Bald im Theater Osnabrück Dreiteiliger Tanzabend mit einer Wigman-Rekonstruktion

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Typische Wigman-Tanzgeste: Die Osnabrücker Dance Company im Tanzsaal umringt Beate-Marie Zimmermann (hinten Mitte) von der Stiftung Stahlwerk in Georgsmarienhütte. Links von ihr Patricia Stöckemann, rechts Mauro de Candia. Foto: Michael GründelTypische Wigman-Tanzgeste: Die Osnabrücker Dance Company im Tanzsaal umringt Beate-Marie Zimmermann (hinten Mitte) von der Stiftung Stahlwerk in Georgsmarienhütte. Links von ihr Patricia Stöckemann, rechts Mauro de Candia. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Typische Wigman-Tanzgeste: Die Osnabrücker Dance Company im Tanzsaal umringt Beate-Marie Zimmermann (hinten Mitte) von der Stiftung Stahlwerk in Georgsmarienhütte. Links von ihr Patricia Stöckemann, rechts Mauro de Candia.

Wer von der Stilrichtung des Bauhauses hört, denkt wohl zuerst an Architektur oder Design made in Germany. Doch der neue Tanzabend „Bauhaus/Bolero“ am Osnabrücker Theater verweist darauf, dass Bauhaus weitaus mehr war als das – ein Schmelztiegel aus verschiedenen Künsten und Reformströmungen in Europa. So standen nicht zuletzt der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner Oskar Schlemmer, der Choreograf und Tanztheoretiker Rudolf von Laban und Mary Wigman, Ikone des deutschen Ausdruckstanzes, in engem künstlerischen Austausch miteinander.

„Rudolf von Laban suchte nach den Gesetzen der Kunst, dem Ursprung der Bewegung im Körper ohne jede Ornamentik“, sagt Tanzdramaturgin und -managerin Patricia Stöckemann am Rande einer Probe im Theater am Domhof. Ähnlich wie er forschte auch Wigman nach dem Geometrischen in der Bewegung und Raumführung.

Dem Tanz aus Wigmans Ensemblestück „Die Feier“ sieht man das bei einer Probe auf der Großen Bühne an: Immer wieder fast geometrisch klare Formen, die Arme, Beine und Körperachsen bilden. Doch bei den Kostümen durchbricht Wigman die strenge Geometrie: Die langen Röcke mit dem Rautenmuster dürfen aus dem Dreieck ausbrechen und in der Tanzbewegung den Faltenwurf glockenförmig in den Raum schwingen lassen.

„Die Feier“ (1921), „Wigmans Tanzsinfonie“ beziehe sich auf den Festgedanken wie bei so vielen Künstlern der 20er Jahre, erläutert Stöckemann, auf Religiöses und Rituelles, das aus dem Alltag herausführe. Die drei Teile des Stückes seien sinfonisch angelegt, enthielten aber auch Inhaltliches. Teil 1 handelt von einem Tempel, vom Hellen und Feierlichen mit der Betonung der Senkrechten. Teil 2 stehe im Zeichen von Dunklem und Kampf, Teil 3 vereine beides zur Unio mystica. 

Das dritte Mal Wigman

Mit „Die Feier“ hat das bewährte Rekonstruktionsteam von Henrietta Horn und Susan Barnett nun schon die dritte Wigman-Choreografie für die Osnabrücker Dance Company rekonstruiert. Den Anfang machte „Le Sacre du Printemps“ (2013), gefolgt von den beiden Totentänzen (2017). Leider war aber so wenig Material zur „Feier“ überliefert, dass das Theater lieber von einer Rekreation spricht, einer Nachschöpfung. Für den dritten Teil reichte aber nicht einmal das, um Wigmans Original nicht ganz zu verfehlen, also lassen Horn und Barnett ihn lieber weg.

Auch die Originalmusik ist nicht auffindbar, aber Hinweise auf die Instrumente gibt es und darauf, dass die Tänzer sie selbst spielten. Mitglieder der Dance Company lassen während der Probe verschiedene Perkussionsinstrumente aus dem Off erklingen. Außerdem hat der Komponist Martin Räpple Musik entwickelt, die eingespielt wird.

„Bauhaus/Bolero“ besteht aus drei Stücken. „Der Feier“ steht „Handman“ gegenüber, mit dem die Linie vom Bauhaus zum zeitgenössischen Tanz gezogen werden soll. Der international renommierte Choreograf Edward Clug hat „Handman“ 2016 für das Nederlands Dance Theater geschaffen. Darüber werden wir noch gesondert berichten. 

Maschine „Bolero“

Schließlich erkundet Osnabrücks Tanzchef Mauro de Candia Maurice Ravels „Bolero“ mit seinen Wiederholungen und seiner „mathematischen Konstruktion“, so de Candia im Gespräch. Der „Bolero“ ist 1928 entstanden.

An einen gewaltigen Marsch denkt de Candia bei dieser Musik Ravels zwischen den beiden von ihm so genannten „Revolutionen“ von 1918 und 1933. Deshalb werde es keine Soli geben, sondern das ganze Ensemble bleibe jederzeit gefangen in der engen Mechanik der musikalischen Struktur. Der Körper also im Griff des Mechanischen und Maschinellen, so sieht der Tanzchef seinen Beitrag zum Thema Bauhaus, ohne explizit politisch werden zu wollen.

Die Rekonstruktion einer betagten Choreografie wie die Wigmans kostet Geld und den Tanzfonds Erbe der Bundeskulturstiftung, der die beiden ersten Wigmann-Rekonstruktionen förderte, gibt es nicht mehr. Insofern ist die Tanzleitung sehr froh, dass die Stiftung Stahlwerk in Georgsmarienhütte den Tanzabend mit 12.000 Euro unterstützt.

Beate-Maria Zimmermann, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung, erklärt, dass die Förderung des Bauhausstückes weniger mit der Geschichte des Stahlwerks zu tun habe als mit der regionalen und vor allem überregionalen Bedeutung der Dance Company. „Wer das zeitgenössische Tanztheater etwas verfolgt, der kann einschätzen, auf welchem Niveau hier getanzt wird“, sagt sie anerkennend beim Fototermin im Theater. Sie selbst sei mit ihrem Mann Tanzpatin und lasse seit „Schwanensee“ keine Produktion mehr aus. 


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