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16-Stunden-Schichten Rheiner Landstraße: Bauzeit um sieben Monate verkürzt

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Noch fließt der Verkehr auf der Rheiner Landstraße. Ab Juli wird die Piste wegen Kanalbauarbeiten für 23 Monate gesperrt. Foto: Jörn MartensNoch fließt der Verkehr auf der Rheiner Landstraße. Ab Juli wird die Piste wegen Kanalbauarbeiten für 23 Monate gesperrt. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. 23 statt 30 Monate Bauzeit – wenn die Rheiner Landstraße einen neuen Kanal bekommt, wird sie voll gesperrt werden müssen – zu Lasten der Baustellen-Anwohner, der Menschen, die an den Umleitungsstrecken leben, des Klinikums und nicht zuletzt derjenigen, die diese Hauptschlagader täglich nutzen. Ein Bündel von Maßnahmen macht die kürzere Bauzeit möglich.

Als die ersten Zeitschätzungen für Arbeiten an Osnabrücks westlichem Einfallstor bekant wurden, war der Schrecken groß. Eine Sperrung der Rheiner Landstraße über mindestens zweieinhalb Jahre war für viele unvorstellbar. Entsprechend groß war der Druck auf die Akteure – Stadt und Stadtwerke (SWO Netz) – den Bleistift zu spitzen und sämtliche Varianten einer möglichen Bauzeitverkürzung durchzuspielen. Vor allem aus den Reihen der CDU, deren Fraktionsvorsitzender im Rat, Fritz Brickwedde, auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, wurde dem Vernehmen nach massiv auf eine möglichst kurze Bauzeit gepocht.

Spielräume ausgeschöpft

Nun, so heißt es seitens der SWO Netz, sind die Spielräume mit 23 Monaten ausgeschöpft. "Das ist keine Standardbaustelle", so Sprecher Marco Hörmeyer. Allein der zu erneuernde Regenwasserkanal ist mit über 2,05 Metern Durchmesser mehr als mannshoch. Um ihn zu verlegen, müssen die Arbeiter sechs Meter in die Tiefe und vier Meter in die Breite buddeln. Jeder laufende Meter dieser Baugrube bringt Erdaushub für drei Lkw ans Tageslicht. Zwar ist die Rheiner Landstraße nicht Osnabrücks schmalste Piste, dennoch bleibt so wenig Raum, dass die Bagger nur an den Kopfenden der Grube arbeiten können. An eine halbseitige Sperrung der Straße oder das Umsetzen der Bäume sei bei den Dimensionen nicht zu denken gewesen, so Hörmeyer.

Planungen konkretisiert

Wie aber kommt es nun zu der Verkürzung der Bauzeit um sieben Monate? "Die zuvor genannten etwa 30 Monate beruhten auf ersten Schätzungen zu Anfang der Planungen", führt Hörmeyer ins Feld. Mit der Konkretisierung der Planungen habe man sämtliche mögliche Maßnahmen in den Blick nehmen können. Folgende acht Punkte zählt Hörmeyer auf: 

  1. Maßnahmenstart von beiden Enden parallel (Rückertstraße – Richard- Wagner-Straße);
  2. Maximierung der eingesetzten Kolonnen (parallel vier Kolonnen für Kanal und zwei für die Grundstücksanschlusskanäle (GAK); 
  3. phasenversetztes, paralleles Arbeiten von Leitungs- und Straßenbau; 
  4. phasenversetztes, paralleles Arbeiten von Hauptrohr und Nebenanlagen;
  5. 12- oder 16-Stunden-Schichten (inklusive Samstag);
  6. alternative Verlegemethoden (Bohren von Hausanschlüssen); 
  7. Strafzahlung für Zeitüberschreitung in Höhe von 0,2 Prozent der Auftragssumme pro Tag (maximal 5 Prozent); 
  8. Bonuszahlungen zur Beschleunigung.


Die Grafik zeigt die vorläufigen Planungen für die Verkehrslenkung während der Bauzeit.


Hörmeyer geht nicht davon aus, dass sich diese acht Punkte erheblich auf die Kosten der Baustelle auswirken werden. Ohnehin bleibe nun abzuwarten, wie die Unternehmen innerhalb der europaweiten Ausschreibungen auf diesen "sehr sportlichen Zeitplan" reagieren. Nachdem der Verwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag, die Planungen abgesegnet habe, werde die Ausschreibung im Februar veröffentlicht. Die Vergabe soll im Mai erfolgen. Der Baubeginn ist im Juli.

Schulbetrieb soll verschont werden

"Wir wollen in den Sommerferien beginnen, um mit der Sperrung der Kreuzung Rückertstraße durch zu sein, wenn die Ferien zu Ende sind", kündigt Hörmeyer an, den Schulbetrieb möglichst von den Baumaßnahmen zu verschonen. Von da an werden sich die Kolonnen stadtauswärts wühlen. Gearbeitet wird parallel an zwei Enden: zum einen zwischen Rückertstraße und Richard-Wagner-Straße und zeitgleich zwischen Richard-Wagner-Straße und Lindemannskamp, bzw. im weiteren Verlauf zwischen Lindemannskamp und Mozartstraße. Während dieser Zeit wird die Rheiner Landstraße voll gesperrt werden sein. Wobei die Kreuzung Richard-Wagner-Straße nur zwei Monate in der Zeit vor Ostern gesperrt sein wird. Die Kreuzung Rheinerlandstraße/Mozartstraße bleibt durchgängig befahrbar .

Klinikum muss erreichbar bleiben

Erste Überlegungen, wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet werden kann, sind bereits erfolgt. Die Feinplanung kann hier aber noch kleinere Änderungen mit sich bringen. Wichtiges Kriterium war die Erreichbarkeit des Klinikums auf dem Finkenhügel. "In allererster Linie ging es uns dabei selbstverständlich um die Patienten", so Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzender Brickwedde. Jegliche Zeitverluste oder andere den Krankentransport behindernde Probleme sollten ausgeschlossen werden. "Das haben wir erreicht." Seinen Worten nach soll auf der Wilhelmstraße eigens eine Spur für Rettungsfahrzeuge geschaffen werden. 

Keine Mehrkosten für Anlieger

Wenngleich das Patientenwohl im Vordergrund gestanden habe, so sei es aber auch wichtig gewesen, einen wirtschaftlichen Schaden durch die Mammut-Baustelle vom Klinikum abzuwenden, so Brickwedde. Fatal wäre seiner Meinung nach gewesen, wenn sich Krankenwagen wegen schlechter Erreichbarkeit des Klinikums  den Weg zu anderen Häusern gesucht hätten. Eine Kostensteigerung für die Anlieger durch die nun ins Auge gefassten Beschleunigungsmaßnahmen sieh Brickwedde nicht. "Die Anlieger sollten sich da keine Sorgen machen." Es handele sich um übergeordnete städtische Ziele, die mit der Beschleunigung verfolgt würden. "Das können wir nicht den Anliegern aufdrücken."


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