Rote Hände setzen ein Zeichen "Red Hand Day" in Osnabrück macht auf Schicksal von Kindersoldaten aufmerksam

Aktion der Unicef-Hochschulgruppe in der Osnabrücker Innenstadt zum Red Hand Day: Sinem Özben und Kristin Gnädig (von links). Foto: Jörn MartensAktion der Unicef-Hochschulgruppe in der Osnabrücker Innenstadt zum Red Hand Day: Sinem Özben und Kristin Gnädig (von links). Foto: Jörn Martens 

Osnabrück. Seit 2002 ist am 12. Februar der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Mit der Aktion „Red Hand Day“ soll mit roten Handabdrücken der Forderung Nachdruck verliehen werden, sich stärker gegen diese besonders schwere Form einer Kinderrechtsverletzung einzusetzen. Auch in Osnabrück wurde an das Schicksal von Kindersoldaten erinnert und ein Zeichen gesetzt.

„Haben Sie Zeit für einen roten Handabdruck?“ Mit dieser Frage werden die zahlreichen Passanten angesprochen, die um die Mittagszeit den Osnabrücker Nikolaiort passieren. Die meisten sagen „Nein, Danke“ und eilen weiter. Doch der eine oder andere bleibt stehen, lässt sich die Aktion von Mitgliedern der Unicef-Hochschulgruppe erklären und geht mit zu dem seitlich aufgebauten Stand.

„Mit dieser Aktion möchten wir am ,Red Hand Day' an das Verbot erinnern, Kinder als Soldaten zu missbrauchen.“ Ziel sei es außerdem, Waffenexporte in Krisengebiete zu stoppen, erklären Sümeyra Sönmez und Sandra Röseler, Leiterinnen der 2014 gegründeten und aktuell sechs Mitglieder umfassenden Gruppe. „Viele Kindersoldaten kämpfen mit leichten Waffen, die aus Deutschland stammen. Wir möchten dazu beitragen, dass das aufhört.“



Leicht zu beeinflussen und billig

Warum werden Kindern überhaupt zu Soldaten gemacht? Sie sind leichter zu beeinflussen, hilfloser und billiger. Auf bis zu 250.000 schätzt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ihre Zahl. Und dass, obwohl sich im Zusatzprotokoll der UN- Kinderrechtskonvention von 2002 insgesamt 166 Staaten verpflichtet haben, auf den Einsatz von Kindersoldaten zu verzichten. Nach Angaben von Unicef sieht die Realität jedoch nach wie vor anders aus. In den Konflikten im Südsudan, in Zentralafrika, im Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen würden besonders viele Kinder als Sklaven der Gewalt missbraucht. Sie werden von „Warlords“ und Militärs gezwungen, als „lebende Schutzschilder“ zu funktionieren. Auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Kindersoldaten demnach als Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt oder müssen sich als Späher oder Boten nützlich machen.

Abd Alrahman Aloped ist 27 Jahre alt. Er kam vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland. Er sagt: “Ich weiß ganz genau, dass Kinder missbraucht werden. Ich finde das so schade und möchte das nicht.“ Deshalb sei er heute hier aktiv. Er greift zu dem roten Filzstift und ist einer der ersten, der die Kontur seiner linken Hand mit einem Stift umzeichnet. Nadine Kröger macht es ihm kurz darauf nach. Sie nimmt sich jedoch den Farbtopf mit der leuchtend roten Farbe und pinselt sich die Handinnenfläche dick damit ein. „Fühlt sich super an“, sagt sie und schon drückt sie ihre Hand auf einen Papierbogen und setzt ihren Namen darunter. „Ich mache mit, weil ich hier angesprochen wurde und gerne helfe.“

Die Studenten wollten mindestens 200 rote Hände sammeln und diese dann am 25. Februar an die örtliche Abgeordnete Filiz Polat übergeben. Sie ist migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen. Doch das Ziel erweist sich als etwas zu ambitioniert. „Wir dachten, 200 Menschen in Osnabrück zu erreichen sei realistisch, aber es wird schwierig“, zeigt sich Röseler nach einer Stunde skeptisch. Trotz des gut frequentierten Standortes laufen viele Bürger an dem Stand mit der großen Landkarte, auf dem Krisengebiete mit roten Händen markiert sind, einfach vorbei. Bis um 18 Uhr schafft es das Team aber immerhin, 181 Abdrücke zu sammeln.

Coffee Perfect engagiert sich

Der „Red Hand Day“ gilt seit dem 12. Februar 2002 als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Zahlreiche Organisationen rufen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bislang haben mehrere hunderttausend Menschen in über 50 Ländern gegen den Missbrauch von Kindern in Konflikten und Kriegen protestiert.

Zum zweiten Mal hat sich in diesem Jahr auch das Unternehmen „Coffee Perfect“ engagiert. Fast alle Mitarbeiter tragen an diesem Tag plakativ einen roten Handschuh, knapp 250 davon sind an Vertriebs- und Außendienstmitarbeiter verteilt worden, die in Deutschland, Österreich und Dänemark unterwegs sind. Für jeden am 12. Februar abgeschlossenen Vertrag spendet der Konzern 60 Euro. Weiterhin gibt es eine Foto-Aktion auf Facebook sowie eine Sammelaktion im Bistro. Marketingleiter Freddy Grahl berichtet, dass bereits mehr als 900 rote Handaufkleber auf jeweils drei Tapetenrollen geklebt worden sind. Alleine dafür würde das Unternehmen 3600 Euro spenden. Der Betrag geht wie bereits  im vergangenen Jahr an das in Osnabrück ansässige Kinderhilfswerk terre des hommes.

Coffee Perfect hilft zum Red Hand Day terre des hommes (von links): Angela Böddeker (terre des hommes), Freddy Grahl, Marc Beimforde und Katharina Litfin-Plieninger (alle Coffee Perfect). Foto: Jörn Martens


„Als Unternehmen möchten wir ein Stück unseres Erfolges zurückgeben“, erklärt Marc Beimforde, geschäftsführender Gesellschafter bei „Coffee Perfect“. Kinder seien die Zukunft und ein wichtiges Thema, daher habe man sich bewusst für dieses Projekt entschieden. Beimforde sieht auch andere Unternehmen in der Verantwortung und möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Der Betrag werde auf mindestens 5000 Euro aufgerundet, so der Geschäftsführer weiter. Angela Böddeker, bei terre des hommes Referentin für Fundraising, berichtet, wo das Geld hinfließen wird: „Für 60 Euro kann ein Kind in einem Kriegsgebiet ein Jahr zur Schule gehen. In Kolumbien und im Irak unterstützen Netzwerke ehemalige Kindersoldaten psychologisch und in der Gestaltung eines neuen Lebens.“

Böddeker kritisiert neben den USA und Großbritannien aber auch Deutschland, weil diese Länder teilweise bereits 17-Jährige für ihre Armeen rekrutierten und damit den internationalen „Straight-18-Standard“ schwächen würden. Dieser sieht vor, dass Menschen, die zu Soldaten ausgebildet werden, mindestens 18 Jahre alt sein müssen.

Für Beimforde ist diese Position von terre des hommes zur Bundeswehr nicht relevant, um den „Red Hand Day“ zu unterstützen. Vielmehr möchte das Unternehmen ihm zufolge zielgerichtet Kindern in Kriegsgebieten wie Myanmar, Kolumbien und mindestens 18 weiteren Ländern helfen.


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