Liederabend in Osnabrück Etta Scollo mit tragischen Liedern in der Lagerhalle

Etta Scollo mischte die nachdenklich stimmenden Lieder mit  tanzbaren Nummern zu einem berührenden Liederabend. Foto: Hermann PentermannEtta Scollo mischte die nachdenklich stimmenden Lieder mit tanzbaren Nummern zu einem berührenden Liederabend. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Immer wieder gern in Osnabrück: Mit ihrem neuen Album „Il passo interiore“ im Gepäck machte die sizilianische Sängerin Etta Scollo einen Zwischenstopp in der Lagerhalle.

Etta Scollo stellt ihr Licht gern unter den Scheffel: „Verzeihen sie mir mein improvisiertes Deutsch“, sagt die Sängerin, als sie bei der Ansage eines Liedes nach den richtigen Worten sucht. Dabei spricht die Sizilianerin hervorragend deutsch, weil sie jahrelang in Hamburg lebte und jetzt Berlin sowie ihre italienische Heimat als Wohnsitz angibt. Also verzeiht ihr das Publikum in der Lagerhalle gern klitzekleine Fehler, als sie von dem sizilianischen Mädchen erzählt, das einem Prinz versprochen ist, den es aber gar nicht will, weil es in einen armen Bauernlümmel verliebt ist. Voller Empathie singt Scollo schließlich das Lied, mit einer Stimme, die ein wahrlich breites Vokal-Spektrum zu bieten hat. Es reicht vom engelsgleichen Hochton bis zum sinnlichen Hauchen, vom kräftigen Deklamieren bis zum leichten Reibeisen.

Das Lied von der verschmähten Krone ist eines der wenigen an diesem Abend in Osnabrück, das nicht von Scollos neuem Album „Il passo interiore“ stammt. „Dieses Programm ist von Ruhe und Tiefe charakterisiert“, erklärt die zierliche Etta mit der großen Stimme. Das heißt, sie singt überwiegend neue Songs, die vom Tod handeln, von Bergwerksunglücken, von Menschen, die auf dem Mittelmeer ertrinken und von Menschen, die von den Nationalsozialisten zu unmenschlichen Dingen gezwungen wurden.

Um die Verknüpfung von Poesie und Musik geht es der Sängerin, die diesmal keine eigenen Texte vertont. So bettete sie im Song „Tra la morte e la vita“ Interviewauszüge von Gemma Lezzi in ihre Melodien ein. Diese wurde am Tag der Beerdigung ihres Vaters geboren, der 1956 bei einem Grubenunglück in Belgien ums Leben gekommen war.

Begleitet von Akkordeon, Cello sowie dezenter Percussion bekommt die Tragik der Lieder eine besondere Note, bisweilen gar eine gewisse Leichtigkeit. Etta Scollo mischt die nachdenklich stimmenden Lieder mit wenigen heiteren, tanzbaren Nummern zu einem berührenden Liederabend.


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