Familienbegleiterin in Osnabrück Warum Nadja Saad für viele Mütter im Schinkel unersetzlich ist

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Nadja Saad (Mitte) ist im Schinkel für viele Mütter Ansprechpartnerin und baut die Brücke zu Angeboten der Frühförderung. Foto: David EbenerNadja Saad (Mitte) ist im Schinkel für viele Mütter Ansprechpartnerin und baut die Brücke zu Angeboten der Frühförderung. Foto: David Ebener

Osnabrück. Mehr als acht von zehn Kindern im Schinkel haben einen Migrationshintergrund. Vor allem mangelnde Sprachkenntnisse bei den Eltern machen es der Stadt schwer, an sie heranzukommen. Mütter, die selbst ausländische Wurzeln haben und im Quartier leben, haben es da leichter. Mütter wie Nadja Saad.

Es sind die Kleinigkeiten: Manche Familien wollen zum Zahnarzt gehen und scheitern bereits bei der Terminvergabe oder verlassen die Praxis wieder, weil sie vor dem Anmeldebogen zurückschrecken. Solche Beispiele nennt Nadja Saad, wenn sie erklärt, dass sie als Familienbegleiterin den Eltern vor allem die Angst vor dem deutschen System nehmen will.

Saad ist eine von fünf Familienbegleiterinnen in den Stadtteilen Schinkel und Dodesheide, und sie spricht fließend Arabisch. 83,6 Prozent der Kinder bis sechs Jahre im Schinkel haben einen Migrationshintergrund, das heißt, mindestens ein Elternteil ist im Ausland zur Welt gekommen. 

Nadja Saads Vater stammt aus dem Libanon, ihre Mutter ist Deutsche. Seit fünfeinhalb Jahren ist sie schon Familienbegleiterin und rund um die Uhr für Eltern im Stadtteil erreichbar. 

Saads wichtigstes Arbeitsmittel ist ihr Smartphone. Ständig erhält sie Kurzmitteilungen von Eltern aus dem Stadtteil. "Bei den Mamas hier in den Kitas spricht sich das schnell rum.", sagt sie. Wenn ein wichtig aussehender Brief kommt, den sie nicht verstehen, schicken sie ihr ein Foto und sie übersetzt oder erklärt. Sie begleitet andere Mütter auch zu Behörden oder zu Terminen mit Hebammen. "Es ist ganz viel Kümmern", sagt sie.

Foto: David Ebener


Entscheidend sei, dass die Familienbegleiterinnen denselben kulturellen Hintergrund haben wie die Eltern, betont Gisela Wiesner, Leiterin der Kita am Heiligenweg. Mädchen und Jungen aus 18 Nationen besuchen ihren Kindergarten. Für sie und ihre Kollegen an der Kita sind die Familienbegleiterinnen allein schon durch ihre Übersetzungstätigkeit eine große Hilfe. Sie sprechen neben Arabisch die Sprachen Türkisch und Kurdisch. Und sie sind Vorbilder. Nadja Saad will anderen Müttern vermitteln: 

"Ich habe es geschafft, also kannst du es auch schaffen."

Die meisten Eltern lernen Nadja Saad und ihre Kolleginnen im Kindergarten kennen. Schon morgens, wenn die Eltern ihre Kinder zur Kita bringen, nutzen die Familienbegleiterinnen die Chance, sie anzusprechen. Die Familien, deren Kinder nicht in den Kindergarten gehen, fielen bislang dabei durchs Raster. Jetzt aber bekommt die Stadt Geld vom Bund, um das Angebot auszuweiten. Die Familienbegleiterinnen erhalten für ihre Arbeit ein Stundenhonorar. 50 Stunden im Monat werden jetzt durch das Bundesprogramm "Frühe Chancen" zusätzlich finanziert. "Wir möchten da weg vom Ehrenamt", betont Karin Hooper, pädagogische Fachkraft. 

Nadja Saad und ihre Kolleginnen werben für die diversen Angebote in den beiden Stadtteilen, etwa für eine Mutter-Kind-Gruppe am Heiligenweg. Acht Mütter treffen sich zusammen mit ihren Babys im Alter von drei Monaten bis einem Jahr dort einmal pro Woche morgens. 

Foto: David Ebener


Sie kommen aus dem Irak, der Türkei, aus Guinea, Togo und Deutschland. Nicht alle sprechen gut Deutsch. Dort lernen  nicht nur die Mütter, sondern auch schon die Kinder die Sprache. "Die soziale Atmosphäre ist schön hier", sagt Yasine Jasman (Foto). "Die Kinder lernen sich kennen, und der Kindergartenstart fällt ihnen dann leichter." Und sie selbst könne sich mit den anderen Müttern gut austauschen.

Foto: David Ebener


Bislang ist das Angebot der Familienbegleiterinnen auf die Stadtteile Schinkel und Dodesheide begrenzt, wo sie an jeweils zwei Kitas angedockt sind. "Das ist nach wie vor ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Projektkoordinatorin Daniela Stelthove vom städtischen Fachdienst Kinder. "Wir hätten gern noch weitere Stadtteile hinzugenommen, zum Beispiel Eversburg." Aber das Bundesprogramm sei nun mal auf einzelne Leuchtturmprojekte ausgelegt.  



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