Umfrage zur Theatersanierung in der freien Szene Liegt die Zukunft des Osnabrücker Theaters am Ringlokschuppen?

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Der Ringlokschuppen auf dem ehemaligen Güterbahnhof: Könnte hier ein Kulturstandort mit Theater und Mehrzweckhalle entstehen?  Foto: David EbenerDer Ringlokschuppen auf dem ehemaligen Güterbahnhof: Könnte hier ein Kulturstandort mit Theater und Mehrzweckhalle entstehen? Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Theatersanierung bestimmt derzeit den kulturpolitischen Diskurs in Osnabrück. Dabei gibt es eine lebendige freie Kulturszene. Auch die spricht sich grundsätzlich für das 80-Millionen-Euro-Projekt aus. Rüdiger Scholz äußert aber eine ziemlich verwegene Idee.

Kontroversen geht Rüdiger Scholz selten aus dem Weg. Vielleicht macht das einen Teil seines Erfolges aus; wer im Rock-'n'-Roll-Geschäft bestehen will, muss Box- und Samthandschuhe gleichermaßen überzeugend tragen können. Er hat die Agentur Goldrush gegründet, den Rosenhof zum angesagten Liveclub entwickelt und das Schlossgarten Open Air erfunden, kurz: er ist zu einem wichtigen Faktor im Osnabrücker Kulturleben geworden. Wie steht so ein Kulturunternehmer zum 80-Millionen-Euro-Projekt Theatersanierung? "Grundsätzlich glaube ich, eine Stadt wie Osnabrück braucht einen vernünftigen Spielbetrieb", sagt er, und: "Ich stehe zum Theater." Dann kommt das "Aber" in dicken Großbuchstaben. "Die 80 Millionen Euro muss man im Interesse der Stadt anders einsetzen".

Theater ja - aber Rüdiger Scholz favorisiert eine radikale Lösung für die Zukunft des Theaters in der Stadt Osnabrück. Foto: Thomas Wübker


Damit steht Scholz in Opposition zu Verwaltung und Theater und zu großen Teilen der Politik. Die folgen dem Gutachten der Beratungsfirma Partnerschaft Deutschland, das die Generalsanierung des Hauses am Domhof favorisiert. Scholz hingegen schlägt  ein Veranstaltungszentrum am Güterbahnhof vor. Dort könnten, so Scholz, ein Neubau entstehen, der Theater, Gastronomie und eine Mehrzweckhalle unter einem Dach vereint. Die Mehrzweckhalle liegt ihm dabei besonders am Herzen; Handball- und Basketballspiele sollen dort ebenso stattfinden können wie Konzerte für fünf- bis sechstausend Gäste. Das jetzige Stadttheater würde er umwidmen, denn "man kann nicht 80 Millionen Euro ausgeben, weil ich keine andere Nutzung habe", sagt er; "es gibt da bestimmt viele Möglichkeiten". Auf jeden Fall "muss man für 80 Millionen mehr bekommen."

Nun hat Partnerschaft Deutschland für einen Theaterneubau Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro ermittelt - ohne Grundstück und vor allem ohne Mehrzweckhalle. Tatsächlich nehmen andere Kulturschaffende in der Stadt eine andere Position ein: "Ich stehe zu der Sanierung", sagt die Leiterin der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw), Anna Pallas, und Elisabeth Lumme, Vorsitzende von Hase29, der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst, sagt, "es freut mich, dass die Stadt so unglaublich viel Energie aufbringt, das Theater zu erhalten." Doch auch die beiden schränken ein: Pallas war selbst lange am Theater; "ich kenne diesen Betrieb". Deshalb erkennt sie die Notwendigkeit der Sanierung und kann erahnen, wie viel Geld das kostet. "Aber ich erhalte von der Stadt oder vom Land lediglich ein paar Brotkrumen", sagt sie. 

Unterstützt die Theatersanierung, möchte aber mehr Geld für die freie Szene: Anna Pallas, die Leiterin der Theaterpädagogischen Werkstatt. Foto: Gert Westdörp


Die braucht sie nicht zwingend, die tpw ist ein florierendes Kulturunternehmen mit 15 fest angestellten und 180 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ganz Deutschland. Was Pallas sich wünscht ist mehr Unterstützung, sprich: mehr Geld für die freie Kultur. "Ich möchte, dass die Politik den freien Künstlern genauso wohlgesonnen ist, wie dem Theater", sagt sie. Lumme argumentiert ähnlich: "Ich wünsche mir dieses Engagement auch für andere Bereiche", sagt sie. Konkret: "Die bildende Kunst ist seit Jahren in Osnabrück unterbelichtet." Pallas plädiert für eine stärkere Off-Theaterszene.

Elisabeth Lumme freut sich über die Stadt und deren Energie zur Sanierung des Theaters. Die Leiterin von Hase 29 fordert aber auch mehr Geld für die bildende Kunst. Foto: Hermann Pentermann


Guido Remmert, Chef der Agentur Zukunftsmusik, geht sogar noch einen Schritt weiter: Er fordert kein Geld von der Stadt, aber das Theater solle sich "weiter öffnen". Wobei er das Haus am Domhof regelmäßig bespielt: Remmert holt Matthias Brand oder den Kabarettisten Horst Evers dort hin, die Schweizer Legende Emil Steinberger oder den Jazzstar Til Brönner. Und grundsätzlich findet er das Theater "in einer Stadt von der Größe Osnabrücks wichtig: für die Kultur, für die Leute die da wohnen." Für Elisabeth Lumme bietet das Theater echten Mehrwert: "Kultur ist ein Faktor für die Kommunikation in der Stadt, aber auch fürs Marketing", sagt sie. "Und das Theater könnte der Motor dafür sein."

Guido Remmert arbeitet eng mit dem Theater Osnabrück zusammen. Unter anderem veranstaltet er dort Gastspiele mit Kabarettisten wie Horst Evers. Foto: Thomas Wübker



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