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Neue Ausstellung ab April Museum Industriekultur sucht Erinnerungen an die 60er Jahre

Von Rainer Lahmann-Lammert

Arbeit schafft Wohlstand, aber Arbeit ist nicht alles. Das wurde den Menschen in den 60er Jahren zunehmend bewusst. Das Foto zeigt die Lehrwerkstatt des Stahlwerks um 1960. Fotograf: Georg BosselmannArbeit schafft Wohlstand, aber Arbeit ist nicht alles. Das wurde den Menschen in den 60er Jahren zunehmend bewusst. Das Foto zeigt die Lehrwerkstatt des Stahlwerks um 1960. Fotograf: Georg Bosselmann

Osnabrück. Moped, Schwarz-Weiß-Fernseher, Otto-Katalog: Das Museum Industriekultur sucht Exponate für eine Ausstellung über die 1960er Jahre. Sie wird am 14. April im Magazingebäude eröffnet.

„Für wen tun wir das denn alles?“, lautet der Titel der 60er-Jahre-Revue, und dabei geht es um das Leben und Arbeiten in der Wirtschaftswunderzeit. "Was wir von den Leuten haben möchten sind Dinge, die sie im Zusammenhang mit ihrer Arbeit und im Alltag und in der Freizeit genutzt haben", sagt Rolf Spilker, der Leiter des Museums Industriekultur. Dabei denkt er an Erinnerungsfotos, Eintrittskarten für ein Konzert, alte Lohnstreifen oder Werkzeuge. 

Ein Foto, das für ihn das ganze Jahrzehnt auf den Punkt bringt, hat er auch. Es zeigt die 6000-Tonnen-Presse im Osnabrücker Stahlwerk, auf der ein großer Ring geschmiedet wird.

Foto: Museum Industriekultur Osnabrück

Erst auf den zweiten Blick ist – beinahe ameisengleich – der Arbeiter zu erkennen, der am Fuße der riesigen Maschine hantiert. 

Die 60er Jahre findet Spilker interessant, weil sich die Bundesrepublik nach dem verheerenden Krieg und dem beschwerlichen Wiederaufbau zu einem wirtschaftlich und politisch stabilen Land entwickelte. Zu Beginn des Jahrzehnts herrschte Vollbeschäftigung, man war arbeitsam und konnte sich wieder etwas leisten. Aber für einen schrankenlosen Konsum war es noch zu früh. Stattdessen wurde gespart, weil sich die Jahre der Not tief ins Bewusstsein eingegraben hatten. Oder weil das Geld beiseite irgendwann für einen VW Käfer reichen sollte.

Staubsauger für alle

Mit der neuen Ausstellung will das Museum den Blick vor allem auf die Arbeit und die Lebensverhältnisse der Menschen richten. In Osnabrück entstanden große Kaufhäuser und Verbrauchermärkte, mit dem zunehmenden Individualverkehr wurde die Forderung nach der autogerechten Stadt lauter, die rege Bautätigkeit brachte neue Siedlungen wie das Dodeshaus-Quartier hervor. 

Mit der Arbeitszeitverkürzung bekam auch die Freizeit einen anderen Stellenwert, und der wachsende Wohlstand erlaubte es sogar Normalverdienern, im Sommerurlaub mit dem Auto in den Süden zu fahren und im Wohnzimmer einen Schwarz-Weiß-Fernseher aufzustellen. Für fast jeden Haushalt wurden elektrische Geräte wie Kühlschrank, Staubsauger, Küchen- und Waschmaschine angeschafft, die vorher nur für die oberen Zehntausend erschwinglich waren. 

Die Ausstellung im Magazingebäude setzt auch auf Interviews mit Zeitzeugen. Ihren persönlichen Erinnerungen und Erinnerungsstücken wollen Spilker und sein Team einen angemessenen Rahmen bieten. 

Exponate für die Ausstellung „Für wen tun wir das denn alles?“ können dem Museum Industriekultur jeweils von 10 bis 15 Uhr gemeldet werden, montags und dienstags unter der Telefonnummer 0541/13 93 079, mittwochs und donnerstags unter 0541/13 93 077.


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