Koscher, halal, vegetarisch und vegan Wie funktioniert das Mittagessen in der Osnabrücker Drei-Religionen-Schule?

In der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück werden 177 christliche, jüdische und muslimische Kinder unterrichtet. Die religiöse Vielfalt beeinflusst auch den Speiseplan der Mensa. Foto: Friso Gentsch/dpaIn der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück werden 177 christliche, jüdische und muslimische Kinder unterrichtet. Die religiöse Vielfalt beeinflusst auch den Speiseplan der Mensa. Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Die Drei-Religionen-Schule in Osnabrück: 177 christliche, jüdische und muslimische Kinder lernen hier zusammen – und essen gemeinsam zu Mittag. Doch wie funktioniert eine Schulverpflegung, die Rücksicht auf viele verschiedene religiöse Speisevorschriften nimmt? Zusammen mit Schulleiterin Birgit Jöring durften wir eine Stippvisite in der Schulkantine machen.

"Zum interreligiösen Lernen gehört auch die Ernährung", sagt Birgit Jöring, Schulleiterin der Drei-Religionen-Schule an der Süsterstraße. Das Konzept der Grundschule ist bisher einmalig in Deutschland. Christliche, jüdische und muslimische Kinder lernen die jeweils anderen Religionen und ihre Riten zu respektieren – und das nicht nur im Unterricht, sondern auch beim gemeinsamen Mittagessen. Rund 170 Schüler werden täglich in der Schulkantine verpflegt. An mindestens zwei Tagen in der Woche bleibt jedes Kind der Ganztagsschule zum Mittagessen in der Schule.

Gerichte in fünf Varianten

Doch die unterschiedlichen religiösen Speisevorschriften stellen hohe Ansprüche an die Schulverpflegung. "Heute gibt es Rindergulasch mit Kartoffeln", sagt Küchenkraft Sandra Schulze mit einem Blick auf den Speiseplan. Doch so einfach wie es klingt, ist die Sache nicht. Um den Ernährungsweisen aller Kindern gerecht zu werden, gibt es jedes Gericht in einer koscheren, einer halal- sowie einer vegetarischen und veganen Variante. Damit das möglich ist, wird die Schule beliefert von der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und von einem Caterer, der über ein Halal-Zertifikat verfügt.

Schulze ist seit der Eröffnung der Schule im Jahr 2012 zuständig für die Essensausgabe in der Mensa. Sie weiß, welchem Kind sie Schweinefleisch auftischen darf und welchem nicht. In den vergangenen Jahren hat sie sich viel mit den religiösen Speiseregeln beschäftigt und gelernt, dass viele Unterschiede im Detail stecken. In der Schulkantine essen die Kinder ausschließlich von speziellen Tellern aus gehärtetem Glas. Diese lassen sich hygienischer reinigen und gelten daher als koscher. Zudem muss in der koscheren Küche, in der nur Juden selbst die Speisen zubereiten dürfen, auf eine strikte Trennung von Fleisch- und Milchprodukten geachtet werden. Diese dürfen nicht zusammen auf einem Teller (geschweige denn im Magen) landen. Weil im Islam ein strenges Alkoholverbot herrscht, können für die Reinigung der Kantine keine herkömmlichen Reinigungsmittel mit Alkohol, sondern nur Ersatzprodukte verwendet werden.

"Unterschiede der Religionen wahrnehmen"

Den Schülern werden die Eigenschaften ihrer Religionen spätestens am Tisch deutlich, wenn die Gerichte auf ihren Tellern unterschiedlich aussehen. Die Kinder kommen darüber ins Gespräch, erzählt Jöring. Und das sei auch gut so. "Es geht ganz bewusst darum, die Unterschiede der Religionen wahrzunehmen", betont sie. Beim gemeinsamen Essen könnten die Schüler eine unvoreingenommene Grundhaltung entwickeln und lernen, die Unterschiede respektvoll anzuerkennen. Nur so könne man die Kinder auf die Gesellschaft vorbereiten und ihnen Respekt und Gastfreundschaft vermitteln. 

Auch die religiösen Feiertage haben einen festen Platz im Schulalltag. Nicht selten herrschen dann auch strengere Regeln bei den Mahlzeiten. Während des jüdischen Pessach-Fests, dem "Fest der ungesäuerten Brote", muss der Essplatz komplett rein sein und wird daher mit einer Folie abgedeckt. Zudem dürfen die jüdischen Kinder in dieser Zeit nicht mit anderen Kindern an einem Tisch essen. Aufgrund strenger Hygienevorschriften wird Plastikgeschirr verwendet. Schulze zuckt mit den Schultern und lächelt: "Ich stelle mich gerne darauf ein. Mich bringt so schnell nichts aus dem Konzept."

Schulverpflegung als Herausforderung

"Die Verpflegung ist ein großes Thema an unserer Schule", erklärt Jöring. Schüler, Lehrer und Eltern setzen sich viel damit auseinander – nicht nur beim täglichen Mittagessen, sondern auch bei Klassenfahrten oder Geburtstagssüßigkeiten, die in der Schule verteilt werden dürfen. Nicht ohne Grund sei die Verpflegung auch schon ein Jahr vor Eröffnung der Schule bei der Planung des Konzepts ein grundlegender Faktor gewesen. Doch gemeinsam sei man die Herausforderung mit viel Engagement und Optimismus angegangen, erinnert sich Jöring. Gebe es dann doch mal offene Fragen, könnten Lehrkräfte aus dem Kollegium mit entsprechender Religionszugehörigkeit jederzeit Informationen aus erster Hand liefern.

Und doch ist nicht alles anders an der Drei-Religionen-Schule: Beim Schulobst-Programm gibt es für alle Kinder, ob christlich, jüdisch oder muslimisch, ein gesundes Frühstück mit frischem Obst und Gemüse. Und wie in jeder anderen Schulkantine gibt es auch hier beim Mittagessen hin und wieder die Situation, dass ein Kind etwas nicht so gerne mag. "Dann führe ich Beratungsgespräche", sagt Schulze mit einem Schmunzeln. "Und meistens kann ich die Kinder überzeugen, alles einmal zu probieren." Damit das Essen in der Schule Spaß macht, können die Grundschüler immer vor den Ferien bei einer Umfrage ein Wunschessen wählen, welches es dann in der Schulmensa gibt – natürlich in allen Varianten.


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