"One Billion Rising" Osnabrückerinnen tanzen als Symbol gegen Gewalt

Foto: David EbenerFoto: David Ebener

Osnabrück. "One Billion Rising" – eine Milliarde erhebt sich – ist eine weltweite Kampagne zur Beendung von Gewalt an Frauen. In mehr als 200 Ländern tanzen Frauen und Männer immer am 14. Februar zu dem Song "Break the Chain". Seit 2013 beteiligt sich auch Osnabrück an der Aktion – auch in diesem Jahr.

Jeder, der am Valentinstag zufällig um 17 Uhr am Nikolaiort vorbeikam, konnte ein ungewöhnliches Szenario beobachten: Etwa 50 Frauen tanzten mitten auf der Freifläche zu der internationalen Hymne „Break the Chain“ (sprengt die Ketten). Während aus den Lautsprecherboxen ein rhythmischer, mitreißender Beat mit dem Refrain „Walk. Dance. Rise.“ (Geh. Tanz. Steh auf.) schallte, folgten die Tänzerinnen der nicht immer einfachen Schrittchoreographie von Fitnesstrainerin Oxana Lewen. Christine Wieczorek war eine, die die Luftkicks und Bewegungskombinationen perfekt beherrschte. „Wir übten das im Zumbakurs. Das Thema ,Gewalt gegen Frauen' ist mir wichtig, dafür möchte ich mich einsetzen, und deshalb bin ich heute hier“, erklärte die 17-Jährige und mischte sich wieder unter die Tanzenden.


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Das Motto lautete in diesem Jahr „Bewegen, erheben, leben“. Katja Weber-Khan, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Osnabrück, betonte, dass immer wieder für das Thema sensibilisiert werden müsse. „Auch in Deutschland gibt es das Problem mit der Gewalt. Mit dieser Kampagne möchten wir auch zu Zivilcourage aufrufen, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen.“ Gülüstan Genc vom Mädchenzentrum schloss sich an und sprach auf Türkisch in das Mikrofon, dass ein gewaltfreies Leben für alle Mädchen und Frauen ein Menschenrecht sei.

Mit der Aktion „One Billion Rising“ werden jedes Jahr am 14. Februar weltweit Menschen dazu aufgerufen, globale Solidarität zu zeigen und gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen zu demonstrieren sowie für die Rechte und Gleichstellung von Frauen einzutreten. Es geht also nicht nur um Gewalttaten, sondern auch um Diskriminierung und Sexismus.

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Die Kampagne wurde 2012 von der Dramatikerin Eve Ensler in New York initiiert und im Rahmen der V-Day- Bewegung gestartet. Das "V" steht für Valentinstag und Vagina – und für "Victory over violence", also Sieg über Gewalt. „One Billion“ wiederum steht für eine statistische Aussage der UN: danach wird weltweit eine von drei Frauen im Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung.

„In Deutschland ist jede vierte Frau betroffen. Das trifft in etwa auch auf Osnabrück zu. Mehr als 1200 Frauen waren im Jahr 2018 registriert, die Dunkelziffer ist bestimmt acht- bis zehnmal so hoch“, erläuterte Weber-Khan. Unterstützt wurde die Aktion vom Mädchenzentrum "Café Dauerwelle", dem Arbeitskreis der Stadt, der Gleichstellungsberatung des Landkreises, der Frauenberatungsstelle, dem Präventionsteam der Polizei Osnabrück sowie vom Jugend- und Kulturverein Fokus. Letzterer war für die Musiktechnik und den Standaufbau verantwortlich.

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Wolfgang Griesert übernahm erneut das Patronat: „Ich habe die Schirmherrschaft übernommen, weil diese Aktion an etwas Selbstverständliches erinnert, das aber leider nicht selbstverständlich ist: Keine Gewalt gegen Frauen!“

So sahen das auch die Osnabrücker Tänzerinnen: Bei der Wiederholung des Songs füllte sich der Platz weiter und noch mehr Menschen tanzten mit für ein gewaltfreies Leben – in Osnabrück und anderswo auf der Welt.


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