Neuer Pauker Haris Dzanic Teamplayer im Dienst des Osnabrücker Symphonieorchesters

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Hintergrund, aber doch mit führender Rolle: Haris Dzanic, der neue Pauker des Osnabrücker Symphonieorchesters. Foto: Jörn MartensIm Hintergrund, aber doch mit führender Rolle: Haris Dzanic, der neue Pauker des Osnabrücker Symphonieorchesters. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das vierte Sinfoniekonzert an diesem Samstag und am darauf folgenden Montag wartet mit Besonderheiten auf: Zum einen setzt es die Kooperation des Osnabrücker Symphonieorchesters mit den Domchören fort. Außerdem kommt dem neuen Pauker Haris Dzanic eine besondere Rolle zu.

Der große Einsatz von Haris Dzanic kommt im sechsten Teil von Joseph Haydns "Missa in tempore belli", zu deutsch "Messe in Kriegszeiten". Leise, eindringlich singt der Chor "Agnus Dei, qui tollis peccata mundi" - Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt. Dann setzt die Pauke ein, ebenfalls im piano. "Das ist der Rhythmus der französischen Kriegspauken", sagt Dzanic, "nur langsamer": "rum, tutututu tum - tutututu tum spielt er auf seinen Pauken. Leise. Drohend.

Haydns Zeitgenossen verstanden vermutlich, worauf das Pauken-Solo anspielt, das der Messe den Beinamen "Paukenmesse" verschafft hat: Napoleons Truppen hatten das Österreichische Heer in die Knie gezwungen standen, mehr oder weniger, vor Wien. Die Wiener und speziell Haydn waren sehr beunruhigt, und es ist gut möglich, dass diese Stimmung in die Messe eingeflossen ist. Die Pauke trägt dabei, gemeinsam mit den zwei Naturtrompeten, entscheidend zur Wirkungskraft dieser Musik bei. Ein schöner Einstand für Haris Dzanic als neuer Pauker des Osnabrücker Symphonieorchesters.

Nun gilt die Pauke nicht gerade als erste Wahl fürs musikalische Rampenlicht. Oder doch? Gerade Haydn hat die Pauke immer wieder in den Vordergrund gerückt. "Die Sinfonie mit dem Paukenschlag", sagt Dzanic, "oder die Sinfonie mit dem Paukenwirbel", Werke, aus denen Haydns Humor und sein Erfindungsreichtum sprechen. Gleichzeitig erinnern die Sinfonien an Zeiten, als die Pauke nicht irgendein Instrument war wie etwa die Geige oder die Oboe. Während die nämlich ganz normale Musiker spielten, waren die Pauker zusammen mit den Trompetern in einer Zunft organisiert und direkt bei Hof angestellt. Wollte Johann Sebastian Bach Pauken und Trompeten verwenden, musste er bei Hof nachfragen. Dieser hohe Stand schlug sich in saftigen Gagen nieder - "es war die glorreiche Zeit der Pauken und Trompeten", sagt Dzanic.

Hochgradig engagiert erzählt von seiner Arbeit. Er demonstriert, wie dunkel die an historischen Vorbildern orientierte Kurbelpauke mit ihrem Ziegenfell im Gegensatz zum modernen Instrument mit Kalbfell klingt.Er erzählt, was es mit den 80 Paaren Schlägel auf sich hat und warum er die einen bei Sinfonien von Beethoven spielt und die anderen Gustav Mahler. Außerdem erklärt er, warum nur mit seinen eigenen Schlägeln spielen kann, so wie ein Meisterkoch seine eigenen Messer verwendet. Dzanic bevorzugt Schlägel mit dünnem, festem Stiel - "ein Millimeter mehr, und ich könnte nicht mehr damit spielen", sagt er. 

Am bemerkenswertesten aber klingt Dzanics Berufsethos: Er versteht sich als Orchestermusiker durch und durch. Solokonzerte für Pauke und Orchester? Gibt es tatsächlich ein paar, sagt er; sie stammen aus dem 18. Jahrhundert. Aber in Wirklichkeit würde ein Konzert für Pauke gar nicht funktionieren: Die Pauke ist das Scharnier zwischen Blech und Streichern, sie "muss führen und das Tempo vorgeben", sagt Dzanics. Das verträgt sich nicht mit dem Solistenstatus - als Pauker muss er vor allem eins sein: Teamplayer.


4. Sinfoniekonzert:

"Friedensmusik". Johann Michael Bach: Friedens-Cantata. Joseph Haydn: "Missa in Tempore Belli".  Erika Simons (Sopran), Katarina Morfa (Alt), Daniel Wagner (Tenor), Andreas Wolf (Bass), Domkammerchor Osnabrück, Osnabrücker Symphonieorchester. Dirigent Clemens Breitschaft. Tickets: www.theater-osnabrueck.de

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN