zuletzt aktualisiert vor

Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 5 Kinostars und Porno-Pilger: Das „Astoria“

Von Reinhard Westendorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Die Ecke Möserstraße / Georgstraße war über fünf Jahrzehnte ein bekannter Kinostandort in der Osnabrücker Innenstadt. Das „Astoria“ hat an diesem Platz von 1953 bis 1997 gute und schlechte Kinozeiten durchlebt – vom famosen Filmpalast bis zum scheußlichen Schachtelkino.

Das alte „Astoria“ war mit seinen 950 Plätzen neben dem legendären „Ritz“ an der Lotter Straße über 25 Jahre Osnabrücks größter und repräsentativster Kinopalast.

Auf dem Grundstück eines im Krieg zerstörten Geschäftshauses an der Möserstraße/Ecke Georgstraße eröffnete der Bielefelder Filmtheaterbetreiber Fritz Rothschild am 24. Oktober 1953 ein neues Kino. „Das Astoria-Theater will es sich zur Aufgabe machen, nur Spitzenfilme in Erstaufführung zu bringen und die Besucher mit Kabarett und Bühnendarbietungen bekannt zu machen“, lautete damals der großstädtische Programmanspruch.

Wie zu jener Zeit selbstverständlich, deutete von der zweistraßig ausgerichteten Außenfassade über das Foyer bis zum ansteigenden Zuschauersaal architektonisch noch vieles darauf hin, dass Kino mehr als nur der Film ist. Auf der 14 Meter breiten Bühne vor der Leinwand präsentierten sich nicht nur Stars wie Zarah Leander und Klaus Kinski persönlich dem Publikum, sondern spielten auch Orchester oder hielten städtische Honoratioren festliche Reden.

Diese glorreiche Kinoherrlichkeit endete am 1. Februar 1979 in Zeiten einer sich dramatisch veränderten Kinolandschaft. Mit dem Abriss im März 1980 versank das alte „Astoria“ nach rund 28000 Vorstellungen und knapp 6 Millionen Besuchern in Schutt und Asche.

An gleicher Stelle entstand ein noch heute existierender Geschäftsgebäudekomplex mit integriertem Kinocenter. Vom Glanz vergangener Tage war bei der Neueröffnung des „Astoria“ am 19. März 1982 allerdings nur der Name und dessen alter Schriftzug übrig geblieben. Über eine Ladenpassage und verwegene Flure und Treppenaufgänge gelangte man zu den fünf kleinen Kinos in der 1. Etage mit zusammen 521 Sitzplätzen. Mittlerweile von dem Göttinger Kinounternehmer Kurt Krause betrieben, erwarb sich die kleinste Vorführstätte einen speziellen Ruf. Im „Kino E“ wurde die sogenannte „Regenmantel“-Kundschaft bereits ab 10 Uhr vormittags nonstop mit „Lebensgeister weckenden Filmen“ versorgt. Nebenan im „Kino D“ wurde derweil ein ausgewähltes „Filmkunstprogramm“ präsentiert. Porno-Pilger und Cineasten trafen im „Astoria“ nicht selten auf ebenso einvernehmliche wie peinliche Weise aufeinander. Als die bunten Schachtelkinos später von den Flebbe-Filmtheaterbetrieben aus Hannover weitergeführt wurden, war bald Schluss mit diesem Doppelspiel.

Am 26. Juni 1997 kam es dann zur endgültigen Schließung des traditionsreichen „Astoria“, nachdem die damals größte deutsche Kinokette, die „Ufa Theater AG“, das Kinocenter im Frühjahr übernommen hatte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN