Klimaziel dennoch in Gefahr Ökostromanteil im Landkreis Osnabrück steigt deutlich

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Durch den Ausbau der Windenergie (hier ein Windrad in Gehrde in der Samtgemeinde Bersenbrück) hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix im Landkreis nach Angaben der Kreisverwaltung auf 80 Prozent erhöht. Foto: Archiv/MeyerDurch den Ausbau der Windenergie (hier ein Windrad in Gehrde in der Samtgemeinde Bersenbrück) hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix im Landkreis nach Angaben der Kreisverwaltung auf 80 Prozent erhöht. Foto: Archiv/Meyer

Osnabrück. Landrat Michael Lübbersmann (CDU) spricht von einer „Erfolgsstory“, weil der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix im Osnabrücker Land von 30 auf 80 Prozent erhöht worden sei. Warum die Region dennoch Gefahr läuft, ihre Klimaziele bis 2050 zu verfehlen.

Im Rahmen des Projekts „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ hatten Stadt und Landkreis sich zum Ziel gesetzt, 95 Prozent der CO2-Emissionen bis 2050 zu senken. Vor knapp drei Jahren sprach Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff noch davon, dass eine CO2-Einsparung gegenüber 1990 von 22 Prozent ermittelt wurde. Allerdings gibt es nach Angaben des Landkreises nun eine neue Bilanzierungsmethode, wonach der Landkreis bis 2016 nur rund 17 Prozent der Treibhausgasemissionen gegenüber dem Niveau von 1990 eingespart hat. In einer Prognose geht der Landkreis nun davon aus, dass er bis 2018 rund 24 Prozent CO2 eingespart hat. In den kommenden 32 Jahren müssen somit noch 71 Prozent eingespart werden, um das selbst gesteckte Klimaschutzziel zu erreichen. Während im Landkreis bis 2016 im Schnitt pro Jahr nur ein Prozent CO2 gegenüber dem Niveau von 1990 reduziert wurde, müssen die Treibhausgasemissionen pro Jahr nun deutlich stärker reduziert werden.

Trend zum Zweitkühlschrank

„Im Wärme- und Mobilitätssektor sind die Fortschritte bei der Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele bundesweit, aber auch in unserer Region noch nicht ausreichend“, konstatierte Lübbersmann bei der Vorstellung der Treibhausgasbilanz des Landkreises im Kreishaus und kritisierte:

„Die Leute fahren mehr mit dem Auto. Zudem stehen alte Kühlschränke oft als Zweitgerät im Keller und werden nicht entsorgt.“

Steigender Konsum trage somit dazu bei, dass etwa die bessere Energieeffizienz von heutigen Kühlschränken nicht wie gewünscht auf den Stromverbrauch durchschlage. 

Lübbersmann zeigt sich jedoch zuversichtlich, sein Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor bis 2030 auf 100 Prozent zu erhöhen, zu erreichen. Entscheidend dafür sei auch, dass der Landkreis mit seiner Regionalplanung dafür gesorgt habe, dass im Landkreis seit 2010 rund 200 Millionen Euro in Windenergieprojekte investiert worden seien. Lübbersmann sieht in Klimaschutz auch einen wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Zahl der Elektroautos verdreifachen

Als Ziel im Bereich der Elektromobilität definierte Lübbersmann, dass sich die Zahl der Elektroautos im Landkreis bis zum kommenden Jahr von aktuell 340 auf 1000 Fahrzeuge steigert. Bei den rund 10.000 Inhabern von Fotovoltaikanlagen im Landkreis soll gezielt für die Anschaffung eines Elektroautos geworben werden, weil sich dieses durch die eigene Stromerzeugung besonders lohne. Die Fahrzeuge des Landkreises sollen künftig elektrisch betrieben sein. Auch die Kommunen sollen vom Landkreis unterstützt werden. So sollen die Gemeinden im Kreis eine Fördersumme von insgesamt 225.000 Euro abrufen können, wenn sie die gemeindeeigenen Fahrzeuge durch elektrisch betriebene Autos ersetzen. Zudem soll es am Kreishaus künftig mehr Ladestationen für Elektroautos geben.

27 Prozent CO2 in der Stadt Osnabrück eingespart

Die Stadt Osnabrück hat von 1990 bis 2014 insgesamt 27 Prozent an CO2 eingespart. Eine aktuelle Treibhausgasbilanz will die Stadt bis zum Sommer vorlegen. Der Fachbereichsleiter Umwelt und Klimaschutz, Detlef Gerdts, sagt:

„Wir sind auf einem guten Weg, das Klimaschutzziel bei der CO2-Bilanz zu erreichen, könnten aber deutlich besser sein.“

Der jährliche Gesamtausstoß an CO2 betrage in der Stadt rund 1,6 Millionen Tonnen. Etwas weniger als ein Drittel davon entfalle auf den Bereich Verkehr und knapp ein Drittel auf den Bereich der privaten Haushalte. Am meisten Potenzial sieht er in der energetischen Gebäudesanierung. Durch Fördermöglichkeiten wie im Sanierungsgebiet Schinkel sei hier „viel möglich, aber auch in anderen Stadtteilen müssen wir in diesem Bereich deutlich besser werden“.


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