Pablo Held Trio im Lutherhaus Wie ein Konzert ohne Plan trotzdem funktioniert

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Das Pablo Held Trio frönte im Lutherhaus dem frei improvisierten Klangdisput. Foto: Thomas OsterfeldDas Pablo Held Trio frönte im Lutherhaus dem frei improvisierten Klangdisput. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Ein Konzert, bei dem die Musiker ohne vorher festgelegten Plan einen fantastischen Klangdisput entfachten, durfte das Publikum im Osnabrücker Lutherhaus erleben.

Wie verlässt eine Band die Komfortzone, in die sie sich angeblich seit 2005 hineinbugsiert hat? „Wir werfen jegliche Setlisten über Bord und präparieren auch keine Arrangements mehr“, sagt Pianist Pablo Held. Dann überlässt er dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel die Aufgabe, das Konzert im Lutherhaus zu eröffnen. Zart massiert der mit einem Besen und einer Handfläche Becken und Felle, bis Held mit minimalistisch eingestreuten Tönen ins Geschehen eingreift und sich schließlich auch Robert Landfermann mit weich singenden Bassklängen an den akustischen Aktivitäten beteiligt. So romantisch, wie sich das Trio anfangs gibt, bleibt es jedoch nicht. Schon bald wird die Atmosphäre nervös. Gegenseitig geben sich die Musiker Vorlagen für brisante Exkursionen in einen Jazz, der keine Regeln kennt.

Improvisiert und explosiv

„Gespräch unter Freunden“ nennt Pablo Held das, was auf der Bühne passiert. Gespannt fragen sich die Zuhörer, wer in diesem Gespräch den Ton angibt, wer die Themen bestimmt und neue Fragen aufwirft. Fantastisch jedenfalls, wie die instrumentale Kommunikation zwischen den Dreien auf höchstem Niveau funktioniert. Intuitiv gleiten sie von einem Motiv zum nächsten, mixen stringente Rhythmen mit freien Experimenten. Kaum hat man das Gefühl, als drifte das Trio in eine Komposition vom aktuellen Album „Investigations“, da verlassen sie auch schon wieder vorgefertigte Pfade, schaukeln sich improvisierend zu explosiven Ausbrüchen hoch, beruhigen sich, um schwebende Klanglandschaften zu entwerfen, die sich pulsierend-meditativ in die Gehörgänge schmeicheln. Schon meint man, das Trio steuere auf ein harmonisch-schönes Ende eines Sets zu, das keine Atempausen zulässt, da beginnt Landfermanns fünfsaitiger Kontrabass an zu sägen und zu seufzen, bis alle - welch Überraschung - in ein wahrlich swingenden Viervierteltakt verfallen.

„Ich dachte schon, sie wollten gehen“, meint Pablo Held nach dem Konzert, als die Zuschauer aufstehen – um seiner Band stehende Ovationen zu spendieren. Beruhigt revanchiert er sich und spielt mit seinen Kollegen noch zwei Stücke, und zwar richtige „Kompositionen“, unter anderem das Titelstück vom aktuellen Album.


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