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Klaus Doldinger hat dem "Tatort" seine Titelmelodie verpasst

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In die Jahre gekommen und dennoch immer noch ganz oben: Klaus Doldinger (links) komponierte die Titelmusik für den „Tatort“, Udo Lindenberg saß damals als junger Musiker am Schlagzeug.In die Jahre gekommen und dennoch immer noch ganz oben: Klaus Doldinger (links) komponierte die Titelmusik für den „Tatort“, Udo Lindenberg saß damals als junger Musiker am Schlagzeug.

Osnabrück. Sie gehört genauso zum Tatort wie die Kommissare: die Titelmusik. Doch während die Ermittler der Sendereihe immer wieder wechseln, erklingt die Tatort-Melodie auch nach mehr als 770 Folgen unverändert. Der Musiker und Komponist Klaus Doldinger hat sie geschrieben.

Obgleich er eine Kiste mit rund 100 „Tatort“-Folgen auf DVD sein Eigen nennt – Klaus Doldinger ist kein großer Fernsehkonsument. Dafür hat Deutschlands wohl erfolgreichster Jazzer einfach keine Zeit. Das Werk des 73-Jährigen umfasst etwa 2000 Kompositionen und mehr als 4000 Konzerte.

Und wenn der Mann mit der charakteristischen Hornbrille doch mal in die Röhre guckt, sieht er dort am liebsten Konzerte. Oder Dokumentationen. Dennoch guckt sich der Vater der „Tatort“-Melodie gelegentlich auch neuere Folgen der Krimireihe an. Seine Lieblingskommissare sind nach wie vor Manfred Krug und Charles Brauer alias Hauptkommissar Stoever und Kommissar Brockmöller. „Diese witzige Kantigkeit der beiden hat mir gut gefallen“, schwärmt Doldinger im Gespräch mit unserer Zeitung. Und natürlich der musikalische Aspekt: „Dass die beiden in jedem ,Tatort‘ auch ganz manierlich gesungen haben.“

Das gefiel ihm sogar so gut, dass er gleich ein Album produzierte, auf dem das sangesfreudige Gespann Songs zum Besten gab. Doch damit nicht genug: Allein 14 „Tatort“-Folgen des Teams Stoever/Brockmöller habe er vertont, ebenso mehrere Folgen für Kollegen wie Zollfahnder Kressin, berichtet Doldinger.

Doldinger komponierte nicht nur die Tatort-Melodie

Internationale Berühmtheit hat der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Doldinger vor allem als Saxofonist und Chef der Band „Passport“ erlangt. Doch auch als Komponist von Filmmusiken für Werke wie „Das Boot“ oder „Die unendliche Geschichte“ ist er bekannt. Keiner habe damit gerechnet, dass auch die „Tatort“-Musik zu einem Evergreen aufsteigen würde, sagt Doldinger im Rückblick.

Entstanden ist das Krimi-Intro mit dem mordsmäßigen Groove 1970. Acht Jahre später wurde eine neuere Version eingespielt, die 2004 noch einmal leicht modifiziert wurde. Ursprünglich sei der Tatort als zehnteilige Reihe geplant gewesen, so Doldinger. „Wenn ich geahnt hätte, dass noch mehr als 770 Filme kommen sollten, hätte ich unter größerem nervlichen Druck gestanden“, ist sich der dreifache Vater sicher, der in Icking bei München lebt. „Aber so habe ich ganz unbekümmert meine Musik gemacht.“

Zum Auftrag hatte es eine Vorgeschichte gegeben: Ein Freund beteiligte sich Mitte der 60er an einem Wettbewerb für eine Trailer-Produktion, für dessen Beitrag Doldinger die Musik schrieb. Zwar fand der Film nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, aber die Musik überzeugte. „Als dann die ersten ‚Tatort‘-Krimis geplant wurden, hat man sich meiner entsonnen“, erzählt Doldinger.

Udo Lindenberg spielte Schlagzeug

Bei der Erstversion war übrigens auch Udo Lindenberg mit von der Partie. Wenngleich noch nicht als raue Rockröhre, sondern am Schlagzeug, das er damals auch in Doldingers Quartett rührte.

Noch immer erinnert sich der Jazzer lebendig an den Tag, als „der Udo“ zum Vorspielen in München erschien: „Er kam mit seinem alten, verbeulten R4 hier an, und er war gleich mein Mann. Ich mochte ihn persönlich gern und die Art, wie er trommelte.“

Längst hat das markante „Tatort“-Motiv seinen Platz in Doldingers Live-Programm gefunden: „Meistens spielen wir es als Zugabe auf unseren Konzerten. Da kann man gut drauf improvisieren und jammen, insofern ist es auch bei den Musikern beliebt“, weiß Doldinger. Auch das sei ein kleines Wunder: „Ich hab mir damals nicht vorstellen können, dass dieses Stück auch mal spielfähig für meine Band sein würde. Denn es ist ja nicht gerade ein Ohrwurm, sondern relativ komplex.“

Nach wie vor komponiert Klaus Doldinger fleißig weiter. Gerade erst habe er wieder eine Folge der Krimiserie „Ein Fall für zwei“ sowie eine Krimikomödie mit Uwe Ochsenknecht und Diana Amft vertont. Dann fügt er hinzu: „Und warum nicht auch wieder einen ,Tatort‘?“

Tatort-Liebling“ in der nächsten Woche ist Karin Anselm (Kommissarin Hanne Wiegand).


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