Der verkannte Siegfried Lenz Harro Zimmermann stellt Siegfried Lenz in neuem Licht dar

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Kulturredakteur Harro Zimmermann erklärth im Remarque-Friedenszentrum, wie eklatant das Versagen der bundesdeutschen Kritik gegen Lenz war. Foto: Thomas OsterfeldKulturredakteur Harro Zimmermann erklärth im Remarque-Friedenszentrum, wie eklatant das Versagen der bundesdeutschen Kritik gegen Lenz war. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück . Unter dem Motto "Erzählen als demokratisches Angebot - Siegfried Lenz in neuem Licht" präsentierte Harro Zimmermann am Mittwoch im Remarque-Friedenszentrum einen Teilband der neuen "Hamburger Ausgabe der Werke" von Siegfried Lenz.

Was verbindet Siegfried Lenz und Erich Maria Remarque? Beide waren zu ihrer Zeit junge Kriegsteilnehmer, fühlten sich der Humanität verpflichtet und wollten ursprünglich Lehrer werden. Und obwohl sich in seinen Romanen thematische Parallelen zum Werk von Günter Grass finden, ist Siegfried Lenz (1926-2014) heute in der Öffentlichkeit weit weniger präsent. Ändern könnte sich das durch die seit 2017 enstehende und auf 25 Bände angelegte neue "Hamburger Ausgabe der Werke" von Siegfried Lenz, die zudem eine umfassende Kommentierung beinhaltet. Zu den Mitherausgebern gehört Harro Zimmermann, der Kulturredakteur bei Radio Bremen und Professor für Neue Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bremen war. 

Unter dem Leitmotiv "Erzählen als demokratisches Angebot - Siegfried Lenz in neuem Licht" präsentierte Zimmermann am Mittwoch im Remarque-Friedenszentrum auf Einladung der Erich-Maria-Remnarque-Gesellschaft den von ihm mit herausgegeben 8. Band der "Hamburger Ausgabe", der den 1973 erschienenen  Lenz-Roman "Das Vorbild" behandelt. Im Gespräch mit Bernd Stegemann vom Vorstand der Erich-Mara-Remarque-Gesellschaft betonte Zimmermann wiederholt, wie eklatant das Versagen der bundesdeutschen Kritik gegen Lenz gewesen sei, die sein Schreiben oftmals als "konventionell" oder "nicht experimentierfreudig" beurteilt hatte. 

Humorvoll, geradezu ironisch

Dass Lenz stattdessen ein humorvoller, geradezu ironischer Autor sein konnte, bewiesen Zimmermann und Stegemann durch den Vortrag zweier Auszüge aus "Das Vorbild". In dem seinerzeit gut verkauften Roman setzt sich Lenz mit dem Phänomen der 1968er-Bewegung auseinander. Durch die Positionen des Schulrektors Valentin Pundt, des Studienrates Janpeter Heller, der Schulbuch-Lektorin Rita Süßfeldt und dem Schicksal der sich aufopfernden Biologin Lucy Beerbaum, geht Lenz der Frage nach, wie ein zeitgemäßes Vorbild für die Jugend aussehen könnte. Allein die pointierte Passage über Hellers Teilnahme an einer Hamburger Schülerdemonstration und sein Disput mit einem alten Polizisten, machte durchaus Lust, sich mehr mit Siegfried Lenz und seinem Werk auseinander zu setzen.

   

Siegfried Lenz: "Das Vorbild". Herausgegeben von Harro Zimmermann. Hamburger Ausgabe der Werke. Band 8. In Zusammenarbeit mit der Siegfried Lenz Stiftung Hamburg und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach. Herausgegeben von Günter Berg und Heinrich Detering. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. 606 Seiten. ISBN 978-3-455-40598-9. 44 Euro.


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