Tröstendes Verlust-Verzeichnis Autorin Judith Schalansky liest in Osnabrück

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Judith Schalansky liest aus  "Verzeichnis einiger Verluste". Foto: Thomas OsterfeldJudith Schalansky liest aus "Verzeichnis einiger Verluste". Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück . Ihr jüngstes Buch „Verzeichnis einiger Verluste“ hat Judith Schalansky in der Osnabrücker Littera-Reihe vorgestellt.

Am Ende stempelt Judith Schalansky kleine Figuren in die Bücher, die ihr zum Signieren hingelegt werden. Auch das ist bei ihr anders als bei anderen Autoren. Kurz zuvor hatte Lennart Neuffer sie eine Künstlerin genannt. Eben nicht „nur“ Schriftstellerin. Schon allein, weil sie ihre Bücher – und die anderer Menschen – als Kommunikationsdesignerin selbst gestalte. Vermutlich hat sie für solche Gelegenheiten auch die Bleifiguren gekauft, die sie jetzt in die Bücher stempelt und ihre Unterschrift daruntersetzt. Unter Seepferdchen, Giraffe, Eule oder Skelett. „Interessant, in Osnabrück wollen sehr viele das Skelett. Gefällt mir“, murmelt sie und setzt den Füllfederhalter auf das Papier.

Mehr als nur Vorlesen

Künstlerin ist Schalansky aber auch, weil sie es versteht, den Abend – der sich eigentlich Lesung nennt – viel bunter zu gestalten, als einfach nur diverse Seiten ihrer zwölf Geschichten vorzulesen. Die geraten fast zur Nebensache, weil sie die Gäste an ihren Gedanken, die sie sich vor, während und nach dem Schreiben gemacht hat, teilhaben lässt. Und auch an dem, was ihr während der Lesung durch den Kopf geht. „Wir sind Partnerstädte, richtig?“, fragt die gebürtige Greifswalderin, abrupt den Kopf hebend, als sie gerade aus dem Kapitel „Hafen von Greifswald“ vorliest. Nach dem „Ja“ des Publikums sagt sie: „Ach, deshalb sind so viele von Ihnen hier.“

Dieser feine Humor durchzieht den Abend in der Littera-Reihe der Buchhandlung zur Heide. Dabei klingt der Titel des Werks alles andere als heiter: „Verzeichnis einiger Verluste“ verspricht nun wirklich keinen Trost. Aber genau den halten manche Kapitel bereit.

Appetithappen für ein Buch

Ein Roman sei viel einfacher zu schreiben, als ein Buch mit verschiedenen Prosa-Texten, sagt Judith Schalansky zu Beginn und zählt diverse Gattungen auf wie Essay, Short-Story, Autobiografie und Nature Writing, die das Buch für seine Leserschaft bereit hält. Später wird sie erzählen, dass sie sich im Buch diversen Herausforderungen gestellt habe, um zu sehen, ob sie diese meistern kann. Zum Beispiel das Nature Writing. Und wieder erläutert sie unterhaltsam, wie sie zu dieser Geschichte kam.

Schalansky liest nur Abschnitte aus drei Geschichten plus einen kurzen Absatz aus dem Vorwort. Sie wirken wie Appetithappen für ein Buch, das die Autorin verfasst hat, weil sie dachte: „Wenn ich mich intensiv mit Verlusten beschäftige, dann bin ich gewappnet.“ Das hat leider nicht geklappt. Als kürzlich Pappeln bei ihrer Wohnung gefällt wurden, habe sie geweint. Was ihr aber gelungen ist, ist ein wunderbares Buch.

Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste. Zwölf Prosa-Texte. Suhrkamp-Verlag 2018, 252 Seiten, 24 Euro.


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