NOZ-Monatsrückblick Vonovia und Berliner Kissen – Osnabrück im Januar 2019

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Osnabrück. Vonovia, der Prozess um einen toten Säugling, Berliner Kissen und die verkaufsoffenen Sonntage – diese Themen aus dem vergangenen Jahr sorgen auch im Januar 2019 wieder für Schlagzeilen. Mehr zu diesen und andere Ereignissen in unserem Monatsrückblick für die Region.

Von einem ruhigen Jahresbeginn kann in Osnabrück diesmal nicht die Rede sein. Osnabrücks größter Wohnungsvermieter Vonovia sieht sich weiterhin massiver Kritik ausgesetzt. Der Mieter Bernd Mühle verklagt den Wohnungskonzern wegen ungerechtfertigter Mieterhöhungen. Vonovia hatte die Mieten in einem Mehrfamilienhaus um monatlich 117 Euro erhöht, weil eine 37 Jahre alte Heizungsanlage erneuert wurde. Die Gesamtkosten für den Austausch der Anlage wurden dabei auf mehr als 52 000 Euro beziffert. Der Obermeister der Osnabrücker Heizungsinnung, Kai Schaupmann, stuft diese Kosten in einem Gespräch mit NOZ Medien als drei- bis viermal zu hoch ein. Er bewertet den Aufwand für diese Heizungsanlage mit 12 000 bis 15 000 Euro. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisiert Vonovia wegen „völlig überhöhter Modernisierungskosten“.

Der zunehmende öffentliche Druck zeigt schließlich Wirkung. Der Wohnungsvermieter einigt sich mit dem Kläger, Bernd Mühle, und senkt die ursprünglich geforderte Mieterhöhung um 70 Prozent auf 35 Euro monatlich. Damit ist die Angelegenheit aber noch nicht erledigt. Nachdem aufgrund der Medienberichte eine Strafanzeige gegen Vonovia erstattet wurde, prüft die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Konzern.

Auch die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Rehmstraße 121 haben Probleme mit ihren Vermietern. Nach einem Wasserrohrbruch Mitte Januar müssen die 40 Mietparteien ohne Strom, Heizung und warmes Wasser auskommen. Besonders für die älteren und behinderten Bewohner wird die Situation zunehmend unzumutbar. Eine schnelle Beseitigung der Störung ist nicht in Sicht, auch weil die Eigentümer erst ein Versicherungsgutachten abwarten wollen, bevor sie eine Firma mit der Reparatur beauftragen.

Das Landgericht Osnabrück verurteilt den Vater des kleinen Liam, der im Mai 2018 wenige Tage nach seiner Geburt an schweren Kopfverletzungen starb, wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis. Es sieht es als erwiesen an, dass der 25-Jährige seinen vier Tage alten Sohn in seiner Wohnung in Hellern so schwer misshandelt hatte, dass er eine Woche später seinen Verletzungen erlag. Der Vater hatte nach der Tat zunächst behauptet, dass ein Hund den Säugling angegriffen habe. Die Untersuchung eines Rechtsmediziners sowie die Ermittlungen der Polizei hatten aber ergeben, dass der Junge nicht durch Hundebisse lebensgefährlich verletzt wurde. Daraufhin hatte die Polizei gegen den Vater wegen des Verdachts der versuchten Tötung ermittelt. Während der Vernehmung hatte der Drogenkranke dann unterschiedliche Angaben zu der Tat gemacht und seine Aussagen mehrfach geändert. Sein Verteidiger will Revision gegen das Urteil einlegen.

Die Verkehrsberuhigung am Westerberg kommt nicht zur Ruhe. Auf einer wichtigen Zufahrt zum Klinikum werden die Berliner Kissen wieder abgebaut. Die Besatzungen von Rettungswagen aus Westerkappeln und dem Nordkreis haben sich wiederholt darüber beschwert, dass die Fahrzeuge beim Überfahren der Berliner Kissen so stark durchgeschüttelt werden, dass Patienten leiden. Die Besatzungen nehmen deshalb Umwege in Kauf oder fahren gleich ein anderes Krankenhaus an. Eigentlich sind die Kissen so beschaffen, dass Lastwagen, Busse und Rettungswagen weitgehend ungehindert darüber hinwegrollen können. Auf den Zufahrten zum Krankenhaus wurden aber andere Kissen als ursprünglich geplant aufgebracht. Auf ihnen kommen Kleinlaster und Rettungswagen mit Zwillingsbereifung auf der Hinterachse ins Schaukeln.

