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Gelungene Partypremiere Christian Steiffen mischt den Rosenhof auf

Persifliert das Schlagergeschäft so perfekt, dass es sich wie echt anfühlt: Christian Steiffen, der "Gott Of Schlager"  und Dr. Martin Haseland (rechts), das sogenannte Haseland Orchester, beim Tourauftakt im Rosenhof. Foto: David EbenerPersifliert das Schlagergeschäft so perfekt, dass es sich wie echt anfühlt: Christian Steiffen, der "Gott Of Schlager" und Dr. Martin Haseland (rechts), das sogenannte Haseland Orchester, beim Tourauftakt im Rosenhof. Foto: David Ebener

Osnabrück. Zum ersten Mal präsentierte der Osnabrücker Sänger Christian Steiffen sein neues Album „Gott Of Schlager“ live. Im ausverkauften Rosenhof feierten seine Fans neue Lieder und vor allem alte Hits.

Ein großer Schriftzug verkündet den Namen „Christian Steiffen“. Der Sänger aus Osnabrück präsentiert im Rosenhof sein neues Album mit vielen speziellen Schlagern live. Voller Stolz zeigt er am ersten von drei ausverkauften Konzertabenden die Bühnenkulisse, die er sich von einem Möbelschreiner bei Osnabrück hat bauen lassen. Dann geht er an einen Schalter und knipst eine Neonschrift an: „Gott“ leuchtet es in Rot.

Foto: David Ebener


Christian Steiffen ist der selbst ernannte „Gott of Schlager“. So jedenfalls heißt das Album, das er gerade brandneu auf den Markt gebracht hat und das er jetzt im Rosenhof erstmals live präsentiert. Weil zwei Konzerttermine sehr schnell ausverkauft waren, wurde ein dritter Abend möglich gemacht, an dem ebenfalls „volles Haus“ gemeldet werden konnte. Insgesamt 2400 Gäste also allein in Osnabrück – das macht dem Mann so schnell keiner nach. Und es handelt sich nicht um ein Lokalphänomen: Auch in anderen deutschen Städten ist Christian Steiffen schwer angesagt. Haben wir es etwa mit der männlichen Helene Fischer zu tun, die hier an der Hase heranwuchs?

Foto: David Ebener


Mitnichten. Auch wenn die Musik im Disko-Einheitstakt stampft und die Melodien schnell zum Schunkeln verführen, so genügt eine einzige Textzeile, um zu beweisen, dass man hier nicht von Schlager sprechen kann. Oder wäre es denkbar, dass Bernhard Brink oder Matthias Reim Verse wie „Es ist mir scheißegal, wie sehr ich lalle, ich geb einen aus, und zwar für alle – und dann breche ich in die Nacht“ singen würden? Wohl kaum. Die von „echten“ Schlagerstars besungene Idylle bleibt bei Steiffen außen vor. Stattdessen setzt es gerade auf dem neuen Album sarkastische Titel wie „Schöne Menschen (sterben nie)“ oder eindeutige Protestlieder wie „Kack, kack, kack, kack Karneval“. Nie war der „Schlagergott“ expliziter.

Foto: David Ebener


Mit tropischem Rumms wird der Abend eröffnet. Ulli Barracuda, auch unter dem Pseudonym Ulli Mallorca bekannt, ist mit seinen Pink Flamingos angerauscht, um als Vorband mächtig für Stimmung zu sorgen. Latino-Floskeln werden vom Mann im weißen Anzug im Viervierteltakt an den Mann und an die Frau gebracht. Hier fragt man sich allerdings bereits, ob nicht mindestens die Hälfte der Zuschauer in den Rosenhof gekommen ist, weil sie sich hier die Absolution für ein sonst geächtetes Musikgenre abholen können. Der anderen Hälfte dürfte bewusst sein, dass Christian Steiffen ein guter Schauspieler ist, der seine Rolle mit Liebe und Überzeugungskraft spielt.


Mit „Wie gut, dass ich hier bin“ startet der Sänger dann seine Show; er trägt Schlaghose und rosa Rüschenhemd unter seiner Jeansjacke und befindet sich in dem ihm eigenen überdreht-narzisstischen Modus. Begleitet wird er von seinem musikalischen Direktor Dr. Martin Haseland, der das Playback von der Platte mit diversen Soli auf der Farfisa-Orgel und mit einer Keytar aufpäppelt, dem Zwitter zwischen Keyboard und Gitarre, mit dem Schlagergötter der 80er wie „Modern Talking“ ihren Hüftschwung betonten. Allerdings funktioniert das schräge Umhängeinstrument nicht auf Anhieb, was Steiffen zu dem Kommentar animiert, Haseland habe die falschen Batterien eingesetzt. Hier bekommt man schnell das Gefühl, in einer Comedy-Show gelandet zu sein. Tatsächlich darf man während der zweistündigen Show rätseln, ob man es hier mit Parodie oder Persiflage, mit Comedy oder hochwertigem Klamauk zu tun hat.

Foto: David Ebener

Jedenfalls treffen die beiden Unterhaltungskünstler den Nerv des Publikums. Bluesgitarrist Jimmy Reiter wird von Steiffen als „echter Musiker“ vorgestellt und für den Gassenhauer „In Budapest beim Schützenfest“ holt er den Geiger So-Kumneth Sim an seine Seite. Und zum Geburtstagsständchen für Dr. Haseland wird sogar eine Torte serviert. Als Steiffen seine Hits singt, gibt es im Rosenhof kein Halten mehr. Ausgelassen feiern seine Fans „Ich fühl mich Disco“ und singen aus vollem Hals „Sexualverkehr“ mit. Das Lied gerät zum Höhepunkt des Abends – wie passend.

Ulli Barracuda und die Pink Flamingos treten als Support für Christian Steiffen (nicht im Bild) im Rosenhof Osnabrück auf. Foto: David Ebener



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