Jahreskampagne: Sozial braucht digital Caritasverband Osnabrück nimmt digitalen Wandel in den Blick

Die caritative Arbeit ins Internetzeitalter führen, das wollen (von links) Roland Knillmann, Diakon Gerrit Schulte, Vorsitzender Caritasverband, Franz Loth, Caritasdirektor, und Moritz Exner, Projektleitung Digitale Transformation. Foto: Gert WestdörpDie caritative Arbeit ins Internetzeitalter führen, das wollen (von links) Roland Knillmann, Diakon Gerrit Schulte, Vorsitzender Caritasverband, Franz Loth, Caritasdirektor, und Moritz Exner, Projektleitung Digitale Transformation. Foto: Gert Westdörp
Gert Westdörp

Osnabrück. „Mit unseren Jahresthemen waren wir in den letzten Jahren immer topaktuell“, sagt der Vorsitzende des Caritasrates im Bistum Osnabrück, Gerrit Schulte. Nach „Heimat“ im Jahr 2017 und „Wohnen“ 2018 rückt in diesem Jahr der digitale Wandel in den Blick. „Sozial braucht digital“ heißt das neue Thema, das jetzt vorgestellt wurde.

„Wer heute am sozialen Leben teilhaben will“, sagt Gerrit Schulte, „muss am digitalen Leben teilhaben.“ Egal ob die Verlängerung des Reisepasses oder der Kontakt zur Familie in der Ferne: „Man muss einfach online sein.“ Selbst alte Menschen im Pflegeheim können via Tablet häufiger ihre Enkel sehen oder ihre alten Lieblingslieder hören. Deshalb kümmern sich in manchen Heimen Pflegekräfte oder Freiwillige darum, ihnen die Technik beizubringen. Mit viel Zeit und Geduld.

Präsenz im Internet

In anderen Feldern der Caritasarbeit erwarten die Menschen bereits jetzt Präsenz im Internet. „Unsere Beratungsangebote sind schon länger online“, so Caritasdirektor Franz Loth. Aber es müsse auch noch viel passieren. „Mit dem Jahresthema treten wir uns ein bisschen selbst in den Hintern“, so Loth. „Unser alter Tanker Caritas kann ruhig ein bisschen von den modernen Start-ups lernen.“

Schlechte Infrastruktur

„Kleine innovative Versuche“ gäbe es bereits, die caritative Arbeit ins Internetzeitalter zu führen. Etwa in der Ambulanten Pflege der Einsatz von Tablets für die Dokumentation des Besuchs oder – besonders im ländlichen Raum – Videokonferenzen. „Dann muss das Team des Pflegedienstes nicht erst morgens 30 Kilometer zur zentralen Dienstbesprechung fahren, sondern kann gleich vor Ort bleiben und so Zeit und Fahrtkosten sparen“, sagt Loth. Eine einleuchtende Idee, nur: In Teilen des Emslandes ist die digitale Infrastruktur so schlecht, dass es in der Praxis nicht funktioniert. „Deshalb müssen wir uns auch dafür einsetzen, dass es überall schnelles Internet gibt.“

Zusätzliche Belastung

Die Tücke steckt im Detail. „Es gibt viele Möglichkeiten zur Arbeitserleichterung“, sagt Moritz Exner, am Caritasverband zuständig für die digitale Strategie. Aber man müsse auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen. „Sie müssen den Mehrwert erleben und neue Technik nicht als zusätzliche Belastung empfinden.“ Zudem sei die Caritasarbeit so vielfältig, dass für jeden Bereich ein eigenes Konzept hermüsse. „Es ist eben nicht wie bei einer Behörde, wo eine überschaubare Anzahl an Dienstleistungen abgerufen werden kann. Bei uns geht es um Menschen.“

Markt der Pflege

Und das ist der zweite Teil der neuen Jahreskampagne. „Bei aller Begeisterung für die Möglichkeit der digitalen Technik“, sagt Diakon Gerrit Schulte. „Die Beziehung von Mensch zu Mensch muss bleiben.“ Daher müsse könne man das Motto der Jahreskampagne auch umgekehrt formulieren: „Digitales braucht Soziales“, so Schulte. Franz Loth nennt ein Beispiel: „Pflegeroboter sind eine originelle Idee", sagt er. "Aber wenn man ihren Einsatz mal erlebt hat, merkt man auch: Das hat seine Grenzen.“ Man müsse deshalb in der Konkurrenz zu internationalen Konzernen, die zunehmend auf Markt der Pflege oder Erziehung drängen, „im Rennen bleiben“, ohne jedoch „die Wertorientierung zu verlieren“. 

Politik muss helfen

Ein bisschen schwammig klingt das alles schon. Aber das sei eben so, sagt Loth, wenn etwas in der Erprobungsphase ist. „Manches wird sich bewähren, aber wir werden vielleicht auch ein bisschen Geld versenken, wenn eine neue Idee in der Praxis scheitert.“ Dieses Geld müsse auch die Politik beisteuern. „Viele haben in Sachen Digitalisierung nur die Wirtschaft im Blick“, so der Caritasdirektor. Da müsse gerade die Landesregierung „den Blick auf die Wohlfahrtsverbände noch etwas schärfen.“ Dabei mitzuhelfen sei auch eine Aufgabe der neuen Jahreskampagne.


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