Fürstenau als Modellkommune Landkreis Osnabrück reformiert Arbeit gegen Kinderarmut

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Osnabrück. Über Strategien für bessere Familienpolitik und gegen Kinderarmut informierte der Landkreis Osnabrück die Mitglieder des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familien

Hinter dem sperrigen Titel „Präventionsketten in Niedersachsen“ steckt ein Programm gegen Kinderarmut. Um was geht es? Landesweit waren vor zwei Jahren jeder Siebte der unter 18-Jährigen über ihre Familien im Transfersystem Hartz-IV erfasst. „Knapp 60 Prozent von ihnen sind das länger als drei Jahre“, schilderte Janna Fabian. Sie ist in der Kreisverwaltung die Koordinatorin des Landesprogramms.

Doppelt aufgelegt Hilfeprogramme 

Betroffen seien Alleinerziehende sowie Familien mit mehr als zwei Kindern oder mit Migrationshintergrund. Das Einkommen bestimme massiv mit, wie sich Kinderarmut auf Gesundheit und Bildung auswirke, sagte Fabian.

Neu sei das Problem nicht und es werde auch schon manches in den Kommunen getan, so die Koordinatorin weiter. „Die Problematik ist, dass es häufig zu wenig Transparenz gibt. Ähnliche oder doppelt aufgelegte Programme führen zur Nichtinanspruchnahme“.

Daher sollen sogenannte Präventionsketten entstehen, die eine verbesserte Infrastruktur der Maßnahmen garantieren. Kurz gesagt: Geschaut werden soll auf das, was das Kind und die Familie brauchen und nicht, was von der Fachkräftebasis aus möglich ist, sagte Janna Fabian.

Modellkommune Fürstenau

Was macht nun der Landkreis? Um im Vorfeld etwas gegen Kinderarmut zu tun, sind nun bei allen Maßnahmen die zuständigen Fachdienste in einem Boot. Dazu gehört die „Qualifizierung und Sensibilisierung“ der Fachkräfte für das Armutsthema sowie eine bessere Abstimmung mit externen Trägern. „Das Nebeneinanderarbeiten kam bislang zu häufig vor“, gab Fabian bekannt.

Umgesetzt werden erste Erkenntnisse seit Anfang des Monats in der Samtgemeinde Fürstenau, die als Modellkommune erste Erfahrungen sammeln soll.

Um bessere Familienpolitik zu machen, unterwirft sich der Landkreis auch einem Überprüfungsverfahren (Audit). Initiiert wurde das von der Bertelsmann-Stiftung und der Bochumer Ruhr-Universität. Warum macht der Landkreis mit? Aus zwei Gründen: Erkannt habe man zum einen, dass Familien wegen des demografischen Wandels ein „immer wichtigerer Standortfaktor“ seien und daher, zweitens, familiengerechtes Handeln alle Politikfelder der Verwaltung berühre, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss.

Bessere Familienpolitik

Den Überblick vom Schölerberg soll Katja Hinners behalten, die ihre Arbeit beim Fachreferat für strategische Planung macht. Gleichwohl ist man auf die Zusammenarbeit mit den Kreiskommunen und anderen Akteuren, etwa aus der Wirtschaft angewiesen, sagte sie. Hier räumte Hinners ein, dass es derzeit noch schwierig ist, mehr über familienfreundliche Initiativen in Betrieben in Erfahrung zu bringen.

Auf einen Fachtag des Netzwerkforums Frühe Hilfen machte Kreisrat Matthias Selle aufmerksam. Am 27. März geht es von 14-18 Uhr in der Katholischen Landvolkhochschule in Oesede um das Thema „#app-gelenkt - Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen? Auswirkungen der Handynutzung auf die Eltern-Kind-Beziehung“.


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