Klassenfahrt 2.0 Osnabrücker Jugendherberge einzigartig in Deutschland

In der Jugendherberge haben derzeit die Handwerker das Sagen. Foto: David EbenerIn der Jugendherberge haben derzeit die Handwerker das Sagen. Foto: David Ebener
David Ebener

Osnabrück. Großraumdusche, 12-Bett-Zimmer und Muckefuck war einmal. Die Jugendherberge von heute hat schon fast Hotelcharakter. Die Osnabrücker Dependance des Deutschen Jugendherbergswerks geht sogar noch einen Schritt weiter – in die digitale Vollversorgung.

Wer nicht jugendherbergsaffin ist, hat Vorstellungen von dieser Art der Unterbringung jugendlicher Reisender, die mit dem Hier und Jetzt nichts mehr zu tun haben. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) muss mit der Zeit gehen, um seine bundesweit 480 Häuser auszulasten und ist dabei in Osnabrück besonders kreativ geworden. In der Hasestadt residieren die Gäste ab April in einem Haus, dass nicht nur einfach den Zugang ins weltweite Netz bietet, sondern sich auch thematisch mit dem Internet und der digitalisierten Lebenswelt vor allem seiner jungen Gäste auseinandersetzt.

Die Rezeption wird verlegt und bekommt ein komplett neues Design. Foto: DJH


„Als Programmpartner konnten wir das Team von Helden – Verein für Nachhaltige Bildung und Persönlichkeitsentwicklung gewinnen,“ erläutert Hausleiterin Jutta Wagner. „Das ist ein großer Gewinn für unsere Programmvielfalt.“ Im Klartext heißt das laut Thorsten Kröber vom Heldenverein: In Osnabrück werden in fünf verschiedenen Klassenfahrts-Programmen jugendgerecht die Chancen und Risiken der Digitalisierung thematisiert. Dabei geht es um Themen wie Medienkritik, Cybermobbing und andere Gefahren, die im Netz und in Apps lauern. Gleichzeitig sollen aber auch die kreativen Möglichkeiten und Zukunftschancen der digitalen Welt erlebbar gemacht werden, etwa das Programmieren oder die Produktion von eigenen Videos und Filmen. Das neue programmatische Profil schlägt sich auch baulich nieder: Herzstück der ersten Jugendherberge Deutschlands mit digitaler Ausrichtung wird der Makerspace – sozusagen der Hobbykeller des digitalen Zeitalters sein. Dabei handelt es sich um offene Räume, in denen sich Ideen und Projekte der Klassenfahrts-Programme umsetzen lassen. Es entstehen ein digitales Experimentierfeld mit zunächst drei größeren Arbeitsbereichen mit der entsprechenden Infrastruktur: Eine Kreativwerkstatt zum Beispiel mit 3D-Druckern und Lötkolben, ein Social Media Lab oder auch eine Games-Werkstatt und damit ein einmaliges digitales Experimentierfeld.

Faktisch können sich schon jetzt Lehrer mit ihren Klassen für Fahrten mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten einbuchen. Sei es zum Thema „Keine Chance dem Cybermobbing“, „Webvideo: YouTube & Co“ oder auch „Action Bound – Eine digitale Schnitzeljagd selbst erstellen“, das Osnabrücker Attraktionen einbezieht.

45 Zimmer mit 175 Betten stehen nach dem Umbau zur Verfügung. Foto: DJH


Die Jugendherberge in Osnabrück befindet sich seit 1986 an ihrem jetzigen Standort am Schölerberg und zählte dort zuletzt etwa 20 000 Übernachtungen. Mit 7332 Übernachtungen (37 Prozent) machen Schulklassen die größte Gästegruppe aus. Auch bei Seminar- und Musikgruppen (30 Prozent), Familien und erwachsenen Einzelreisenden (25 Prozent) ist der Standort nach den Worten von DJH-Sprecherin Gesa Hauschild beliebt.

Investitionen in Höhe von 1,8 Millionen Euro

Jetzt wird im großen Stil umgebaut, renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Der Landesverband Unterweser-Ems des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) investiert rund 1,8 Millionen Euro in die Modernisierung und Neuausrichtung des Hauses. Insgesamt verfügt die Jugendherberge Osnabrück nach dem Umbau über 45 Zimmer, davon erhalten 30 ein eigenes Bad. Die Gesamtbettenzahl erhöht sich von 152 auf 175. Die Rezeption wird verlegt und komplett neu designt. Auch der Speisesaal wird umgestaltet und neu möbliert. Neun Tagungsräume mit moderner Tagungstechnik stehen zur Verfügung – davon sind zwei als ein Raum zusammenlegbar mit 109 Quadratmeter nutzbar.


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