"Pittoreske Momente des Kaputtseins" Punkband Wizo feiert die "Schönheit des Verfalls" im Rosenhof

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Die Deutschpunkband Wizo spielte ein fast ausverkauftes Konzert im Osnabrücker Rosenhof. Foto: André HavergoDie Deutschpunkband Wizo spielte ein fast ausverkauftes Konzert im Osnabrücker Rosenhof. Foto: André Havergo

Osnabrück. Am Mittwochabend war die Deutschpunkband Wizo zu Gast im beinahe ausverkauften Rosenhof. Zwischen linker Gesellschaftskritik und augenzwinkerndem Humor widmeten sich Band und Publikum der "Schönheit des Verfalls".

Schon bevor die Vorband Radkey die Bühne betritt, gibt Wizo-Frontmann Axel Kurth einen Ausblick auf das, was das Publikum an diesem Abend erwartet. Als "Schönheit des Verfalls"-Tour hat die Deutschpunkband aus Sindelfingen ihre aktuelle Konzertreise betitelt. Kurth und seine Band, von der sie selbst in der dritten Person als "der Wizo" sprechen, wollen genau diesen Verfall augenzwinkernd feiern: den eigenen, den der Welt, den der Gesellschaft. Der eloquente Punk verspricht "pittoreske Momente des Kaputtseins" - und er verspricht nicht zu viel.

Für den "Verfall" suchen Wizo nicht nur die Schuld bei den anderen, sondern auch bei sich selbst. Man müsse eben aufstehen, wenn man etwas ändern will. Die Band arbeitet sich durch klassische Deutschpunk-Themen um den Kampf gegen Nazis, Krieg und Polizeigewalt, singt aber auch über Liebe und Freundschaft. Mit einem Zitat von Rosa Luxemburg ist das mal sehr ernst, mit einem allegorischen Song über Seegurken und sogar einem Punk-Cover des Pippi Langstrumpf-Titelsongs sind die Musiker aber auch des Augenzwinkerns mächtig.

Der Rosenhof ist beinahe ausverkauft und bis in die letzten Reihen gefüllt. Foto: André Havergo

Nach dem durchschaubaren 1-2-3-4-Punk von Radkey haben Wizo den beinahe ausverkauften Rosenhof schnell im Griff. Der Club ist bis zur hinteren Theke gefüllt. Vorne animiert die Band die Menge zum Tanzen und gar zu einer Polonaise. Das Publikum ist textsicher und für einen Mittwochabend außerordentlich feierwütig. Alex Stinson beeindruckt spielsicher am Schlagzeug und ist für jeden Trick zu haben - das gipfelt kurzzeitig darin, dass er mit Bassist Ralf Dietel den Drumstick im Takt hin und herwirft und ihn immer rechtzeitig für den nächsten Schlag auffängt. Dietel selbst springt unentwegt über die Bühne. Und dann ist da Axel Kurth, die vermutlich schnellste Schnauze Schwabens, die lange Ansagen mit hoher Wortdichte in kurzer Zeit ans Publikum richtet und dabei allerlei Themen von Rechtsruck und Seenotrettung bis Liebeskummer anspricht. Ihren Schaffenshöhepunkt hatten Wizo in den Neunzigern. Doch auch 2019 zeigen sich die Musiker als erstaunlich frische Band.

Bassist Ralf Dietel springt unentwegt über die Bühne. Foto: André Havergo



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