Von Bürohunden und Hundetagesstätten Wie Vierbeiner in Osnabrücker Büros für Glückshormone sorgen

Für Rechtsanwältin Britta Tornow ist ihre „tierische“ Partnerin Mao, eine Mischlingshündin aus Französischer Bulldogge und Shar-Pei, eine echte Bereicherung in ihrer Kanzlei am Natruper Holz in Osnabrück. Foto: Carolin HlawatschFür Rechtsanwältin Britta Tornow ist ihre „tierische“ Partnerin Mao, eine Mischlingshündin aus Französischer Bulldogge und Shar-Pei, eine echte Bereicherung in ihrer Kanzlei am Natruper Holz in Osnabrück. Foto: Carolin Hlawatsch

Osnabrück. „Wir glauben daran, dass Hunde im Büro gut für Menschen, Unternehmen und Hunde sind“ – so lautet das Credo des Bundesverbandes Bürohund. Dieser Meinung schließen sich viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Osnabrück an. Wir haben sie und ihre Vierbeiner am Arbeitsplatz besucht.

Hündin Mao ist ein Mix aus Französischer Bulldogge und Shar-Pei, und ein bisschen Anwalt steckt auch in ihr. Ganz schick mit Hunde-Fliege liegt sie am Schreibtisch einer Kanzlei am Natruper Holz in Osnabrück. Mao wurde quasi in diesen Beruf hineingeboren. Schon von Welpenbeinen an begleitet sie ihre Besitzerin, die Rechtsanwältin Britta Tornow, zur Arbeit.

„Ich habe vor drei Jahren gezielt nach Shar-Pei-Bulldogge-Mischlingen gesucht, weil ich beide Rassen gerne mag und einen kleinen, für meine Kanzlei passenden Hund wollte“, berichtet die Juristin. Fündig wurde sie bei einem Züchter in Frankfurt. Nach einem Gerichtstermin in Karlsruhe konnte sie die kleine Mao auf dem Rückweg nach Osnabrück gleich mitnehmen. So einfach ging das für Mao: Ohne zu studieren wurde sie Anwältin auf vier Pfoten.

Schick mit Fliege darf Shar-Pei-Mix Mao ausnahmsweise auf dem Mandanten-Sofa der Kanzlei Platz nehmen. Foto: Carolin Hlawatsch

Schnell habe sie sich in den Arbeitsalltag integriert, erzählt Britta Tornow. Nur einmal ist ein wichtiger Brief ihrer Neugierde und ihrem Appetit zum Opfer gefallen. Mao kam ohne Abmahnung davon – die Anwältin kann ihrem Vierbeiner einfach nicht böse sein. „Die meiste Zeit verbringt sie schlafend in ihrem Hundebett hinter dem Schreibtisch“, erzählt Britta Tornow und lächelt zu ihrer Hündin hinüber, die fürs Foto ausnahmsweise auf dem edlen Gäste-Sofa Platz nehmen darf. 

Der Kanzlei angeschlossen ist ein kleiner, umzäunter Garten, den die wärmeliebende Mao aber vorrangig im Sommer nutzt. Tierliebe Mandanten darf die Hündin höchstpersönlich begrüßen. Britta Tornow:

Ihr freundliches Wesen kann in sensiblen Fällen auch schon mal als Eisbrecher dienen.

Braucht die Rechtsanwältin eine Pause oder etwas Denkzeit für eine komplizierte juristische Sachlage, geht sie mit Mao im Natruper Holz spazieren. Der Wald liegt direkt gegenüber der Kanzlei. „Unsere gemeinsame Zeit geht aber eigentlich erst nach Feierabend los“, erklärt sie. Dann trainiert Mao beim Hundesport-Team Osnabrück in Hellern den Hundesport „Obedience“ – und das sehr erfolgreich. Britta Tornow nimmt mit ihr inzwischen sogar an Turnieren teil.

Sie ist sehr glücklich darüber, dass sie Mao nicht nur in ihrer Freizeit um sich hat, sondern sie auch in ihren Arbeitsalltag integrieren kann. Das ist nicht selbstverständlich. Als Anwältin weiß Britta Tornow, dass die meisten Arbeitnehmer auf das Wohlwollen ihres Arbeitgebers angewiesen sind, wenn sie ein Tier mit ins Büro bringen wollen: Ob Bello unter dem Schreibtisch Platz nehmen darf, entscheidet der Chef. Einzig bei Assistenzhunden, zum Beispiel für Sehbehinderte, gelten in Einzelfällen andere Regelungen. 