Auch der Streit um verkaufsoffene Sonntage geht weiter. Der Einzelhandel will bis auf Weiteres auf die Sonntagsöffnung verzichten. Den Kaufleuten ist die Unsicherheit zu groß, die durch Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft Verdi entstanden ist. Im Oktober 2018 mussten die Geschäfte am geplanten verkaufsoffenen Sonntag geschlossen bleiben, nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg zwei Tage zuvor einer Klage der Gewerkschaft stattgegeben hatte. Andere Kommunen und Städte in der Region wollen auch weiterhin den Sonntagseinkauf anbieten.

Industrieunternehmen in der Region stehen vor Veränderungen. Die chinesische Hailiang-Gruppe übernimmt das Messing- und Rohrgeschäft von KME für rund 120 Millionen Euro. Betroffen von dem Eigentümerwechsel sind nach KME-Angaben Tochtergesellschaften mit Fertigungsstandorten in Berlin (Messingprodukte) und Menden (Kupferrohre) sowie weitere Konzernteile in Spanien und Italien. Osnabrück ist von der Übernahme nicht betroffen. KME-Chef Ulrich Becker spricht sogar von einer Stärkung des Standorts, dessen Produktion ein ganz anderes Geschäftsfeld bediene, als das, was an China verkauft wurde. Damit könne eine Konzentration auf höherwertige Produkte erfolgen.

Vor einer ungewissen Zukunft stehen die Mitarbeiter der Maschinenfabrik Franz Wölfer in Osnabrück. Das Unternehmen stellt einen Antrag auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenregie. Wölfer entwickelt und fertigt seit über 70 Jahren in Sutthausen Elektromotoren für Hafenkräne, Marine- und Offshore-Technik sowie für den Bergbau und die Stahlbranche. Hoher Wettbewerbsdruck und sinkende Nachfrage machen dem Unternehmen seit 2013 zu schaffen. Betroffen sind 93 Mitarbeiter.

Rund um Osnabrück

Auch der Georgsmarienhütter Automobildienstleiter SD Automotive muss einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung stellen. Wegen der schwierigen Auftragslage aufgrund der Marktveränderung in der Automobilindustrie hatte der Spezialdienstleister im Oktober 2017 bereits 111, der zu dem Zeitpunkt rund 530 Beschäftigten, kündigen müssen. Jetzt soll die Insolvenz in Eigenverantwortung den Fortbestand des Unternehmens sichern.

Nach den beiden Leichenfunden in Hasbergen und Glandorf im Dezember 2018 führen die Ermittlungen zu ersten Festnahmen. In Köln werden zwei Verdächtige verhaftet, die für den Tod einer 75-Jährigen aus Melle verantwortlich sein sollen. Eine Spaziergängerin hatte die Leiche in einem Gebüsch oberhalb der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen entdeckt. DNS-Spuren führen die Polizei auf die Spur eines Verdächtigen, der für den Tod eines Mannes in Glandorf verantwortlich sein soll. Der 56-jährige Tatverdächtige ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ein Bekannter des Getöteten. In beiden Fällen gibt es auf die Frage nach dem Motiv noch keine Antwort.

Am Neujahrstag wird in Glandorf ein Wolf gesichtet. Das Tier wird im Grenzgebiet zu Bad Laer von einer Wildkamera fotografiert. Nach Ansicht des Wolfsberaters Raoul Reding zeigen die Bilder „definitiv einen Wolf“. Heimisch geworden ist der Wolf in der Region aber noch nicht. Reding geht davon aus, dass es sich um einen „Durchzügler“ handelt.

Fast zweieinhalb Jahre nach dem Kreistagsbeschluss beginnt der Landkreis mit dem Verkauf seiner RWE-Aktien. Der Verkauf von zunächst rund 1,6 Millionen Anteilen bringt dem Kreis 32 Millionen Euro ein. Seitdem ist der Kurs der Aktie wieder unter 20 Euro pro Stück gefallen. Die letzte Tranche soll verkauft werden, wenn der Wert der Aktie die 20-Euro-Marke wieder überschreitet, sodass ein Erlös von rund 10 Millionen Euro erzielt werden kann. Von dem Gesamtertrag sollen maximal 10 Millionen Euro in die Windenergie investiert werden. Der Rest soll in einen Spezialfonds der Deka nachhaltig reinvestiert werden.

Ein Westerkappelner wird in Braunschweig wegen Mordes zu lebenslanger Haft und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt. Der Mann hatte im Mai 2018 seine Ex-Partnerin vor den Augen der vier gemeinsamen Kinder erschossen. Die junge Mutter hatte den Angeklagten mit den vier Kindern verlassen und einen Sorgerechtsstreit gewonnen. Sie wollte nicht mehr mit ihrem Mann nach dessen Vorstellung leben und galt ihm als „Ungläubige“.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.

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