Haus im Osnabrücker Stadtteil Wüste Seit zwei Wochen keinen Strom: So leben die Bewohner ohne Heizung und Licht

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Haus mit der Hausnummer 121 an der Rehmstraße ist seit zwei Wochen ohne Strom. Foto: Michael GründelDas Haus mit der Hausnummer 121 an der Rehmstraße ist seit zwei Wochen ohne Strom. Foto: Michael Gründel 

Osnabrück. Seit zwei Wochen hat das Haus Rehmstraße 121 im Osnabrücker Stadtteil Wüste keinen Strom. Die Bewohner wissen nicht mehr weiter, ein Mieterverein rät zur Mietminderung.

Ins Treppenhaus fällt tagsüber noch Licht. Ein paar Schritte weiter, im Flur, wo es zu den Wohnungen geht, ist es auch dann schon stockdunkel. Mielo Tjams Taschenlampe flackert umher. Seit 23 Jahren lebt die Osnabrückerin in der Rehmstraße Nummer 121. 

Seit zwei Wochen ohne Strom. Das heißt: ohne Licht, ohne Heizung, ohne Warmwasser, ohne Fahrstuhl. In ihrer Wohnung hat sie eine Temperatur von 6,9 Grad Celsius gemessen. Die 59-Jährige sagt:

„Die diskutieren so lange, bis das Haus verschimmelt ist“

Warten auf den Gutachter

„Die“, damit meint sie die Eigentümer. Das Mehrfamilienhaus ist in Eigentumswohnungen aufgeteilt, die meisten sind vermietet. 40 Parteien leben hier. Am 16. Januar setzte ein Wasserschaden im Keller die Elektronik außer Gefecht. Am 24. hat eine Eigentümerversammlung beschlossen, erst einmal ein Gutachten zum Schadensausmaß abzuwarten. Solange passiert nichts. Mielo Tjam hält es nicht aus. Wie viele andere ist sie im Dunkeln schon gestürzt. Sie ist vorübergehend bei einem Nachbarn untergekommen.

Daniela Gallien hat sich einen mobilen Ofen angeschafft. Wegen der Kohlenmonoxid-Gefahr muss sie regelmäßig lüften. „Wenn man es gerade warm hat, muss wieder Kälte rein“, sagt Gallien. Abends behilft sie sich mit Kerzen und Taschenlampen.

Foto: Michael Gründel

Gefangen in der Wohnung

Zwei Stockwerke höher lebt Felicitas Schümann mit ihrem Ehemann Fritz. Die Seniorin ist auf einen Rollator angewiesen. Seit der Fahrstuhl nicht mehr läuft, ist sie wie eine Gefangene in ihren vier Wänden. „Ich würde gerne nach draußen, aber es geht nicht.“ Fritz Schümann schüttelt den Kopf. „Es ist traurig, dass so etwas passiert.“ Die Pflegerin seiner Frau, die aus Russland stamme, habe ihm gesagt: „Ich kann gar nicht verstehen, dass so etwas in Deutschland passieren kann.“

Der Kontakt mit ihren Vermietern läuft bei allen unterschiedlich. Mielo Tjam lässt auf ihren Vermietern nichts kommen: „Er hat von sich aus eine Mietminderung angeboten.“ Daniela Gallien dagegen kann ihre Vermieterin seit Tagen nicht erreichen, diese reagiere weder auf E-Mails noch auf Anrufe. André Homuth hatte zwar ein Gespräch mit dem Eigentümer seines Appartements, aber kein gutes. „Er will von nichts wissen“, erzählt der 40-Jährige.

Kein vertragsgemäßer Zustand

Neben der Haustür hängt eine Information der Hausverwaltung ECD, die auf den Beschluss der Eigentümergemeinschaft verweist, das Ergebnis des Gutachters abzuwarten. „Das bedeutet, dass unsererseits vorerst kein Auftrag an einen Elektriker vergeben werden kann und bis dahin weiterhin keine Stromversorgung möglich ist.“

Carsten Wanzelius, Geschäftsführer des Mietervereins Osnabrück, rät den Betroffenen, die Miete von sich aus zu kürzen – wenn man den Vermieter nicht erreiche, solle man es jedenfalls schriftlich ankündigen. Zur misslichen Lage, in der sich die Bewohner des Hauses befinden, sagt er: „Ein vertragsgemäßer Zustand der Wohnung ist nicht mehr gegeben.“ Möglicherweise sei sogar eine Klage auf Schadenersatz denkbar, wegen Nichterfüllung des Mietvertrages durch den Vermieter.

Gegen Kälte und Dunkelheit hilft das erst mal auch nichts. Die Bewohner des Hauses müssen weiter ausharren - auch die tierischen.

Foto: Michael Gründel



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN