Mord im Bürgerpark Von Sagengestalt inspiriert: Harald Kellers neuer Osnabrück-Krimi

"Fesselnde" Lektüre: Polizei-Pressesprecherin Mareike Edeler mit Osnabrück-Krimi und „Schreibtischtäter“ Harald Keller im Schlepptau.  Foto: David Ebener"Fesselnde" Lektüre: Polizei-Pressesprecherin Mareike Edeler mit Osnabrück-Krimi und „Schreibtischtäter“ Harald Keller im Schlepptau. Foto: David Ebener

Osnabrück. Der Osnabrücker Autor Harald Keller hat seinen neuen Kriminalroman „Rendezvous mit dem Ropenkerl“ in seiner Heimatstadt angesiedelt. Aber der Ort soll nicht im Vordergrund stehen.

Wenn Harald Keller im Bürgerpark spazieren geht, sieht er nicht nur Bäume. Seit der Osnabrücker Autor und Literaturwissenschaftler auch Krimis schreibt, ist er stets auf der Suche nach einer spannenden Geschichte. Hat er den Stoff für seinen vor zehn Jahren veröffentlichten ersten Kriminalroman „Ein schöner Tag für den Tod“ noch in Nord-Holland gefunden, so lag er bei seinem nunmehr dritten direkt vor der Haustür. Die alte, längst in Vergessenheit geratene Legende vom unheimlichen „Ropenkerl“, der nächtens auf dem Gertrudenberg herumschleicht, um dort sein Unwesen zu treiben und nicht nur für schlechtes Wetter zu sorgen, bot dem Schreiber Anlass, seine neueste Kriminalgeschichte in seiner Heimatstadt spielen zu lassen – nachdem der Vorgänger rund um den Wanderern auflauernden „Holenkerl“ bereits im Nordkreis angesiedelt war. 

Vorrang der Figuren

Für Harald Keller steht dabei aber der regionale Aspekt nicht im Vordergrund. Wichtig sei es, erst die Handlung und die Figuren zu entwickeln und sie dann erst auf die Reise zu bestimmten Schauplätzen zu schicken, an denen sie morden und ermitteln dürfen, betont er. So sieht er sich auch weniger als spätberufener „Trittbrettfahrer“, der auf den in den letzten Jahren rasant Fahrt aufnehmenden Trend-Zug der Regionalkrimis aufspringt, sondern als Autor von realistischen Kriminalromanen, deren Handlung buchstäblich naheliegend an tatsächlichen, für die Leser wiedererkennbaren Orten spielt. Neben dem Bürgerpark auf dem Osnabrücker Gertudenberg ist das unter anderem auch die Polizeiinspektion am Kollegienwall. Pressesprecherin Mareike Edeler gab beim dortigen Fototermin allerdings unumwunden zu, lieber Krimis zu lesen, die weiter nördlich Richtung Hamburg und Skandinavien angesiedelt sind - denn Osnabrücker Tatorte kenne sie aus ihrem Arbeitsalltag schließlich genug. Genau den bis hin zu den Diensträngen und der üblichen Teamarbeit möglichst anschaulich, realitätsnah und gut recherchiert abzubilden, ist Harald Keller ein wichtiges Anliegen. Deshalb ordnet er sein „Rendezvous mit dem Ropenkerl“ dem kriminalistischen Sub-Genre des „Polizeiromans“ zu. Auch die Todesfälle sollten „nicht allzu grotesk“ inszeniert sein. Das schließe allerdings weder aus, dass die Handlung mit Fantasie angereichert wird, noch, dass er sich in Zukunft einmal komplett der Fiktion widmen wird, zeigt sich der Autor offen für auch andere Formate. Bisher sei es indes so gewesen, dass Geschichten ihn in Form einer besonderen Begebenheit oder einer interessanten Beobachtung recht ungeplant „angesprungen“ hätten – und auch die Figuren würden sich meist „aus eigenen Erlebnissen“ real und alltagsnah ableiten. 

Lebendige Autorenszene

Nicht nur als Schreiber von Regionalkrimis tritt Harald Keller in der lokalen Literaturszene in Erscheinung, sondern auch als Veranstalter und Netzwerker. Im Unikeller lädt er einmal im Monat zur „Lese-Rampe“ ein. Zuletzt war er für die Öffentlichkeitsarbeit der ersten lokalen „Osna-Buch“-Messe im Haus der Jugend zuständig. Den gegenwärtigen Boom, den insbesondere Regionalkrimis erleben, führt Harald Keller nicht zuletzt auch auf die veränderten Veröffentlichungsmöglichkeiten zurück. Dabei spiele nicht nur das sogenannte „Self-Publishing“, sondern auch die Zunahme an spezialisierten Regionalkrimi-Verlagen eine Rolle. Sein eigenes neues Buch ist hingegen in einem inhaltlich breiter aufgestellten Verlag erschienen – passend zur Vielschichtigkeit des Autors.


Die nächsten Lesetermine von Harald Keller

In Bersenbrück: Donnerstag, 21. Februar, Buchhandlung Bücherwelt, Schulstraße 2, 19.30 Uhr (mit Melanie Jungk); in Osnabrück: Freitag, 22. Februar, Lese-Rampe im Unikeller, Neuer Graben 29; Freitag, 1. März, Kinder- und Kulturwerkstatt, Bramscher Straße 245 (mit Melanie Jungk), jeweils 20 Uhr; in Bad Iburg: Donnerstag, 7. März, Haus Kroneck Salis, Schlossstraße 17, 19.30 Uhr. Eintritt frei.

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