Auftritt in der Osnabrück-Halle Reinhold Messner erzählte in Osnabrück von seinen Abenteuern

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

So groß der Berg, so klein der Mensch – Reinhold Messner machte am 29. Januar 2019 Station in der Osnabrück-Halle. Foto: Gert WestdörpSo groß der Berg, so klein der Mensch – Reinhold Messner machte am 29. Januar 2019 Station in der Osnabrück-Halle. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Reinhold Messner hat sich am Dienstagabend in der Osnabrück-Halle als Redner und Geschichtenerzähler präsentiert und von seinen Abenteuern in tausenden Metern Höhe berichtet. Nie zuvor gezeigte Bilder von dreidimensionalen Bergen zierten seinen Vortrag über Alpinismus, seine Erfahrungen als Bergsteiger und das Gefühl des Wiedergeborenseins.

Foto: Gert Westdörp

Sätze, die wie Bilder wirken und Bilder, die mehr als tausend Worte sagen – Reinhold Messners zweistündiger Vortrag "Weltberge – die 4. Dimension" vereinte beides. Blickfang war die riesige Leinwand, auf der drei-dimensionale Bilder von 13 Weltbergen gezeigt wurden. Blau-weißes Licht schimmerte auf den eloquenten Star-Alpinisten, der die Bilder mit Geschichten zum Alpinismus verband und die Zuschauer mit seinen Anekdoten und Erfahrungsberichten in tausenden Metern Höhe in andere Dimensionen führte.

Die Besucher in der Osnabrück-Halle hingen gebannt an seinen Lippen, als der Abenteurer über den Ursprung des Alpinismus referierte und auch von den tragischen Geschehnissen berichtete, zu denen es dabei immer wieder gekommen ist. Er erklärte, wie das Bergsteigen in den Alpen zunächst mit der Neugierde von Wissenschaftlern begann und sich dann zu dem Trieb entwickelte, das Unmögliche möglich zu machen.

(Weiterlesen: Interview mit Reinhold Messner: "Heute führt eine Piste auf den Mount Everest")

Ein Gefühl der Wiedergeburt

Bildreich erzählte Messner von seinen Abenteuern in den Bergen und wie auch er nach dem scheinbar Unmöglichen strebte. Als persönlichen Schlüssel zum Verständnis des Höhenbergsteigens diente für den 74-Jährigen die Besteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff im Jahr 1978. Das hatte zuvor als unmöglich gegolten. Je höher er und sein Begleiter Peter Habeler kletterten, desto langsamer wurden sie. Erschöpfung und Frustration machten sich breit, und der Gipfel schien einfach nicht näher kommen zu wollen. 


Reinhold Messner 1980 bei der Ankunft am Flughafen München nach der ersten Alleinbegehung des Mount Everest im reinen Alpinstil. imago/United Archives

Oben angekommen, hielt sich die Gipfel-Euphorie in Grenzen, denn der nicht minder gefährliche und kraftraubende Abstieg stand ja noch bevor. Messner: "Ich will nicht sagen, ich hätte am Gipfel des Berges das Nirwana erlebt. Wir kamen nicht als Erleuchtete von den Bergen wieder, wir mussten in uns selbst reinhören, und das eigentliche war dann die Rückkehr. Es war ein Gefühl wie wiedergeboren zu werden."

Zur Person

Reinhold Messner
Reinhold Messner wird am 17. September 1944 in Brixen in Südtirol geboren. Schon als Kind und Jugendlicher ist er begeisterter Kletterer; 1970 startet er zu seiner ersten Himalaja-Expedition, der Besteigung des Nanga Parbat. Diese endet tragisch: Sein Bruder Günther kommt ums Leben, er selbst erreicht nach sechs Tagen mit schweren Erfrierungen das Tal.
Doch Klettern und Extremtouren werden zu seinem Lebensinhalt: Er ist der erste Mensch, der alle 14 Achttausender besteigt, er durchquert zusammen mit seinem Partner Arved Fuchs die Antarktis zu Fuß und mit seinem Bruder Herbert Grönland, und das, seiner Philosophie folgend, ohne technische Hilfsmittel.
Ende der 1990er-Jahre geht er in die Politik und sitzt fünf Jahre für die italienischen Grünen im Europaparlament. Messner hat Bücher geschrieben, Vorträge gehalten, ein sechsteiliges Museum gegründet. Kürzlich hat er nun das Medium Film für sich entdeckt: Er arbeitet an einer dreiteiligen Geschichte des Alpinismus. Messner lebt mit seiner zweiten Frau Sabine Stehle in Meran und auf seinem Schloss Juval; außerdem unterhält er einen Wohnsitz in München.

Das Bergsteigen an sich sei für den Abenteurer und Unternehmer auch ein wichtiger Lernprozess, da man in gewisser Weise gegen den eigenen Selbsterhaltungstrieb ankämpfe, sich in Gebiete begebe, in denen man um das Überleben kämpfe und stets in sich selbst hineinhören müsse, um zu überleben. Messner bezeichnete den Menschen als "Mängelwesen", da dieser körperlich nicht für extreme Kälte und Höhe gemacht sei. "Aber wären wir die klassische Heldenfigur, würden wir nichts lernen."


Die vierte Dimension verleihen die Bergsteiger

Die Bilder, die Messners lebendigen Vortrag begleiteten, entspringen einer neuen Technik, die es möglich macht, Berge dreidimensional zu fotografieren. Das Ergebnis ist eine atemberaubende Ansicht auf die weißen Giganten. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entstanden die Bilder auf Basis von Satellitenaufnahmen, aus denen Wissenschaftler fotorealistische Abbilder schufen. Auf der Leinwand waren ruhige Kamerafahrten rings um die Berge zu sehen, die so aus allen Himmelsrichtungen abgebildet wurden. Messner zeigte den Zuschauern, welche Wege er genommen hat, um jeden einzelnen von ihnen zu erklimmen.

Und was ist nun die "vierte Dimension", von der im Titel von Messners Vortrag die Rede ist? Diese käme von den Bergsteigern selbst, erläuterte der Südtiroler, von ihren Gefühle und Erlebnissen. Aus diesem Grund findet Messner auch die aktuelle Situation am Mount Everest bedauerlich:

"Das hat nichts mehr mit Alpinismus zu tun, sondern ist Massentourismus."Reinhold Messner

Dabei sei ein Berg eigentlich so vielschichtig, "dass der Mensch dort heutzutage noch Erfahrungen machen kann wie vor 20.000 Jahren".


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN