Osnabrücker Bäder auf gutem Kurs Außenbecken im Nettebad soll überdacht werden

Die neue Halle (hier eine erste Skizze) soll sich in den Bestand einfügen und vor allem an der Längsseite komplett zu öffnen sein. Grafik: Stadtwerke OsnabrückDie neue Halle (hier eine erste Skizze) soll sich in den Bestand einfügen und vor allem an der Längsseite komplett zu öffnen sein. Grafik: Stadtwerke Osnabrück

Osnabrück. Das Osnabrücker Nettebad hat seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Vor allem in den nicht so sonnigen Monaten wird es im Innenbereich eng. Die Lösung der Platzprobleme liegt auf der Hand und soll, vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrates, noch in diesem Herbst in Angriff genommen werden.

Mit 758.000 Besuchern zählte das Nettebad im vergangenen Jahr knapp 300.000 Gäste mehr, als ursprünglich im Zuge des Bäderkonzeptes von 1995 geplant. Das ist zum einen eine erfreuliche Entwicklung, zum anderen aber wird es eng und enger um und in den Wasserflächen. Die Verantwortlichen bei den Stadtwerken rund um Bäderchef Wolfgang Hermle haben nun eine Lösung für das Problem ersonnen, die am Donnerstag erstmalig im Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden soll. Angedacht ist die Überdachung des Sportbeckens im Außenbereich. Der Ausschuss soll die planungsrechtlichen Grundlagen für das Vorhaben schaffen. Die endgültige Entscheidung trifft dann der Aufsichtsrat der Stadtwerke in seiner Sitzung am 22. und 23. Februar. 

Bäderchef Wolfgang Hermle weist darauf hin, dass diese Lösung wesentlich günstiger ist, als der komplette Neubau einer Schwimmhalle.

„Die Wasserfläche ist im Schwimmbadbau immer der teuerste Teil der Arbeiten. So können wir eine ganzjährige Nutzung der vorhandenen Wasserfläche ermöglichen. Das wird vor allem den Vereinen und Kursangeboten zugute kommen.“

Zu den genauen Kosten wollte sich Hermle im derzeit noch laufenden Planungsverfahren und vor der Aufsichtsratssitzung nicht äußern. Die Überlegungen sehen vor, die neue Längsfront der Halle über dem bestehenden Sportbecken im Sommer großflächig öffnen zu können, um hier den Freibadcharakter so weit wie möglich zu erhalten. Die Bedachung wird sich nicht nur über das große Becken, sondern auch über das Kinderbecken erstrecken.  


Baubeginn soll laut Hermle möglichst noch im September diesen Jahres sein. Mit der Fertigstellung rechnet er dann für Mai oder Juni 2020. Immer vorausgesetzt, dass das Wetter während der Bauphase mitspielt.

Auf das Wetter hofft die Bäderabteilung der Stadtwerke mit Blick auf die Zahlen auch in diesem Jahr, hat der vergangene Sommer doch gut vorgelegt. Mit insgesamt 1,31 Millionen Gästen zählten die Stadtwerke im Jahr 2018 im Nettebad, Moskaubad und Schinkelbad so viele Besucher wie zuletzt vor gut 40 Jahren, mithin lange vor Erfindung und Umsetzung des „Bäderkonzeptes 2000 plus“ durch den Rat im Jahr 1995. Seinerzeit waren die Besucherzahlen nicht zuletzt aufgrund des veränderten Freizeitverhaltens gewaltig in die Knie gegangen, der Betrieb der seinerzeit noch sieben Bäder wurde zunehmend unrentabel und zur finanziellen Belastung für den städtischen Haushalt. 

Dass im Nettebad im abgelaufenen Jahr mit 758.000 Gästen eine neue Rekordmarke gesetzt wurde, führen Bäderchef Wolgang Hermle und Nettebadleiter Tilo Schölzel auf die „sich optimal ergänzenden Sport- und Freizeitangebote am Standort“ zurück. Die Elektrokartbahn Nettedrom hat demnach das Ergebnis zusätzlich zu den Badegästen noch um etwa 45.000 Besucher in die Höhe getrieben.

Das Moskaubad hat naturgemäß vom Supersommer 2018 am deutlichsten profitiert und konnte seine Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr ausbauen (305.000 Besucher, 65.000 mehr als noch im Vorjahr). 

Das Schinkelbad musste während der heißen Tage leichte Verluste hinnehmen, die aber laut Bäderbetriebsleiterin Gerhild Neumann bei knapp 251.000 Gästen das Gesamtergebnis nicht nennenswert beeinflussen. Auch hier gelte, dass ein ständig überarbeitetes und erneuertes Angebot sich nachhaltig auf die Besucherzahlen auswirke.


Die damalige Entscheidung ein Bäderkonzept zu entwickeln und umzusetzen, nennt der heutige Stadtwerkevorstand Christoph Hüls „mutig“. 

„Die Zahlen zeigen, dass unsere strategische Ausrichtung der Bäderstandorte – um die uns heute viele andere kommunale Badbetreiber beneiden – voll und ganz aufgeht.“


Etwas Wasser in den sonnenverwöhnten Wein goss Wolfgang Hermle: „Obwohl wir in 2018 Spitzenwerte bei den Besucherzahlen verzeichnen konnten, ist dies nicht gleichbedeutend mit klingelnden Kassen.“ Mehr Besucher bedeuten demnach zugleich mehr Personal- und Energiekosten, weil zum Beispiel mehr Wasser von 14 Grad Anliefer- auf Wohlfühltemperatur aufgeheizt werden muss. „Die sehr hohen Besucherzahlen haben dazu beigetragen, dass wir unser – zwar negatives – Jahresergebnis aber zumindest konstant halten konnten“, so Hermle weiter. „Der städtische Zuschuss pro Besucher liegt bei uns in Osnabrück weiterhin weit unter dem Bundesdurchschnitt – und das soll auch so bleiben.“ Laut Hermle klebt an jeder Eintrittskarte in die Osnabrücker Bäder ein Zuschuss von etwa drei Euro. Der durchschnittliche bundesweite Zuschuss liegt bei etwa zehn Euro.


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