilnahme kostet 38 Euro pro Person beziehungsweise 70 Euro pro Paar. Leistungsbezieher zahlen pauschal fünf Euro. Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter zudem finanziell bei der Kursteilnahme.
Informationen gibt es unter Telefon 0541/3586822 sowie per E-Mail an info@fit-fuer-den-start.de.

Wichtig ist aus Sicht der Expertin, dass sich die Eltern frühzeitig nach einer Hebamme erkundigen. "Sie ist eine wichtige Vertrauensperson vor und nach der Geburt, die auch und vor allem eine seelische Stütze sein kann", sagt Epheser. Kurzfristig eine Hebamme zu bekommen, kann in Osnabrück und Umgebung allerdings im schlimmsten Falle zum Problem werden – oft übersteigt die Nachfrage das Angebot. Kurzfristige Hilfe bekommen Schwangere beim Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück, der für die im vergangenen Jahr aufgelöste Hebammenzentrale in die Bresche sprang. Empfehlenswert ist es jedoch, sich schon in der ersten Hälfte der Schwangerschaft auf die Suche zu begeben.

Sinnvoll ist es auch, sich vorher mit dem Arbeitgeber abzustimmen, wie lange Elternzeit in Anspruch genommen wird – das gilt für beide Elternteile. "Außerdem empfehle ich, sich vor der Geburt über die anstehenden Behördengänge zu informieren", sagt Epheser. Dazu gehöre nicht nur die Anmeldung des Kindes, sondern auch die Beantragung von Elterngeld. "Wer sich im Vorfeld der Geburt auch schon um einen Kinderarzt kümmert, spart sich unnötigen Stress", so Epheser.

Kinderzimmer vorher vorbereiten

Schon vor dem Geburtstermin sollte auch das Kinderzimmer in groben Zügen vorbereitet sein, beziehungsweise die Schlafgelegenheit für das Baby. Viele Eltern entscheiden sich für ein Beistellbettchen, andere legen ihr Kind ins Elternbett und wieder andere direkt ins Kinderbett im Kinderzimmer. Obligatorisch sind daher ein Bett mit Matratze sowie ein Schlafsack.

Auch Kleidung sollte parat liegen, wenn Mutter und Kind aus dem Krankenhaus entlassen werden, rät Epheser. Wickelbodys, Oberteile, Strampler und Strumpfhosen gehören in jedes Neugeborenenzimmer. Dazu kommen Söckchen, Schlafanzüge, Schlafsäcke, Jacken und Mützen. "Es ist immer gut, wenn das Kinderzimmer schon vorbereitet ist. Wenn das Kind erst auf der Welt ist, haben die Eltern genug zu tun", sagt Epheser. Und auch für die Pflege des Kindes sollten Eltern vorsorgen: Waschlappen, ein Babyöl, natürlich Windeln und auch Feuchttücher sind Produkte, ohne die viele Familien nicht auskommen. Von Vorteil ist es, wenn auch schon Kinderwagen und eine Babyschale fürs Auto vorhanden sind. 

Checkliste für den Start mit Baby

Kleidung:
  • Wickelbodys
  • Oberteile
  • Strampler oder Hosen
  • Strumpfhosen oder Leggings
  • Stubenhäubchen
  • dicke Babysöckchen
  • Schlafanzüge
  • Schlafsäcke
  • Jacken
  • Mützen
  • evtl. Winteranzug
  • Decke
Pflege:
  • Badetücher
  • Waschlappen
  • Babyöl oder Creme
  • Windeln
  • Feucht- oder Öltücher
  • Nagelschere
  • Mullwindeln
Sonstiges:
  • Kinderwagen
  • Babyschale fürs Auto
  • Wickelkommode
  • Babybett, Matratze etc

(Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Preise für Kinderwagen höchst unterschiedlich

Kurzum: Werdende Eltern sind durchaus mit spürbaren Kosten konfrontiert. Was die Familien daraus machen, ist eine Frage des Portemonnaies. Wie viel Geld Eltern für ihre Kinder ausgeben wollen oder können, ist höchst unterschiedlich. Legt man beispielsweise die Preise für Kinderwagen zugrunde, ist die Spanne der Möglichkeiten äußerst groß. Kombi-Kinderwagen mit Schale und Sportsitz sind im Handel bereits für 150 Euro zu haben. Wer Wert auf Marke und Qualität legt, bekommt jedoch auch Modelle für mehr als 1000 Euro. 

Epheser rät dazu, die zahlreichen Flohmärkte in und um Osnabrück zu besuchen. "Dort ist gebrauchte Kleidung für Babys und Kleinkinder zu erschwinglichen Preisen zu haben." Oft gibt es hier einzelne Kleidungsstücke schon für einen Euro – eine Fundgrube für Sparfüchse. Auch das Stöbern auf Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen oder im Magazin "Klecks" stelle für viele Eltern eine gute Alternative zum Neukauf dar.

Unterstützung organisieren

Neben den organisatorischen und materiellen Dingen sollten sich werdende Eltern auch um einen weiteren Aspekt Gedanken machen. "Natürlich kostet ein Kind auch mal Nerven", sagt Epheser. Gerade am Anfang sei es daher wichtig, sich ein Netzwerk aufzubauen. "Zwar ist auch der Partner eine große Stütze. Trotzdem ist es ratsam, Freunde, Nachbarn oder Eltern zu haben, die auch mal seelische Unterstützung geben können", sagt die Diplom-Pädagogin.

Epheser merkt in den Fit-für-den-Start-Kursen immer wieder, dass viele Eltern gerade in der Anfangszeit Angst haben, etwas falsch zu machen. "Ein Baby zu betreuen ist aber keine Raketentechnik. Niemand ist perfekt und  Eltern dürfen auch mal unsicher sein. Das ist ganz normal", sagt Epheser. 

Bei allem Babyglück rät sie den Paaren, sich auch Zeit für sich selbst zu nehmen. "Das kann auch nur ein Mal im Monat passieren. Trotzdem ist es wichtig, Zeit für sich oder den Partner zu haben. Für diese Momente ist es gut, wenn man jemanden hat, der das Kind für zwei Stunden beaufsichtigen kann."


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