Symphonieorchester und Domchor kooperieren Gute und schlechte Musik von Krieg und Frieden

Vereint für den Frieden: Clemens Breitschaft leitet beim Sinfoniekonzert im Dom das Osnabrücker Symphonieorchester und den Domkammerchor. Foto: Thomas OsterfeldVereint für den Frieden: Clemens Breitschaft leitet beim Sinfoniekonzert im Dom das Osnabrücker Symphonieorchester und den Domkammerchor. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Beim traditionellen gemeinsamen Konzert widmen sich der Domkammerchor und das Osnabrücker Symphonieorchester einem typischen Osnabrück-Thema: Ihr Konzert im Dom dreht sich um Krieg und Frieden. Das ist nicht immer ein Gewinn.

Ach ja, die Sache mit dem Frieden. Osnabrück widmet sich dem Thema mit viel Energie und führt deswegen den Titel "Friedensstadt" und gerade der Kultursektor nimmt sich des Themas gern an. Das vierte der acht Abo-Sinfoniekonzerte des Osnabrücker Symphonieorchesters trägt daher den Titel "Friedensmusik", was ein bisschen nach "Musica pro pace" klingt, die es alljährlich zum Osnabrücker Friedenstag gibt. Macht nichts, Zuviel Frieden kann es ja gar nicht geben.

Weitläufiger Verwandter von Johann Sebastian Bach

Allerdings macht der Frieden aus schlechter Kunst keine gute - so wie die "Friedens-Cantata" des Komponisten Johann Michael Bach. Der war ein Zeitgenosse von Haydn, Mozart, Beethoven und dessen Verwandtschaftsverhältnis zum großen Johann Sebastian Bach - laut Wikipedia - nicht geklärt ist. Allzu eng kann es nicht sein.

Das Werk für Chor, Solisten und Orchester erfüllt den Hohen Dom mit Musik, die nach viertem oder fünftem Mozart-Aufguss klingt. Banalitäten reihen sich aneinander, zwischen denen blinde Flecken klaffen, und die Solisten und den Chor zwingt der Komponist in schrille Höhen und brummige Tiefen - ohne dramaturgische Notwendigkeit. Gemessen daran liefern das Osnabrücker Symphonieorchester, der Domkammerchor und das Solistenquartett Erika Simons, Katarina Morfa, Daniel Wagner und Andreas Wolf ein ordentliches Ergebnis. Aber ein musikalisches Argument für diese Wahl bleibt die Aufführung schuldig. Es sei denn, es ging darum, Haydn "Missa in tempore belli", die sogenannte Paukenmesse in umso strahlenderes Licht zu setzen.

Die Angst vor Napoleons Truppen

Dieses Werk spiegelt die Kriegsangst und das Flehen um Frieden angesichts der Bedrohung Österreichs durch Napoleon und seine Truppen wider - daher der Name "Messe in Zeiten des Kriegs". Wie kreativ und meisterhaft Haydn diese außermusikalische Idee umgesetzt hat, zeigt sich nicht nur in dem Paukensolo im abschließenden Agnus Dei, das die französischen Kriegstrommeln imitiert und dem Werk seinen Beinamen gab. Dramatische harmonische Wendungen, angsterfüllte Aufschreie, aber auch Friedensidyllen durchziehen das ganze Werk und verleihen ihm seine Wucht.

Breitschaft, im Hauptberuf Domchordirektor, hat hier Orchester, Solisten und seinen Kammerchor gut zusammengebracht. Zwar könnten Brüche, Umschwünge, Steigerungen manchmal dramatischer zur Geltung kommen; andererseits schluckt das hallige Kirchenschiff viele Details. So singt der Kammerchor mitunter vergeblich gegen die Akustik an, was schade ist angesichts der Ausgewogenheit und der Präzision, die ansonsten zu hören ist. Die Solisten singen auf Sicherheit, am deutlichsten zu hören beim Gast Andreas Wolf, der seinen profunden Bass kaum einmal zurücknimmt, als hätte er Angst, nicht durchzudringen. Trotzdem bleibt unterm Strich die Erkenntnis, dass es Gott sei Dank auch große Kunst gibt, die den Friedensgedanken transportiert.


4. Sinfoniekonzert

"Friedensmusik": Wiederholung am Montag, 18. Februar, 20 Uhr im Dom. Einführung mit Klaus Laßmann um 19.15 Uhr im Forum am Dom. Tickets an der Theaterkasse.

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