Sicher ist nur das Risiko Osnabrücker Symposium zu Sicherheit und Kriminalitätsangst

Zum Thema "Sicherheitsgesellschaft" hat Illustratorin Tina Nispel ihre ganz eigenen Assoziationen. Foto: David EbenerZum Thema "Sicherheitsgesellschaft" hat Illustratorin Tina Nispel ihre ganz eigenen Assoziationen. Foto: David Ebener

Osnabrück. Zum sechsten Mal haben das Institut für Islamische Theologie (IIT) der Universität und die Polizeidirektion Osnabrück zu einem gemeinsamen Symposium eingeladen. Es ging um die "Sicherheitsgesellschaft". Die Zukunft des IIT kam aber auch zur Sprache.

"Die Sicherheitsgesellschaft im Kontext realer und gefühlter Risiken". Das Thema des 6. Symposiums klingt akademisch und theoretisch, wird aber schnell sehr praktisch. Die 230 Teilnehmer haben kaum auf den Stühlen in der Aula des Osnabrücker Schlosses Platz genommen, da geht es auch schon in medias res. 

Garantieversprechen fürs Institut

Uni-Präsident Wolfgang Lücke nutzt sein Grußwort, um zunächst einmal dem IIT eine sichere Zukunft zu garantieren. "Wir haben in der Tat eine kritische Situation", sagt er mit Blick auf unbesetzte Professuren und sinkende Studentenzahlen. Aber:

"Das Präsidium steht komplett hinter dem Institut. Der Bestand ist auch nicht in irgendeiner Form gefährdet."Wolfgang Lücke, Uni-Präsident

Michael Maßmann, neuer Präsident der Polizeidirektion Osnabrück, klatscht dafür öffentlich Beifall und nennt das gemeinsame Symposium von Theologen und Sicherheitsbehörden "bundesweit beispielgebend". Immerhin sei die Polizei ein "Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen" und nehme eine gespaltene Wahrnehmung von Kriminalität in der Bevölkerung wahr.

Institutsdirektor Bülent Ucar begrüßt ebenfalls die klaren Worte Lückes. Auch wenn man sich in einer "schwierigen Umbruchphase" befinde, hätten alle demokratischen Parteien Unterstützung signalisiert. Ucar liefert auch den ersten inhaltlichen Impuls zum Thema Sicherheit: "Wieso haben so viele Menschen bei einem Bevölkerungsanteil von nur fünf Prozent Muslimen Angst vor Islamisierung?" 

Zwischen Fakten und Gefühlen

Tobias Singelnstein, Kriminologie-Professor aus Bochum, hält den Eröffnungsvortrag und wirft eine Statistik nach der anderen an die Wand. Während die Kriminalität objektiv zurückgehe, nähmen immer mehr Menschen das Gegenteil an – der Experte sieht eine "neue Bedeutung des Subjektiven" und einen "publizistischen Verstärkerkreislauf". An die Stelle des Schutzes vor Kriminalität sei der diffusere Begriff der Sicherheit getreten. Singelnstein gibt sich als Vertreter der Generalisierungsthese zu erkennen, nach der eigentlich soziale Unsicherheiten in Kriminalitätsangst projiziert werden. Er empfiehlt Rationalisierung, Entdramatisierung und Akzeptanz der unvermeidlichen Unsicherheit.


Daniel Heinke (l.), Leiter des LKA Bremen, und Kriminologe Tobias Singelnstein streiten sich um Sicherheit und Freiheit. Moderatorin Marfa Heimbach gibt die Stichworte. Foto: David Ebener


Anschließend liefern sich Singelnstein und Daniel Heinke, Leiter des bremischen Landeskriminalamts, ein gesittetes Streitgespräch. "Jede Straftat ist eine zu viel", betont Heinke, der davor warnt, Freiheit und Sicherheit nur als Gegensatz zu sehen. Es geht um Migration, Rechtsradikalismus und die Rolle der Medien. Die Moderatorin Marfa Heimbach bohrt zu den umstrittenen Verschärfungen der Polizeigesetze nach. Heinke: "Die Polizei macht keine Politik." Singelnstein: "Da machen Sie es sich zu leicht." 

In einem sind sie sich aber einig: Es muss sachlich über das Thema Sicherheit gesprochen werden. Ein Symposium ist dazu ein guter Anfang. Nach dem Steitgespräch folgen Filme, Workshops und eine Podiumsdiskussion.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN