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70 Millionen Euro Gesamtkosten Wie die Stadtwerke Osnabrück ihre neue Elektrobus-Flotte bezahlen

Angezapft: Das Bundesumweltministerium fördert die Elektrifizierung des Osnabrücker Stadtbusverkehrs mit zunächst 14,9 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm Saubere Luft. Foto: Gert WestdörpAngezapft: Das Bundesumweltministerium fördert die Elektrifizierung des Osnabrücker Stadtbusverkehrs mit zunächst 14,9 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm Saubere Luft. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück. 70 Millionen Euro kostet die Stadtwerke Osnabrück der Aufbau ihrer Elektrobus-Flotte. Mehr als die Hälfte des Geldes holen sie aus unterschiedlichen Fördertöpfen. Der dickste Zuschuss kommt vom Bund.

Es war ein kleines Schild, das führende Köpfe der Stadtwerke am Montag vor prächtiger E-Bus-Kulisse in die Kamera hielten. Aber darauf stand eine große Zahl: 14,9 Millionen Euro. So viel steuert allein das Bundesumweltministerium (BMU) zur Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs in Osnabrück bei. Doch bei dieser Summe soll es nicht bleiben. Mindestens ein weiterer Förderbescheid aus Berlin in vergleichbarer Höhe wird an der Alten Poststraße noch erwartet. 

Präsentierten eine stattliche E-Bus-Millionen-Förderung vom Bundesumweltministerium: (von links) Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke, E-Bus-Projektleiter Joachim Kossow, Stadtwerke-Finanzexperte Guido Giesen und Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes. Foto: Gert Westdörp


BMU-Mittel aus dem Sofortprogramm "Saubere Luft"

Dank weiterer Zuschüsse aus anderen Quellen gelingt es damit in Osnabrück, den Eigenanteil an den Gesamtkosten von 70 Millionen Euro für einen vollständigen Systemwechsel um mehr als die Hälfte zu drücken. Das Land Niedersachsen beteiligt sich zum Beispiel über verschiedene Wege an der Fahrzeugbeschaffung, am Aufbau der Ladeinfrastruktur sowie am Umbau von Busbetriebshof und Buswerkstatt. Der Bund finanziert mit seinem Sofortprogramm "Saubere Luft" einen Großteil der Mehrkosten, die beim Kauf von Bussen mit Elektro- statt Dieselmotor entstehen. Darüber hinaus trägt es Ausgaben für Schnellladestationen im Stadtbusnetz mit. (Weiterlesen: So viel kostet Busfahren in Osnabrück ab 1. Januar 2019)

Wegbereiter für andere Städte und Verkehrsbetriebe

"Wir haben die zur Verfügung stehenden Fördertöpfe ordentlich anknabbern können", stellte Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes zufrieden fest. Und das sei gar nicht leicht gewesen. Es habe Jahre gedauert, die jeweiligen Förderbestimmungen von Bund und Land miteinander in Einklang zu bringen, sodass eine Kombination diverser Steuermittel möglich wurde. Vom Wissen und den Erfahrungen der Osnabrücker könnten andere Städte, die ebenfalls auf E-Bus-Verkehr umsteigen wollen, nun profitieren. Rolfes: 

"Wir haben für die gesamte Bundesrepublik Pionierarbeit geleistet."


E-Busse ab 2026 wirtschaftlicher als Diesel

Guido Giesen, der sich für die Osnabrücker Stadtwerke ebenso hartnäckig wie geschickt durch den Förderdschungel gekämpft hat und damit als heimlicher Vater des Millionensegens gelten darf, rechnete vor, dass sich die teure Revolution im Fuhrpark des Verkehrsbetriebs wegen der hohen Förderquote bereits in sieben Jahren bezahlt machen könnte. "Entwickeln sich die Preise für Sprit und Strom realistisch, ist der E-Bus ab etwa 2026 wirtschaftlicher als der Diesel." Dabei hole das Elektrofahrzeug das Geld vor allem durch preiswerteren Energieverbrauch wieder rein, teilweise auch durch geringere Wartungskosten. 

Premieren-Linie M1 ab April in Betrieb

Wie Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke am Montag ankündigte, soll die erste rein elektrisch betriebene Metrobus-Linie M1 zwischen Düstrup und Haste (bislang Linie 41) spätestens Anfang April an den Start gehen. Die 13 nötigen E-Gelenkbusse seien inzwischen angeliefert und würden nun für den Dienst im Alltag vorbereitet. "Vereinzelt sind sie schon im Schülerverkehr unterwegs", sagte Kränzke und berichtete von "begeisterten Busfahrern". (Weiterlesen: ICO Osnabrück wird Testgelände für autonomen Shuttlebus)

49 weitere Fahrzeuge auf dem Bestellzettel

Für 49 weitere E-Gelenkbusse plus Ladestationen läuft seit Ende 2018 eine europaweite Ausschreibung. Das Verfahren ist erneut zweistufig: In Runde eins können sich interessierte Hersteller um eine Teilnahme bewerben, in Runde zwei dürfen ausgewählte Firmen konkrete Angebote abgeben. Den Auftrag wollen die Stadtwerke im Frühsommer erteilen. E-Bus-Projektleiter Joachim Kossow: "Die 49 neuen Fahrzeuge werden dann schrittweise bis 2022 auf den Hauptlinien M2 bis M5 zum Einsatz kommen." 

 


Besichtigungen und kostenlose Rundfahrten

Wer sich persönlich einen Eindruck von den neuen Osnabrücker E-Bussen verschaffen möchte, hat dazu übrigens am Samstag, 23. Februar, Gelegenheit – und zwar beim "E-Bus-Schnuppertag" der Stadtwerke von 10 bis 14 Uhr auf dem Platz der Deutschen Einheit (Theater). Dort haben Besucher die Möglichkeit, einen ausgestellten E-Gelenkbus von außen und innen zu erkunden. Wer die Fahrzeuge in Aktion erleben will, kann an einer der kostenlosen Rundfahrten teilnehmen. Für Fragen rund um die E-Busse stehen Experten der Stadtwerke, des niederländischen Herstellers VDL Bus & Coach sowie des E-System-Lieferanten Schaltbau Refurbishment (Dinslaken) bereit. (Weiterlesen: Bestpreis-Abrechung im Osnabrücker ÖPNV soll noch 2019 kommen)


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