zuletzt aktualisiert vor

Regenbogenkoalition gegen "Viel hilft viel" Wo kann noch gebaut werden? Stadt Osnabrück soll Konzept erstellen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein mögliches neues Baugebiet liegt in Voxtrup an der Steiniger Heide direkt an der Autobahn 30. Foto: Gert WestdörpEin mögliches neues Baugebiet liegt in Voxtrup an der Steiniger Heide direkt an der Autobahn 30. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Osnabrück braucht mehr Wohnungen: Darin sind sich alle Fraktionen im Rat einig. Trotzdem lehnte eine Mehrheit am Dienstagabend den Antrag der CDU/BOB-Gruppe ab, die Zielvorgabe von Baurecht für 3000 neue Wohneinheiten bis 2020 auf 5000 zu erhöhen.

Klasse statt Masse: So lässt sich das neue Motto zusammenfassen, das die Regenbogenmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten jetzt stattdessen vorgegeben hat. Denn die Stadt hat kaum noch Freiflächen zur Verfügung, die sich bebauen lassen, ohne dass es zu Konflikten kommt – beispielsweise, weil die Areale als Frischluftschneisen eine wichtige Rolle für das Stadtklima spielen.

Anstatt weiterhin „blindlings“ zu versuchen, Baurecht für immer mehr Wohneinheiten zu schaffen, soll die Verwaltung jetzt ein „integriertes Stadtentwicklungsprogramm“ vorlegen: So hat es die Regenbogenkoalition formuliert – eine Reaktion auf den CDU/BOB-Vorstoß, fortan für 5000 neue Wohneinheiten Baurecht zu schaffen.

Die meisten neuen Wohnhäuser haben nur ein bis zwei Wohnungen

Volker Bajus, Fraktionschef der Grünen, betonte, „Viel hilft viel“ sei ein Mythos. „Nur eine qualitative Debatte führt uns am Ende weiter.“ In den vergangenen Jahren sind in Osnabrück 2653 neue Wohngebäude entstanden – aber nur 4652 Wohnungen, berief sich Bajus auf eine Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen. Es entstanden nur 250 Gebäude mit drei und mehr Wohnungen. Bajus: „So schaffen wir die benötigten Wohneinheiten nicht.“

Die Zauberworte der Regenbogengruppe lauten stattdessen „optimierte Flächennutzung“ und „vertikale Verdichtung“ – zu Deutsch: in die Höhe bauen. Sogenannte Grüne Finger, das sind Freiflächen, die aus den Randbezirken in die Stadt hineinragen, sollen ebenso wie Kaltluftschneisen, Naturschutz- und Erholungsgebiete „weitestgehend freigehalten“ werden. Miet- und vor allem Sozialwohnungsbau soll den Vorrang haben, und die Stadt soll außerdem grenzübergreifende Planungen mit den Nachbargemeinden anpeilen.  (Weiterlesen: Stadtklima versus Baulandentwicklung: Wie wichtig sind Osnabrücks Grünflächen?)

Erst wenn die Stadt solch ein Konzept vorlegt, „können gegebenenfalls neue Zielzahlen für die Baulandentwicklung beschlossen werden“, lautet der Beschluss.

CDU: "Brauchen Dynamisierung der Zahl der Wohnungsbauten"

Für die CDU-Fraktion der falsche Weg. „Wir brauchen eine Verstetigung und Dynamisierung der Zahl der Wohnungsbauten in Osnabrück“, betonte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde. „Sonst werden wir eine soziale Sprengbombe schaffen. Bei wachsender Bevölkerungszahl ist es nötig, dass wir mehr bauen.“ Er wehrte sich gegen den Vorwurf, der CDU/BOB-Ansatz sei „rein quantitativ“. Es gebe schließlich eine Arbeitsgruppe – bestehend unter anderem aus Ratsmitgliedern –, in der alle potenziellen Baugebiete besprochen würden – „und da haben uns im Zweifel auch für Erhalt von Grün entschieden“, so Brickwedde.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) verwies auf Aufwand und Kosten für die Erstellung eines solchen integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Ein Jahr würde das dauern. Griesert: „Wir müssen auch schnell sein und gucken, dass die Flächen überhaupt verfügbar sind.“

Überstimmt wurden der OB und die CDU/BOB-Gruppe trotzdem.

Wohnungen auf Gewerbeimmobilien bauen

Bei der Suche nach Baumöglichkeiten rücken nun übrigens auch Gewerbeimmobilien stärker in den Fokus. Im Mai 2018 hatte der Rat schon beschlossen, dass die Stadt auf Handelsketten wie Aldi oder Lidl zugehen soll, um zu prüfen, ob Wohnungen ein Stockwerk über den Supermarktflächen möglich sind. UWG/Piraten wollten das jetzt auf sämtliche Gewerbeimmobilien ausdehnen – und zwar verpflichtend. Mit diesem Zwang konnte der restliche Rat nichts anfangen, aber das Gremium beschloss, dass die Stadt bei neu geplanten Gewerbeimmobilien in Mischgebieten mit den Bauherren reden soll, um die Möglichkeit einer Aufstockung mit Wohnungen zu prüfen.

Das nächste große Baugebiet entsteht in Voxtrup

Einstimmig und ohne Diskussionen brachte der Rat noch das nächste große Baugebiet in Voxtrup auf den Weg: Direkt an der Autobahn 30 sollen auf einem zehn Hektar großen Acker an der Steiniger Heide Wohnungen und Häuser entstehen. Nach dem Landwehrviertel (37 Hektar) wird dies das aktuell zweitgrößte Baugebiet in Osnabrück. Der Aufstellungsbeschluss dafür ist gefasst – jetzt geht es an die Detailarbeit.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN