Zur School Party in Osnabrück mit 16 Jahren? Einlass nur mit "Muttizettel": Das hat es mit dem Formular auf sich

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Mit dem "Muttizettel" dürfen bei bestimmten Veranstaltungen auch Unter-18-Jährige in dem Club zum Feiern. Symbolfoto: dpaMit dem "Muttizettel" dürfen bei bestimmten Veranstaltungen auch Unter-18-Jährige in dem Club zum Feiern. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Am Mittwochabend ist es wieder soweit: Pünktlich am letzten Schultag vor den Halbjahresferien steigt wie jedes Jahr die School Party im Alando Palais in Osnabrück. Dann dürfen auch die schon mitfeiern, die noch nicht 18 Jahre alt sind. Aber wie funktioniert das Ganze eigentlich?

Eigentlich dürfen sich Jugendliche unter 18 Jahren laut Jugendschutzgesetz ab 24 Uhr nicht mehr in Gaststätten, und damit auch Diskotheken und Clubs, aufhalten. Eigentlich. Denn für 16- und 17-Jährige gibt es eine kleine Ausnahme in diesem Gesetz. Dafür brauchen sie allerdings zwei Dinge: ein Erziehungsbeauftragungsformular – im Volksmund auch liebevoll "Muttizettel" genannt – und eine volljährige Begleitperson. 

Wie funktioniert der "Muttizettel"?

Das Formular kann online heruntergeladen werden und muss dann nur noch von den Eltern und der beauftragten Begleitperson unterschrieben werden. "Wir machen öfter Promo-Aktionen mit den Schülern und verteilen ihnen Flyer, bei denen auf der Rückseite bereits der Muttizettel abgedruckt ist", erzählt Giuseppe Vitale vom Neo Club in Osnabrück. Dort findet jeweils am ersten Freitag im Monat eine Party statt, zu der auch Unter-18-Jährige Zutritt haben – mit eben diesem Formular. Weil der Zettel sich inzwischen etabliert habe, wüssten seine Gäste schon Bescheid, wie das Ganze funktioniere. "Es gibt nur wenige, die ohne Zettel kommen. Aber ohne ihn haben sie keine Chance hereinzukommen", sagt Vitale.

Da der Aufwand, alle Formulare zu kontrollieren, sehr groß sei, setze der Neo Club an solchen Tagen zusätzliches Sicherheitspersonal ein. "Der Einlass dauert dann manchmal länger, weil wir jeden Zettel vernünftig überprüfen", betont der Eventmanager.

Wer darf unterschreiben?

"Jede Person über 18 Jahre kann erziehungsbeauftragt sein", teilt Michael Rudolph vom Fachbereich Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz der Stadt Osnabrück mit. Diese Person muss den Eltern bekannt sein, denn sie unterschreiben schließlich, dass derjenige auf ihr Kind aufpassen wird. "Allerdings sollte auf einen gewissen Altersabstand geachtet werden", so Rudolph.

Für Rechtsanwalt Achim Lahrmann vom Anwältehaus Osnabrück sollte zudem geprüft werden, ob der Erziehungsbeauftragte im Zweifel die wünschenswerte persönliche Distanz aufbringen kann, um die Aufsichtspflicht im Interesse des Jugendlichen angemessen umzusetzen.

Was bedeutet das für die Begleitperson?

Wer unterschreibt, auf den Jugendlichen aufzupassen, der muss darauf achten, dass dem Jugendlichen in der Gaststätte keine alkoholischen Getränke (mit Ausnahme von Bier, Wein und Sekt) verkauft werden, heißt es von Rudolph weiter. Der Erziehungsauftrag sei insofern bindend, als dass die volljährige erziehungsbeauftragte Person eine Vereinbarung zwischen sich und den Personensorgeberechtigten, also den Eltern, eingegangen ist und unterschrieben hat. 

Das bestätigt auch Lahrmann: "Der Beauftragte übernimmt – auch in rechtlicher Hinsicht – die Verantwortung für den Jugendlichen, insbesondere die Aufsichtspflicht. Insoweit sollte sichergestellt werden, dass der Erziehungsbeauftragte über die Regelungen der Jugendschutzgesetzes Bescheid weiß und verantwortungsvoll mit der Beauftragung umgeht. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit Alkohol und anderen Drogen." So sei etwa ein alkoholisierter Beauftragter rein faktisch nicht in der Lage, die Aufsichtspflicht zu führen. 

Gibt es auch Probleme mit den Zetteln?

Erziehungsbeauftragungsformulare werden häufig auch gefälscht – dessen ist auch Rudolph sich bewusst. Meist suche sich der Jugendliche eine fremde volljährige Person, die ihre Daten in das Formular einträgt, oder er unterschreibe den Zettel einfach kurzerhand selbst anstelle der Eltern: "Für die Einlasskontrolle am Eingang einer Diskothek ist die Richtigkeit nicht überprüfbar. Diese Praxis ist gang und gäbe." Um die Problematik wissen auch die Veranstalter, weshalb Muttizettel und Ausweise vor Einlass sehr sorgfältig kontrolliert werden, bestätigt Vitale.


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