Krieg, Gewalt und familiäres Leid Premiere im Theater Osnabrück: Spannendes Stück "Verbrennungen"

Anfangs nicht so begeistert vom Auftrag seiner Mutter: Philippe Thelen als Simon (vorn), links im Bild Katharina Kessler, rechts Christina Dom und Juliane Böttger. Foto: Kerstin SchomburgAnfangs nicht so begeistert vom Auftrag seiner Mutter: Philippe Thelen als Simon (vorn), links im Bild Katharina Kessler, rechts Christina Dom und Juliane Böttger. Foto: Kerstin Schomburg

Osnabrück. Mit zustimmenden Applaus hat am gestrigen Samstag das Premierenpublikum Wajdi Mouawads Stück "Verbrennungen" im Osnabrücker Theater am Domhof aufgenommen. Erfahrene Theatergängerinnen fanden Christian von Treskows Inszenierung um Krieg, Gewalt, familiäres Leid und wie man die Kette aus Hass durchbrechen kann, spannend bis zum letzten Moment.

Sandra Lindes durchdachtes Bühnenbild begeisterte Premierenbesucher in der so eindringlichen wie ausgefeilten Inszenierung von Gastregisseur Christian von Treskow. Erstaunlich, welche aufrüttelnden Stimmungsbilder man allein mit Schattierungen von Grau erreichen kann. Denn Grau ist die Farbe des Krieges und des namenlosen afrikanischen Landes, in dem "Verbrennungen" spielt,  das Grau der Felsen, des Staubes, der Trümmer durch Bombardierungen. 

Schmerzende Wunden

"Verbrennungen" bezieht sich zwar dokumentarisch mit Fakten und Bildmaterial auf die Libanon-Krise von 1975-1990, doch Autor Wajdi Mouawad und mit ihm der Regisseur lassen den Schauplatz bewusst unbestimmt, denn (Bürger-)Kriege und ihre traurigen Auswirkungen auf die Bevölkerung gibt es bis heute. 

Romeo und Julia

Graue Schaumstoffstücke bedecken den Bühnenboden und sehen aus wie scharfkantiges Gestein. Das junge Paar Nawal und Wahab verzehrt sich in Sehnsucht nacheinander unter einem poetischen Sternenhimmel. Aus politischen Gründen dürfen sie nicht zusammen sein, doch Nawal ist schwanger. Die Geschichte dieses unglücklichen Romeo- und Julia-Paares wird in Rückblenden erzählt. Denn seinen Ausgang nimmt das Drama zweiundzwanzig Jahre später mit Nawals Testament und dem Auftrag an ihre Zwillinge Jeanne und Simon, ihren Vater und einen weiteren Bruder zu suchen. 

Höllengeburt eines Krieges

Wie es kam, dass Vater und Bruder dieselbe Person sind, diese widerwärtige Höllengeburt eines Krieges, erfahren die Zuschauer später. Bis dahin erleben sie ein eindringlich spielendes Ensemble und die vielsagenden Kostüme von Dorien Thomsen in situativ und altersmäßig passenden Grautönen. Wer auf die anfangs nur leise eingeblendete Musik von M. Hussein Al-Dabash achtet, der noch als Schüler 2016 vor dem Syrienkrieg nach Deutschland geflohen ist, dem stehen die Haare zu Berge. Eine Klangkulisse aus Triumphgejohle und Schmerzens- und Schreckensgeheul, wie sie nur der Krieg hervorbringen kann, legt er über die bleigraue Szene.

"Lerne schreiben"

"Lerne, schreiben, lerne lesen, lerne reden": Diesen Rat gibt die Großmutter ihrer Enkelin Jeanne, damit die Kette aus Hass und Gewalt nicht mit ihren Opfern einfach nur verstummt, um beim nächsten Konflikt unverändert wieder aufzuerstehen. So viele Rückschläge dieser Weg auch international erleiden mag – ist er nicht der einzige? Auch deshalb richtet sich dieses kluge Stück und ein sehenswerter Theaterabend spürbar an Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.



  


Weitere Aufführungen: 26. Februar, 3. und 24. März. Kartentel. 0541-7600076.

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