Für sozial Schwache Stadt Osnabrück baut jetzt selbst Wohnungen

Die Stadt macht in Immobilien: Auf diesem Grundstück an der Kokschen Straße entstehen 21 Wohneinheiten für Menschen mit niedrigem Einkommen. Ganz rechts am Bildrand ist der Bahndamm der Linie Münster-Osnabrück zu sehen. Foto: Gert WestdörpDie Stadt macht in Immobilien: Auf diesem Grundstück an der Kokschen Straße entstehen 21 Wohneinheiten für Menschen mit niedrigem Einkommen. Ganz rechts am Bildrand ist der Bahndamm der Linie Münster-Osnabrück zu sehen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück nimmt den sozialen Wohnungsbau nun selbst in die Hand. Im Stadtteil Wüste entsteht ein Haus mit 21 Wohneinheiten und unschlagbar niedrigen Mieten.

Die Stadt wird damit unternehmerisch tätig. Wichtigster Unterschied zum privaten Unternehmertum: Sie will mit dem Investment keine Gewinne erzielen, eine schwarze Null reicht ihr. Selbst erfahrene Politiker und Verwaltungsleute wie der Leiter des Eigenbetriebs Immobilien, Dirk König, können sich nicht erinnern, dass die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten vergleichbare Immobilienprojekte auf den Weg gebracht hätte.

Das Grundstück im Hinterland der Kokschen Straße gehört der Stadt. Bäume und Büsche sind in den Winterwochen schon abgeräumt worden. Wann der Bau beginnt, ist noch nicht klar. Wenn es nach der Politik geht: so schnell wie möglich.

Zwei Passivhäuser

Geplant sind zwei Baukörper in Passivhausstandard mit insgesamt 21 Wohneinheiten, die durch Laubengänge erreichbar sein werden. Die Wohnungen sind zwischen 50 und 75 Quadratmeter groß. Zwei Wohnungen sind barrierefrei geplant. Die Baukosten schätzt der Eigenbetrieb Immobilien auf 2,8 Millionen Euro.

Die Wohnungen sind Menschen vorbehalten, die über einen Wohnberechtigungsschein verfügen, also bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Für Alleinstehende zum Beispiel legt das niedersächsische Wohnraumfördergesetz die Grenze bei 17 000 Euro Jahreseinkommen fest. Die Sozialbindung der Wohnungen hält 30 Jahre an.

280 Euro kalt im Monat

Nach der Kalkulation des Eigenbetrieb Immobilien können die Wohnungen an der Kokschen Straße für 5,60 Euro pro Quadratmeter (kalt) vermietet werden. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung wird also 280 Euro monatlich kosten. Zum Vergleich: Der Osnabrücker Mietpreisspiegel sieht für Neubauwohnungen dieser Größe eine Kaltmiete von 7,91 Euro pro Quadratmeter vor – das entspricht einer Monatsmiete von 395 Euro.

Möglich ist die niedrige Miete, weil die Stadt mit sehr spitzem Bleistift rechnet, den Grundstückspreis niedrig ansetzt und auf eine Verzinsung des Eigenkapitals verzichtet. Der Eigenbetrieb kann staatliche Fördermöglichkeiten wie ein zinsloses Darlehen (bis zu 85 Prozent des Gesamtbetrages) und einen Tilgungsnachlass von 15 Prozent nach zwanzig Jahren in Anspruch nehmen.

Dass die Stadt sozialen Wohnungsbau selbst in die Hand nimmt, geht auf einen Beschluss des Rates vom Mai 2018 zurück. Darin werden die städtischen Tochtergesellschaften aufgefordert, nach Möglichkeiten zu suchen, auf eigenen Grundstücken Wohnungen zu bauen. Weiter heißt es in dem Beschluss: „Der Eigenbetrieb Immobilien erwirbt und mietet Gebäude und initiiert Neubauten, um Wohnraum für sozial Schwache zur Verfügung zu stellen.“ Das Projekt an der Kokschen Straße ist das erste sichtbare Ergebnis dieses Beschlusses.

Der Neubau wurde in den Sitzungen der Fachausschüsse von allen Fraktionen gutgeheißen. Finanzchef Thomas Fillep sagte im Finanzausschuss, Ziel sei, das Projekt mit einer schwarzen Null abzuschließen. Das „Kostenwagnis“ liege bei der Stadt. Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke (UWG) sagte, es sei wichtig, „eine Hausgemeinschaft als Mieter zu finden, welche nicht nach wenigen Jahren bereits eine Sanierung erforderlich macht“.


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