Nachbarschaftsstreit am Westerberg Wie eine Mauer in Osnabrück Unfrieden stiftet

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Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

Osnabrück. Bereits seit mehr als 20 Jahren erhitzt eine Grundstücksmauer die Gemüter zweier Nachbarn im Osnabrücker Stadtteil Westerberg. Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung ist nicht in Sicht.

Jürgen Boerma sitzt in seinem Wohnzimmer, vor ihm liegt ein dicker Aktenordner auf dem Tisch. Rund zehn Meter Luftlinie entfernt sitzt sein Nachbar in seiner Küche, auch er hat dicke Aktenordner dabei. Aber die beiden älteren Herren trennt mehr als der Gang von einem Grundstück zum anderen im gediegenen Corsicaskamp. Zwischen ihnen steht eine Steinplattenmauer, vielleicht 20 Meter lang und 2 Meter hoch.

Wem gehört die Mauer?

1994 kauft Boerma gemeinsam mit seiner Frau das Haus Nummer 17. An der Grenze zur Nummer 19 steht besagte Mauer. Aber wem gehört sie? In einer Privatvereinbarung der Vor-Vor-Besitzer aus dem Jahr 1932 heißt es: 

„Diese Steinplattenmauer steht also auf dem zum Grundstück Nr. 19 gehörenden Grund und Boden. Die Mauer gilt als gemeinsames Eigentum der Grundstücksbesitzer.“ Vereinbarung der Vorbesitzer, 1932


Im Grundbuch findet sich darüber aber kein Eintrag. Inzwischen zeigen sich auf Boermas Seite Risse und Abbröckelungen – und eine bedenkliche Neigung.

Boerma sagt, die Mauer sei akut einsturzgefährdet, und müsse abgerissen werden. Und zwar von seinem Nachbarn, denn auf dessen Grundstück stehe sie nun einmal. Doch der bestreitet das: Boerma wolle bloß mehr Platz in seiner Einfahrt schaffen. Zu seiner Seite sei die Mauer repariert, Boerma lasse seine Seite bewusst verkommen.

Irgendwann verklagt Boerma den Nachbarn. Etliche Jahre zieht sich das Verfahren hin, zurzeit liegt es beim Oberlandesgericht Oldenburg. Seit sieben Monaten ist nichts mehr passiert. „Verzögerungstaktik“, nennt es Boerma. „Wir nehmen nur unsere Rechte wahr“, entgegnet Rechtsanwalt Caspar David Hermanns, der den Nachbarn vertritt. Der will wegen des schwebenden Verfahrens seinen Namen nicht veröffentlicht sehen.

Die Stadt greift ein

Schließlich will Boerma die Mauer auf eigene Kosten einreißen. Anwalt Hermanns erwirkt eine einstweilige Verfügung dagegen. Boerma ruft das Bauordnungsamt an. Das erlässt im März 2018 eine Bauaufsichtsanordnung und verdonnert ihn dazu, die Mauer abzustützen und seine Einfahrt abzusperren, weil die Mauer sich nun mal zu seinem Grundstück neige. Aus der Besitzfrage hält sich die Stadt heraus.

So hat Boerma sich das nicht vorgestellt. Er sperrt seine Einfahrt und hängt einen Zettel auf, auf dem er seinen Kontrahenten namentlich angreift: 

„Diese Warnung wäre völlig überflüssig, würde unser ,feiner Nachbar‘ […] sich nicht seit rund 25!!! Jahren gegen eine Grenzvermessung der Mauer und deren Abriss stemmen.“ Jürgen Boerma, Kläger

Das sei Verleumdung, sagt Hermanns. Man habe sich nicht gegen die Vermessung gewehrt, sondern nur dagegen, dass eine Vermessungsingenieurin auch die Statik der Mauer beurteilen sollte.

Das Klima ist vergiftet

Jetzt ist Boermas Einfahrt dicht, er zahlt monatliche Miete für die Gitter und kann seine Garage nicht benutzen. Sich an unsere Redaktion zu wenden, sagt er, sei seine letzte Hoffnung gewesen. Sein Nachbar entgegnet, dass er das Einschalten der Presse als Anprangerung empfinde. Beide sagen, dass sie die Situation psychisch belaste. Und dass eine gütliche Einigung ja eigentlich ganz einfach sei. Nur danach sieht es nicht aus. Das Klima ist vergiftet. Aber Verleumden, Beleidigen, Drohen – das macht alles natürlich immer nur der jeweils andere.


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