Keine Einigung mit Vermieter Buchhandlung zur Heide in Osnabrück muss im Jubiläumsjahr umziehen

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Osnabrück Wenn eine Buchhandlung in diesen Zeiten den Standort aufgibt, schwächelt in der Regel der Umsatz wegen der Online-Konkurrenz. Doch „zur Heide“-Inhaber Lennart Neuffer hätte sogar 56 Prozent mehr Miete gezahlt, um an gewohnter Stelle zu bleiben. Warum es trotzdem keine Einigung mit dem Vermieter gegeben hat.

Den Einstieg ins große Jubiläum 100 Jahre Buchhandlung zur Heide, das im Herbst ansteht, hat sich Buchhändler Lennart Neuffer völlig anders vorgestellt. Statt der Planung besonderer Aktionen muss der 64-Jährige, der Ende der 90er als Teilhaber bei zur Heide eingestiegen ist und seit zehn Jahren jetzt alleine die Geschäfte führt, einen Standortwechsel vorbereiten.

Weit mehr als das Doppelte an Miete

„Das ist schon eine Herausforderung gewesen, sich während des Weihnachtsgeschäfts mit den für uns wichtigsten Umsatzwochen des Jahres, parallel mit der Planung eines neuen Ladens zu beschäftigen“, gibt er Einblick in den Stress der zurückliegenden Monate. Leider sei aber eine Einigung mit dem Hauseigentümer über die Konditionen einer Vertragsverlängerung nicht möglich gewesen – trotz der vom ihm angebotenen Zahlung eines um mehr als 50 Prozent höheren Mietpreises.

„Ich weiß, dass die letzte Erhöhung mehr als vier Jahre zurückliegt und habe auch mit einer Steigerung gerechnet, aber nicht mit gleich weit mehr als dem Doppelten“, macht er deutlich, dass solche Miethöhen „mit denn Kulturgut Buch nicht zu erwirtschaften“ seien. Neuffer: „Bei solchen Sprüngen kommt ein kleinerer lokaler Einzelhändler einfach an Grenzen.“

Der Vermieter sieht die Auszugsgründe nicht nur im Mietpreis: „Die vorgesehene Steigerung ist aus unserer Sicht sicher marktgerecht und entspricht dem aktuellen Niveau.“ Es habe aber auch schon länger Probleme mit der Nutzung der oberen Etage gegeben, die zuletzt von der Buchhandlung untervermietet worden sei.

Am neuen Standort verfügt die Buchhandlung jetzt auch über eine deutlich größere Erdgeschossfläche und bessere Präsentationsmöglichkeiten. Die nutzen Neuffer und das vierköpfige Team jetzt auch im März, um in den neuen Räumen noch vor dem zum 8. April stattfindenden Umzug zwei Lesungen durchzuführen. Dadurch sollen die Kunden beim Wechsel von der seit 37 Jahren vertrauten Adresse an der Osterberger Reihe/Ecke Kamp zum künftigen Standort Dielingerstraße 42B (Ex-Asiatika), der Luftlinie nur rund 500 Meter ausmacht, so optimal wie möglich mitgenommen werden.

Fünfter Standort in der Firmengeschichte

Um sein Stammpublikum macht sich der seit 2015 jedes Jahr von der Branche mit dem „Deutschen Buchhandlungspreis“ ausgezeichnete Buchhändler keine Sorgen: „Wir sind in Osnabrück auch durch unsere Littera-Veranstaltungsreihe ein Markenzeichen und haben schon bekannte Autoren wie die Nobelpreisträger Günter Grass und Herta Müller, Verlegerlegende Michael Krüger oder zuletzt Bodo Kirchhoff, Robert Menasse oder Bestsellerautorin Jenny Erpenbeck nach Osnabrück geholt.“ Aber auch die Laufkundschaft muss den neuen Standort entdecken und zum Buchkauf ab Anfang April eine neue Richtung einschlagen.

Optimistisch stimmt ihn hier eine Situation zu Jahresbeginn. Da schneite kurz vor Öffnungsschluss eine junge Frau mit Hund in den Laden, um sich noch schnell nach einer passenden Lektüre umzusehen: „Ich warte gerade auf den Bus und dachte, ich nutze kurz die Zeit“, erklärte sie dabei dem Inhaber. Als der ihr eröffnete, dass ein Umzug zur Dielingerstraße ansteht, war ihr Kommentar: „Cool, da ist ja auch eine Bushaltestelle und außerdem mehr Platz für die Bücher.“

Für „zur Heide“ ist die Dielingerstraße dann der fünfte Standort in der Firmengeschichte und hat etwas von „zurück zu den Wurzeln“. Denn nachdem der Start 1919 als Buchhandlung Hanckel an der Krahnstraße 17/18 erfolgte, wo sich heute ein Optiker und ein Reisebüro befinden, musste nach dem Zweiten Weltkrieg an die Dielingerstraße 24 (heute Kartenwerk/Zukunftsmusik) umgezogen werden, da die ursprünglichen Firmenräume mehrfach bei Luftangriffen massiv beschädigt worden waren.

Seit Anfang der 50er ist dann Neuer Graben 24 die Adresse der Buchhandlung gewesen, die nach der Übernahme durch Sieglinde und Dieter zur Heide auch den heutigen Namen bekommen hat. In der Siebziger Jahren ist der in unmittelbarer Uni-Nähe gelegene kleine Laden dann vor allem Anlaufpunkt für Studenten und ein jüngeres Lesepublikum geworden, das auch nach dem Wechsel Anfang der 80er an die Osterberger Reihe weiter den Weg gefunden hat. Auf den erarbeiteten „guten Ruf“ setzt Lennart Neuffer auch jetzt.

Kette „dean & david“ zieht ein

Wie es an bisheriger Stelle weitergeht, ist ebenfalls geklärt. Zwar gibt es vom Vermieter nur die Auskunft, dass es Gespräche gebe, aber noch nichts unterschrieben sei. Doch an einem Briefkasten klebt bereits ein Schild: „dean&david GmbH Kamp“ und auch auf der Standort-Übersicht wird Osnabrück schon als anstehende Neueröffnung gelistet.

Das Franchise-Unternehmen mit dem „Fresh to eat“-Slogan, dessen Erfolgsgeschichte 2007 in München begann, bezeichnet sich als „Hotspot für gesunde Trend-Setter“ und setzt auf „kompromisslose Frische“. Im Spätsommer dürfte in Osnabrück eine der nächsten Filialen der international operierenden Schnellrestaurant-Kette, die in der weiteren Region bereits in Bielefeld, Münster oder Paderborn vertreten ist, an den Start gehen.

Die Osterberger Reihe wird dann fast komplett zur Gastro-Meile und bekommt wohl noch mehr Außen-Tische am Hansekogge-Spielplatz. Das „geistige Futter“ gibt es dann allerdings an anderer Stelle.


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