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Regionaler Klimagipfel? Klimabeirat Osnabrück mahnt: Stadtrat muss Klimaschutz vorantreiben

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Windräder auf dem Piesberg. Foto: Gert WestdörpWindräder auf dem Piesberg. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Mehr Klimaschutz vor Ort: Der Osnabrücker Klimabeirat ist überzeugt, dass eine große Mehrheit der Bürger bereit wäre, mehr für den Klimaschutz zu tun. Vom Stadtrat wünscht sich der Klimabeirat deshalb deutlich mehr Engagement.

Markus Große Ophoff, Vorsitzender des Osnabrücker Klimabeirates, zitierte in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses eine Umfrage von Infratest-Dimap, wonach 74 Prozent der Bundesbürger der Meinung sind, die Bundesregierung sollte mehr in den Klimaschutz investieren. "Die Menschen sind bereit, und die Politik sollte handeln", sagte Große Ophoff – und meinte damit auch ganz konkret den Osnabrücker Stadtrat.

Markus Große Ophoff, Vorsitzender des Klimabeirates und Fachlicher Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation. Foto: David Ebener

Empfehlungen für den Stadtrat

Der Vorsitzende des Klimabeirates beendete seinen Vortrag in der Ausschusssitzung mit Empfehlungen für die Kommunalpolitik. Die Stadt sollte weiter konsequent nach Standorten für Windräder suchen, die Photovoltaik auf städtischen Gebäude ausbauen und Photovoltaik-Anreize für Gewerbetreibende und private Hausbesitzer schaffen. Der Rat sollte die Stadtwerke beauftragen, einen verbindlichen Plan für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu erstellen, und die Nutzung von Geothermie stärker fördern.

"Es ist konsequentes und dringendes Handeln erforderlich", sagte Große Ophoff und legte Zahlen vor: Wenn es im aktuellen Tempo weitergehe, werde die Region Osnabrück das selbstgesetzte Ziel, den Kohlendioxidausstoß bis 2050 um 95 Prozent (im Vergleich zu 1990) zu reduzieren, erst deutlich nach 2070 erreichen. Der Klimaschutz sollte bei allen relevanten Entscheidungen des Stadtrates berücksichtigt werden – "so wie heute bei jeder Entscheidung auch nach den Kosten gefragt wird", sagte Große Ophoff.

Kein Platz für Windräder

Beim Ausbau der regenerativen Energien trete die Region Osnabrück teilweise auf der Stelle. Die Windenergie habe aufgrund der veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen eine "Vollbremsung" hingelegt. Im Stadtgebiet von Osnabrück sei kein Standort für eine Windkraftanlage in Sicht, im Kreis Steinfurt werde wegen der neuen Abstandsregeln, die die nordrhein-westfälische Landesregierung eingeführt hat, wohl keine neuen Anlagen geben. Im Landkreis Osnabrück stoße die Windenergie zunehmend auf Akzeptanzprobleme.

Bei der Stromerzeugung aus Sonne habe Osnabrück in der Vergangenheit "viel leistet", doch sei das Potenzial lange nicht ausgeschöpft. Große Ophoff legte der Politik nahe, eine "Solaroffensive 3.0" zu intensivieren, um Gewerbetreibende und Hausbesitzer zu motivieren, Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern installieren zu lassen. Solarenergie im Eigenverbrauch sei lohnend, betonte Große Ophoff. 

Geothermie – also die Energiegewinnung durch Erdwärmepumpen - könnte in Osnabrück besser genutzt werden, doch dazu bedürfe es einer intensiveren Beratung der Immobilieneigentümer. Große Ophoff schlägt vor, eine Art Geothermie-Kataster für Osnabrück zu erstellen, aus dem zu ersehen wäre, wo sich das Anzapfen der Erdwärme lohnen würde. "Das könnte die Stadt bei der Ausweisung neuer Wohngebiete gleich mitprüfen", sagte Große Ophoff.

Außerdem drängt der Beiratsvorsitzende darauf, den gemeinsam mit dem Kreis Steinfurt und dem Landkreis Osnabrück initiierten regionalen Klimagipfel fortzusetzen und die gemeinsamen Umweltschutzbemühungen zu verstärken.


Masterplan 100% Klimaschutz

Als eine von 19 Kommunen hat die Stadt Osnabrück Mitte 2012 beim bundesweiten Wettbewerb "Masterplan 100% Klimaschutz" erfolgreich teilgenommen. Über einen Zeitraum von vier Jahren erhält Osnabrück eine Förderung zur Erarbeitung einer kommunalen Strategie, in der dargestellt werden soll, wie eine Senkung der Kohlendioxidemissionen um 95 Prozent und des Energieverbrauchs um 50 Prozent bis zum Jahr 2050 möglich sein kann. Beteiligt sind auch die Landkreise Steinfurt und Osnabrück sowie die Stadt Rheine. Die Arbeit wird begleitet von einem Beirat, in dem Vertreter aus der Wirtschaft, Forschung, von Vereinen Verbänden, Institutionen und der Kirche sitzen. Im Beirat   gibt es sechs Themen-Teams: Öffentlichkeitsarbeit, Energieeinsparung, Erneuerbare Energien, Mobilität, Ernährung, Stadt-Umland-Kooperation. 

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