Foto: Carolin Hlawatsch

Das weiß auch der Bundesverband Bürohund, der Fragen rund um das Thema "Hund am Arbeitsplatz" beantwortet und interessierten Unternehmen Tipps gibt, damit Mitarbeiter mit Hundeangst oder Allergie nicht leiden. Generell hat laut dem Verband, der sich dabei auf Erfahrungsberichte und Studien stützt, die Anwesenheit von Hunden am Arbeitsplatz einen positiven Effekt: Angestellte in Büros mit Hunden haben demnach einen niedrigeren Blutdruck, ein geringeres Herzinfarktrisiko und seltener einen Burn-out. Die wissenschaftliche Erklärung dafür: Beim Streicheln eines Tieres werden im Menschenkörper das Liebeshormon Oxytocin und das Glückshormon Dopamin produziert, während das stressende Cortisol gesenkt wird.

Foto: Carolin Hlawatsch

Aber auch ohne sie zu streicheln, wirken sich Hunde positiv auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz aus und schaffen Brücken zwischen Kollegen und ganzen Abteilungen: „Sie verbessern das Engagement, die Motivation, die Loyalität und die Kreativität der Mitarbeiter“, schreibt der Bundesverband Bürohund auf seiner Internetseite.

Stets gute Stimmung in der Firma – dazu tragen bei OssTec in Gretesch auch die Hunde bei: Reha-Techniker Daniel Schwegmann mit Mischlingshündin Ella (links) und Geschäftsführer Peter Berstermann mit seinem Weimaraner Meilo. Foto: Carolin Hlawatsch

Dem kann Peter Berstermann, Geschäftsführer der Reha-Technik-Firma OssTec in Gretesch, zustimmen. Sein 15-köpfiges Mitarbeiter-Team besteht ausschließlich aus Hundefreunden, und Weimaraner Meilo sowie Mischlingshündin Ella sind fester Bestandteil des Werkstattalltags.

Peter Berstermann sagt:

„Auch, wenn ich in den Urlaub fahre und den Hund partout nicht mitnehmen kann, ist Meilo hier im Betrieb bestens aufgehoben. Alle kümmern sich um ihn.“

Die orthopädische Liegematte für seinen inzwischen 13 Jahre alten Hunde-Senior hat er selbst angefertigt. Ende des Jahres zieht sein Betrieb nach Lotte um. „Dort haben wir dann an der Werkstatthalle sogar einen eingezäunten Hundeauslauf“, freut er sich zusammen mit Reha-Techniker Daniel Schwegmann, Besitzer von Ella, die es sich zumeist im Werkstatt-Regal bequem macht.

Der Lieblingsplatz von Mischlingshündin Ella befindet sich im Werkstatt-Regal. Foto: Carolin Hlawatsch

Doch so einen hundefreundlichen Chef und einen hundekompatiblen Arbeitsplatz hat nicht jeder Tierhalter. Deswegen ist die Hundetagesstätte „Venner Aussicht“ seit neun Jahren eine gefragte Institution. „Tendenz steigend“, sagt Marcella Maunert, die die Hundepension in Ostercappeln zusammen mit Christina Dorn leitet.

Jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr nehmen die beiden Frauen mit einem großen Anhänger, ihrem „Shuttle-Service“, am Osnabrücker Limberg jede Menge Vierbeiner in Empfang. Sind alle eingesammelt, geht es zurück zur „Venner Aussicht“ wo die Hunde auf verschiedenen Geländen toben können. Natürlich seien die Ruhephasen der Gasthunde geringer, als derer, die zuhause oder im Büro neben ihren Haltern auf dem Platz dösen. Umso wichtiger sind Pausen und Rückzugsmöglichkeiten, die den Tieren in der Hundetagesstätte bewusst zugeteilt werden. 

Nach dem Tag in der Hundepension werden die Tiere zum Limberg gebracht, wo sie von ihren Herrchen und Frauchen in Empfang genommen werden. Mit dem kleinen Plausch unter Hundehaltern wird der Feierabend eingeleitet. Foto: Carolin Hlawatsch

Nicht jeder Hund eigne sich für den Aufenthalt. „Aber wir geben jedem die Chance, es zu testen. Letztendlich sind es nur wenige Kandidaten, die Anfangsschwierigkeiten nicht überwinden und für die die Trennung vom Halter und viele Hunde im Umfeld zu stressig sind“, berichtet Marcella Maunert.

Zu Feierabend, zwischen 17 und 18 Uhr, werden die Hunde zum Limberg zurückgebracht. „Lief alles gut?“ und „hat er sich benommen?“, fragen die berufstätigen Besitzer, die ihre tierischen Lieblinge teils die ganze Woche, teils auch nur an bestimmten Wochentagen in die Obhut der Hundetrainerinnen geben. 

15 bis 20 Hunde fahren derzeit täglich im Shuttle mit. Mops Wilma ist dienstags und donnerstags mit von der Partie. „Ich nutze das Angebot gerne an zwei Tagen pro Woche, obwohl ich Wilma mit ins Büro nehmen darf. Für sie bedeutet das Abwechslung, die Begegnung mit den anderen Hunden ist Sozialtraining und Auslastung“, meint Wilmas Frauchen, Silke Plogmann aus Melle. Freudig hüpft ihr der Mops in die Arme. „Feierabend, Wilma!“.


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