Lesen: Ein Weg ins Leben Leselernhelfer Osnabrück feiern zehnjähriges Bestehen

10 Jahre Leselernhelfer. Foto: Hermann Pentermann10 Jahre Leselernhelfer. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Seit zehn Jahren fördert der Verein Mentor mit seinen Leselernhelfern Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen haben. Dieses Jubiläum hat Mentor nun in der Aula des Gymnasiums "In der Wüste" gefeiert: mit Auftritten des Chors, einer Gesprächsrunde, einem Vortrag zu Felix Nussbaum und einer Lesung.

Seinen Ursprung hat das Lesehelfer Programm in Hannover, wo es von Otto Stender 2003 ins Leben gerufen wurde. Zum Anlass nahm er die alarmierenden Ergebnisse der ersten PISA-Studie, um etwas gegen die Lesedefizite von Schülern zu unternehmen. Die Bewegung zog weite Kreise in ganz Deutschland und fasste auch in Osnabrück Fuß. Etwa 270 ehrenamtliche Mentoren gehen wöchentlich an 34 Grundschulen und auch Oberschulen, um in Eins-zu-Eins-Betreuung mit den Kindern zu üben, Freunde am Lesen zu wecken und Sprachkompetenzen zu fördern. Der Verein "Mentor - Die Leselernhelfer Osnabrück e.V." ist eines der ersten Projekte der Bohnenkamp Stiftung.

Dieses Projekt ist bei Schulen, Eltern und Kindern gleichermaßen beliebt: "Wenn wir sehen, wie die Kinder sogar freudig ihr Spiel für die Lesestunden mit den Mentoren unterbrechen, fühlen wir, wie viel Glück wir haben, Teil des Ganzen zu sein", sagte Felicitas Dölling, Schulleiterin Hüggelschule Hasbergen, an der seit 2010  Mentoren regelmäßig mit den Kindern lesen und lernen. 

Funktionale Analphabeten

Da der Bedarf höher liegt, als die Zahl an Lesehelfern, rief Margret Schaaf vom Bundesverband Mentor alle Erwachsenen auf, sich zu beteiligen. Nicht umsonst gebe es das Sprichwort "Um ein Kind zu erziehen, bedarf es ein ganzes Dorf". Bildung und Erziehung sei nicht nur die Aufgabe der Eltern und Lehrer, sondern die gesamte Gesellschaft sei dafür verantwortlich, dass die Kinder nicht zu funktionalen Analphabeten würden. Denn laut der IGLU-Studie von 2017 könne heutzutage jeder fünfte Viertklässler nicht sinnentnehmend lesen. Eine weitere Schwierigkeit sieht Gabriele Pohlendt, stellvertretende Vorsitzende von Mentor Osnabrück, darin, dass viele Grundschüler trotz unzureichender Lesefähigkeiten an die Oberschulen weitergereicht werden. "Nicht in jedem Ort finden sich Ehrenamtliche, deswegen ist es umso wichtiger, mehr Mentoren für das Projekt zu gewinnen", erklärte Pohlendt in der Gesprächsrunde.

Lange Geburt des Vereins

Während der Jubiläumsfeier erzählte Gert Otte, Gründungsmitglied von Mentor Osnabrück, die Gründungsgeschichte des Vereins. Dieser begann 2007 als Arbeitskreis mit der Arbeit an drei Hauptschulen. 2009 schließlich wurde dieser als Verein anerkannt. "Das war eine lange Geburt, aus der dann aber ein recht entwickelter Organismus entstand", sagte Otte, denn der Verein startete bereits mit 80 Mentoren zur Gründungszeit vor 10 Jahren.

Die Feier endete mit einer Lesung von Angelika Jelkmann-Wohlenberg und Louisa Rosengarten und einem Vortrag von Anne Sibylle Schwetter, Kuratorin der Sammlung Felix Nussbaum, der seinerzeit auch eine Lesefibel illustrierte.



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