Eine Sprache für die Welt der Klänge Katharina Mevissen stellt Roman „Ich kann dich hören“ in Osnabrück vor

Katharina Mevissen liest aus "Ich kann dich hören". Foto: Thomas OsterfeldKatharina Mevissen liest aus "Ich kann dich hören". Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Osterfeld

Osnabrück . Um das Hören dreht sich der erste Roman von Katharina Mevissen. Sie hat ihn in der Littera-Reihe der Buchhandlung zur Heide vorgestellt.

Manche Menschen haben ein ganz besonderes Talent Geschichten zu erzählen. Kaum ergreifen sie das Wort, scheint alles ganz leicht. Alles fügt sich. Alles fließt. Selbst bei schwer greifbaren Themen. Mit dem Hören hat sich Katharina Mevissen beschäftigt und einen Roman daraus gemacht. Dabei verknüpft sie verschiedenste Aspekte und Perspektiven mit bewundernswerter Leichtigkeit zu einem bereichernden und anregenden Ganzen.

Weil sie etwas verloren hat, hat Mevissen die Idee zu ihrem Roman gefunden: Als sie in Irland aus dem Bus ausgestiegen ist, hat sie ihren MP3-Player liegen gelassen.

Umgemünzt als digitales Diktiergerät taucht dieser Verlust im Roman wieder auf – und durch ihn nimmt der Cellist Osman akustisch Teil am Leben von Ella und Jo. Ella hat das Gerät während einer Reise mit ihrer tauben Schwester als Tagebuch verwendet und auf dem Bahnsteig verloren.

Osman eröffnet das Hören von Ellas Tracks neue Perspektiven für sein eigenes, stockendes Leben. Er versucht, sich mit seinem Cello auf eine Aufnahmeprüfung vorzubereiten – scheitert aber an seinen inneren Blockaden. Er kann sich selbst nicht hören und vermeidet notwendige Schritte: Die Klärung des Verhältnisses zu seinem Vater beispielsweise. Seiner Mitbewohnerin Luise gesteht er seine Liebe nicht. Verwoben werden seine Gedanken und Erlebnisse weiter hinten im Buch mit der Perspektive von Osmans Tante Elide, seine Ziehmutter, die sich jetzt um seinen erkrankten Vater kümmert.

Katharina Mevissen findet ganz eigene, poetische Worte für das Hören und Machen von Musik, für die Verständigung per Gebärdensprache, für die Sprachlosigkeit einer nicht gelebten Liebe, die sich auch mal im Getöse zerdeppernder Flaschen im Glascontainer äußert.

Wie viel Arbeit hinter all der Leichtigkeit steckt, vermag nur Katharina Mevissen zu beurteilen. Aber es muss viel gewesen sein, immerhin hat es vier Jahre gedauert von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung, erzählt sie nach der Lesung dem Publikum.

Wirklich leicht war etwas ganz anderes: Sie habe sich Sorgen um das Finden eines Verlags gemacht, weil es doch so schwer sein soll, als Erstautorin in diese Welt aufgenommen zu werden, erzählt die Schriftstellerin. Und dann kam es so: „Ich habe meinem Lieblingsverlag das Manuskript geschickt. Und der wollte das dann machen.“

Katharina Mevissen: Ich kann dich hören. Roman. Wagenbach-Verlag 2019, 163 Seiten, 19 Euro.


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