Unbesetzte Lehrstühle und Bewerbung nach Berlin Probleme bei Professorenstellen am Osnabrücker Islaminstitut

Sorgt sich um die Zukunft der Islamwissenschaft in Osnabrück: Institutsleiter Prof. Bülent Ucar. Archivfoto: David EbenerSorgt sich um die Zukunft der Islamwissenschaft in Osnabrück: Institutsleiter Prof. Bülent Ucar. Archivfoto: David Ebener

Osnabrück. Wer nach menschlichen Aushängeschildern des Osnabrücker Islaminstituts fragt, landet bei zwei Professoren: beim Institutsleiter Bülent Ucar und beim Soziologen Rauf Ceylan. Einer von beiden könnte nun das Institut verlassen. Und auch die Studentenzahlen sehen nicht gut aus.

Fünf Islaminstitute gibt es aktuell in Deutschland, eines davon in Osnabrück. Nun soll an der Berliner Humboldt-Universität ein weiteres entstehen. Die Berliner Uni bestätigte auf Anfrage, dass sich Rauf Ceylan, seit 2009 Professor für gegenwartsbezogene Islamforschung in Osnabrück, in Berlin beworben und im Januar dort eine Probevorlesung gehalten hat. Bis Oktober dieses Jahres soll die Stelle besetzt sein.

Institutsleiter: Nur noch ein "Rumpfinstitut"

Ceylan bestätigte die Bewerbung auf Anfrage, möchte sich aber ansonsten nicht dazu äußern. Institutsleiter Bülent Ucar zeigte sich besorgt: „Da die Rahmenbedingungen aufgrund der vakanten Stellen denkbar ungünstig sind, wäre ein Weggang von Prof. Ceylan ein herber Rückschlag für das Institut.“ Ucar kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das Institut eigentlich das größte seiner Art in Deutschland sein könnte, aufgrund unbesetzter Professorenstellen aber zu einem „Rumpfinstitut“ verkomme. Von acht Professuren seien nur vier regulär besetzt, zwei weitere würden vertreten. Gänzlich unbesetzt ist die Professur für Fachdidaktik.

Foto: David Ebener


Bei einer anderen Stelle geht es dagegen offenbar voran: Die Professur für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt muslimische Wohlfahrtspflege wird laut Uni Osnabrück zeitnah ausgeschrieben. Ucar erklärte, dass der Berufungsprozess mehrere Monate dauern werde – wahrscheinlich mindestens ein Jahr, möglicherweise sogar zwei. Dazu kommt eine mögliche Neuausrichtung des Instituts: Das war von einer Kommission unter die Lupe genommen worden und soll dem Wissenschaftsministerium bis Monatsende ein neues Forschungskonzept vorlegen.

Das Ministerium verweist im Zusammenhang mit den vakanten Stellen auf diese Überprüfung. Die im Zuge der Evaluation freigehaltenen Stellen würden schrittweise wiederbesetzt. „Ziel ist es, das Institut zukunftsorientiert und wissenschaftlich wettbewerbsfähig aufzustellen“, teilte das Ministerium mit.

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Parallel sinken jedoch auch die Zahl der Studenten am Institut - aktuell sind es noch 442. Und ein Imamseminar, in dem sich Absolventen aus Osnabrück zu Imamen fortbilden könnten, scheint in weiter Ferne. Aktuell kommt also einiges zusammen. Der Institutsleiter hofft daher vor allem auf einen zeitnahen regulären Betrieb: „Unser Wunsch ist, dass alle vier Professuren freigegeben werden“, sagte Ucar.


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